Nokia Siemens: Gewinne gehen vor Wachstum

Nokia Siemens
Gewinne gehen vor Wachstum

Statt wie bisher aggressiv weiter wachsen zu wollen, will Nokia Siemens Networks nun die Gewinne ausbauen. Nach einer erfolgreichen Unternehmenssanierung könnte dann sogar ein Börsengang anstehen.
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HelsinkiDer deutsch-finnische Netzwerkbauer Nokia Siemens Networks gibt seine aggressive Wachstumsstrategie auf und will sich auf eine Verbesserung der Gewinnspannen konzentrieren. Zudem schließt das Unternehmen einen Börsengang im Anschluss an eine erfolgreiche Sanierung nicht aus.

Der Direktoriumsvorsitzende Jesper Ovesen sagte in seinem ersten Interview seit der Amtsübernahme vor vier Monaten der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch, der Marktanteil sei für ihn kein Schlüsselkriterium. „Mit Marktanteil kann ich mein Leben nicht bestreiten.“ NSN könne es sich nicht länger erlauben, wie bislang pro Jahr 500 Millionen Euro an Bargeld zu verbrennen. „Sogar starke Anteilseigner mit tiefen Taschen können nicht länger einer Firma Geld zuschießen, die ständig welches verliert.“ Die Tochter von Siemens und Nokia hat seit ihrer Gründung 2007 hohe Verluste eingefahren.

Im November kündigte NSN die Streichung von 17.000 Arbeitsplätzen an - ein Viertel seiner Belegschaft. Die Firma leidet unter dem scharfen Wettbewerb mit Marktführer Ericsson und aufsteigenden Rivalen aus China. Wenn sich die Konsolidierung unter den Kunden fortsetze, gebe es in der Netzwerk-Branche möglicherweise ein oder zwei Wettbewerber zu viel, sagte Ovesen.

NSN benötige zur Finanzierung des Konzernumbaus keine weiteren Geldspritzen von seinen Anteilseignern mehr, sagte Ovesen. „Ich denke nicht, dass die Eigner noch mehr beitragen sollten. Sie haben stattdessen einen richtigen Ertrag verdient.“ Siemens und Nokia haben beide erklärt, dass sie NSN unabhängiger machen und möglicherweise in einigen Jahren an die Börse bringen wollen. Laut Ovesen muss NSN jedoch hierzu zunächst seinen Umbau abschließen, finanzielle Stabilität beweisen und auf dem Gebiet der Technik führend bleiben.

Sowohl Siemens als auch Nokia werden Ovesen zufolge genug Geduld aufbringen, um die nächste Phase 2013 abzuwarten, solange NSN in der Zwischenzeit ausreichend Fortschritt vorweisen kann.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nokia Siemens: Gewinne gehen vor Wachstum"

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  • Offenbar hat hier der Miteigner Siemens geschlafen und diese NSN-Management jahrelang werkeln lassen. Vor gut einem Jahr noch die Motorola Netzwerksparte für eine knappe Millarde Dollar kaufen, und heute ist "Marktanteil kein Schlüsselkriterium" ?? Also nun doch lieber zerschlagen und im Schlussverkauf verscherbeln?? Eigenartige Strategie. Muss ein zweites BenQ offenbaren, dass Siemens aus den Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt hat?

  • Gegenüber Reuters hat J. Ovesen gesagt,das Mastermind hinter der angekündigten Restrukturierung und der Neuausrichtung des Unternehmens sei Rajeev Suri (CEO). Dann kann ja kaum noch was schief gehen,oder? Dumm nur, dass die gleiche Person die bisherige erfolglose Strategie entworfen und umgesetzt hat und NSN den Abgrund noch ein Stück näher gebracht hat. Und in seiner Zeit als Leiter Global Services bevor er CEO in 2009 wurde, die ebenso gescheiterte Strategie seines Vorgängers Beresford-Wylie mitgetragen und umgesetzt hat. Gilt natürlich auch für den Rest der "Unternehmer" im Vorstand. Nur gut dass Josef Kaeser (CFO Siemens) sich jetzt wieder kümmert. Dann kann er genau da weiter machen wo er vor 6 oder 7 Jahren aufgehört hat. In dieser Zeit war "Joe" noch kfm. Bereichsvorstand für den Information & Communication Mobile Bereich von Siemens. Dazu gehörten die Mobile Phones (danach BenQ, danach pleite) und Mobile Netzworks (heute NSN).

  • Seit seiner Gründung wechselt NSN jedes Jahr die Strategie. Mal ist das Wachstum das Wichtigste, dann wieder der Ertrag, dann (angeblich) die Innovation, dann doch wieder der Ertrag bei gleichzeitigem Schrumpfen - wobei gleichzeitig betont wird, dass nur die ersten drei Telekommunikationsunternehmen überleben werden. Was ist das für ein Vorstand?
    Gleichzeitig wird jedes Jahr ein Großteil der Mitarbeiter, hauptsächlich in Europa und USA, (verbunden mit hohen Kosten) abgebaut - trotzdem ist die Mitarbeiterzahl von 60000 auf 75000 gestiegen.
    Ethische Grundsätze und Gesetzestreue zählen bei all dem nichts. Die gesetzlich vorgeschriebene Sozialauswahl wird nach den Plänen des Vorstands dadurch unterlaufen, dass Standorte (an denen die Mehrzahl der Mitarbeiter seit Jahrzehnten arbeiten) geschlossen werden.
    Firmen wurden gekauft wegen ihrer Produkte und ihrer Kunden (z.B. Motorola Networks). Dann wurden deren Produkte zum großen Teil wieder abgestoßen, die Kunden verärgert, die Mitarbeiter entsorgt.
    NSN ist nur zu retten, wenn der gesamte Vorstand ausgewechselt wird.

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