Nokia-Manager: „Wir brauchen den Muskel von Microsoft“

Nokia-Manager
„Wir brauchen den Muskel von Microsoft“

Wie geht es weiter mit Nokia? Spitzenmanager Florian Seiche äußert sich im Interview mit Handelsblatt Online über die Motive für den Verkauf an Microsoft und kündigt den Start des neuen Flaggschiffs an.

BerlinViel Zeit zum Einarbeiten hatte Florian Seiche nicht: Der Nokia-Manager kam erst im August vom Konkurrenten HTC, jetzt muss er den Mitarbeitern und Kunden erklären, warum der finnische Konzern sein Kerngeschäft mit Handys an Microsoft verkaufen will. Seiche, der den europäischen Vertrieb leitet, betonte im Interview mit Handelsblatt Online, dass die die Smartphone-Sparte von Nokia geschlossen zu Microsoft wechselt: „Die Identität bleibt.“

Handelsblatt Online: Herr Seiche, sind Sie und die Mitarbeiter noch geschockt?

Florian Seiche: Es war auf alle Fälle eine Überraschung. In den Köpfen war der Verkauf an Microsoft vielleicht eine Option, aber wenn der Fall eintritt, ist das was anderes. Aber die Leute hoffen auf einen Schub für unser Geschäft. Das setzt neue Kraft frei.

Nokia ist eine stolze Firma mit langer Tradition. Da wird doch mancher wehmütig sein.

Sicher ist das für alle Mitarbeiter eine emotionale Sache, gerade wo sie über Jahre durch Dick und Dünn gegangen sind. Aber die Identität bleibt, das Nokia-Team geht geschlossen in diese neue Verbindung rein, aus uns geht das neue Team für Devices und Services bei Microsoft hervor.

Welche Vorteile hat der Deal?

Beide Firmen können sich gegenseitig etwas bringen. Wir haben sehr gute Produkte – am 12. September kommt beispielsweise unser neues Flaggschiff Lumia 1020 in Deutschland auf den Markt. Aber wir müssen größer werden, um schneller wachsen zu können. Und wir können die Zusammenarbeit bei der Entwicklung neuer Geräte noch besser koordinieren.

 

Microsoft hat dicke Taschen.

Der Smartphone-Markt ist hart umkämpft. Früher reichte ein gutes Gerät, heute hat der Kunde große Auswahl. Da ist ein großer Marketingaufwand notwendig, um die Unterschiede zur Konkurrenz zu kommunizieren – in der Werbung, im Laden oder online. Microsoft hat den nötigen Muskel dafür. Aber es geht um viel mehr als nur Geld.

Sondern?

Microsoft bietet eine langfristige Perspektive. In zwei bis drei Jahren ist es für jeden Nutzer absolut normal, dass er nicht nur ein Smartphone, sondern auch ein Tablet und ein Notebook hat und die unterschiedlichen Geräte wie selbstverständlich zusammenspielen. Auch die Geschäftswelt wird zu so einer Multiscreen-Umgebung. Da kann Microsoft seine Stärke ausspielen.

 

Nokia ist eine bekannte Handymarke, die immer noch Klang hat, Microsoft nicht. Geht mit dem Verkauf nicht der gute Ruf verloren?

Der Bereich Markenstrategie ist noch offen. Dennoch, Microsoft lizensiert ja die Marke Nokia für Mobiltelefone auf die nächsten zehn Jahre. Außerdem sehen wir, dass neben dem Firmennamen die Produktfamilie, also Lumia, so wie bei Samsung die Galaxy-Kategorie an Wichtigkeit gewinnt. Lumia ist noch jung, hat sich aber in kurzer Zeit schon gut etabliert und Microsoft erwirbt auch eine Lizenz für die Marken Lumia und Asha.

Bei Übernahmen fallen oft Jobs weg. Müssen sich die Mitarbeiter Sorgen machen?

Im Detail lässt sich das noch nicht sagen, aber bei der Übernahme geht es um Wachstum.

 

Was sagen die Mobilfunkanbieter zum Verkauf?

Die Reaktionen sind ausnahmslos positiv. Aus ihrer Sicht macht der Schritt absolut Sinn. In vielen Ländern dominieren Apple und Samsung, das ist für die Mobilfunkanbieter nicht das ideale Szenario – sie wollen einen starken dritten Anbieter. Außerdem wollen sie ein Multiscreen-Szenario anbieten, in dem verschiedene Geräte wie Smartphone, Tablet und Computer vernetzt sind – das können wir bieten.

 

32.000 Mitarbeiter wechseln zu Microsoft. Haben Sie schon mit der Transaktion begonnen?

In den letzten Tagen haben wir uns darauf fokussiert, mit unseren Mitarbeitern und Partnern zu kommunizieren. Aber alles ist davon abhängig, dass die Transaktion auch über die Bühne geht. Erst dann können wir den Übergang einleiten.

Danke für das Gespräch.

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