Nokia nach dem Verkauf Und jetzt wieder Gummistiefel?

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Netzwerkausrüstung ist das neue Herz von Nokia

Microsoft kauft Handy-Geschäft von Nokia

„Was nun?“, fragte ein Mann ein wenig ratlos, den das finnische Fernsehen vor einem Nokia-Laden im Zentrum Helsinkis interviewte. Ja, was nun? Nokia, das mit ihrem Communicator 1998 das erste Smartphone der Welt präsentierte, die dann aber auch in Selbstherrlichkeit die Faszination von Touchscreens und Apps völlig unterschätzten und viel zu spät eigene Geräte entwickelten und somit den Anschluss an Apple und Co. verpassten, steht nun vor einem dramatischen Neuanfang. Erstmals in der jüngeren Nokia-Geschichte wird der Konzern keine eigenen Handys mehr produzieren.

Stattdessen muss sich das Unternehmen auf seine erst kürzlich vollständig übernommene Netz-Sparte Nokia Solutions & Networks (NSN) und die Weiterentwicklung seiner erfolgreichen Navigations- und Kartensoftware Here (Interview mit Sparen-Chef Michael Halbherr) konzentrieren. Damit wird Nokia ein wenig deutscher. Denn NSN ist aus einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem Münchener Industriekonzern Siemens hervorgegangen. Und NSN wird künftig zum Kernstück des neuen Nokia-Konzerns.

Es ist nicht der erste große Schnitt in der über einhundertjährigen Geschichte von Nokia. Der Konzern entstand aus einem Mischkonzern, der neben Papierprodukten auch Gummistiefel, Autoreifen und Kabel verkaufte. Viele Finnen erinnern sich heute, wie mit dem damaligen Nokia-Chef Jorma Ollila die Konzentration auf Handys vorangetrieben wurde. Auch damals gab es viele Zweifler.

Vom Gummistiefelhersteller zum Handyriesen
Landesforsten leiden unter Wirtschaftskrise
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Die Geschichte von Nokia begann 1865: Damals baute Fredrik Idestam im Süden von Finnland eine Papierfabrik. Ein paar Jahre später ließ er eine zweite nahe des Nokianvirta Flusses errichten – dieses Gewässer gab dem Unternehmen den Namen.

huGO-BildID: 23864095 Gummistiefel
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Im Jahr 1898 gründete Eduard Polón eine finnische Gummifabrik, die unter anderem Stiefel herstellte. Das Unternehmen ging 1967 gemeinsam mit der Papierfabrik und dem 1912 gegründeten Kabelunternehmen Finnish Cable Works in Nokia auf.

Mobira Cityman 900
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1987 stellte Nokia das erste mobile Handtelefon vor. Zuvor waren Mobiltelefone stets fest in Autos installiert. Das Handy mit dem Namen Mobira Cityman wog 800 Gramm und kostete rund 4560 Euro.

Nokia veröffentlicht Quartalszahlen
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Aus dem Gemischtwarenladen entwickelte sich über die Jahre ein erfolgreicher Technologiekonzern, auf den ganz Finnland stolz war. 1998 wurde Nokia zum weltweiten Marktführer im noch jungen Markt für Handys.

A staff member displays a Nokia N9 mobile phone during the CommunicAsia expo in Singapore
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Doch die Dominanz bröckelte, nachdem Apple das iPhone vorgestellt hatte. Der finnische Handyhersteller reagierte zu spät auf den Trend zu Smartphones – im Bild ein N9. Binnen weniger Jahre sank der Marktanteil der einstigen Nummer 1 von knapp 40 Prozent auf zuletzt 14 Prozent, bei Smartphones sieht es sogar noch schlechter aus. Nokia rutschte tief in die roten Zahlen.

Nokia will mit Windows-Smartphones wieder nach vorn
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Auch im Anfang Oktober veröffentlichten Markenranking des Beratungshaus Interbrand flog Nokia aus den besten zehn Marken weltweit raus. Das Unternehmen führte die Liste der größten Markenwertverlierer an. Gegenüber dem Vorjahr hat der Name15 Prozent an Wert verloren.

Nokia chief executive Stephen Elop welcomes Microsoft chief executive Steve Ballmer with a handshake at a Nokia event in London
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Im Februar 2011 kündigte der Handyriese an, bei Smartphones künftig auf sein hauseigenes Betriebssystem Symbian zu verzichten. Stattdessen ging Nokia-Chef Stephen Elop (links) mit Microsoft-Chef Steve Ballmer (rechts) eine Kooperation für seine Handy-Software ein. Im September 2013 dann der Paukenschlag: Microsoft kündigte an, das Handy-Geschäft der Finnen komplett zu übernehmen. Elop wechselt zu Microsoft. Bei Nokia verbleiben die Netzwerksparte NSN, der Kartendienst Here sowie die Patente. Im April 2014 war der Deal endgültig abgeschlossen.

Jetzt, so hofft man an diesem Tag in Finnland, steht ein weiterer Neuanfang an. An der Spitze des Konzerns wird es auf jeden Fall eine Veränderung geben: Denn Stephen Elop geht zurück zu seinem alten Arbeitgeber Microsoft und wird dort sogar als ein möglicher Nachfolger von Microsoft-Chef Steve Ballmer gehandelt. Bei Nokia übernimmt zunächst Aufsichtsratschef Risto Siilasmaa die Leitung bis ein neuer Chef gefunden worden ist.

Das Ende der Ära Nokia – für viele Finnen ein Schock. Neben Ratlosigkeit, die sich auch in den Kommentaren im finnischen Fernsehen widerspiegelt, bleiben auch Fragen. Warum gerade jetzt, wo doch der Verkauf von Lumia-Geräten erstmals deutlich angezogen ist? Warum zu diesem Preis, der von mehreren Analysten als viel zu niedrig angesehen wird?

Alekstra-Analyst Tero Kuittinen bezeichnete den Verkauf der Handy-Sparte an Microsoft als „ein großes Mysterium“. „Irgendetwas muss da vorgefallen sein, dass sie die Sparte so billig abgaben“, erklärte der Experte. In den kommenden Tagen wird Finnland über den Aufstieg und Fall von Nokia noch viel zu diskutieren haben.

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4 Kommentare zu "Nokia nach dem Verkauf: Und jetzt wieder Gummistiefel?"

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  • Na, ich habe heute meine Nokia Aktien, die ich bei 1,82 gekauft habe, mit Freuden losgeschlagen. :-)

  • Der deal ist nicht durch!
    Es bedarf für den Verkauf wesentlicher Geschäftsbereiche einer außerordentlichen HV und da werden die big-boys und Heuschrecken auf den Plan kommen.
    Das gibt noch Kapriolen und heftige Kurschwankungen denke ich!

  • "Diese "Nokia Siemens verkauft Repressionsinfrastruktur an den Iran" Geschichte finde ich ja absolut großartig, weil das so schön aufzeigt, was für üble Regime UNS eigentlich so regieren. Hier sagt NSN der BBC sehr treffend:

    A spokesman described the system as "a standard architecture that the world's governments use for lawful intercept".

    He added: "Western governments, including the UK, don't allow you to build networks without having this functionality."

    EXAKT! Das ist der Kernpunkt! Nicht für den Iran wurde diese Technologie erfunden und gebaut. UNSERE üblen Repressionsregimes haben das erfunden, spezifiziert, standardisiert und gesetzlich vorgeschrieben. Wenn der Iran das gegen seine Bürger einsetzt, ist das plötzlich verwerflich? Aber wenn wir das unseren Telcos vorschreiben, ist das rechtsstaatlich OK? Nicht nur ich habe da offensichtlich Verständnisschwierigkeiten und kognitive Dissonanz. "
    http://blog.fefe.de/?ts=b4be3c40

  • "...Damit wird Nokia ein wenig deutscher..."
    Schadenfreude Handelsblatt?

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