Nokia Siemens Networks
Start unter schwierigen Bedingungen

Trotz immer neuer Enthüllungen im Siemens-Schmiergeld-Skandal versucht Nokia zwei Tage vor dem offiziellen Start des Gemeinschaftsunternehmens Nokia Siemens Networks gute Miene zum bösen Spiel zu machen und demonstriert Zuversicht.

STOCKHOLM. „Geschäftlich bedeutet das für uns nichts“, kommentierte Nokia Siemens Networks-Sprecher Barry French am Donnerstag die Verhaftung zweier weiterer Siemens-Mitarbeiter gegenüber dem Handelsblatt. Beide Verhaftungen stehen im Zusammenhang mit der Schmiergeldaffäre beim Münchener Konzern, die den ursprünglich für Jahresanfang geplanten Start des finnisch-deutschen Netz-Joint-Ventures um drei Monate verzögert hatte.

Der finnische Konzern, der die Federführung in dem neuen Gemeinschaftsunternehmen hat, demonstriert Zuversicht: Die Muttergesellschaften Nokia und Siemens hätten sich darauf verständigt, mit vereinten Kräften gegen Korruption vorzugehen, hieß es gestern noch einmal in Espoo. Und: Man sei guter Dinge und wolle sich durch die Vorkommnisse nicht aus der Spur bringen lassen.

Das ist wohl auch notwendig, denn das neue Unternehmen steht vor großen Aufgaben. Mit der Zusammenlegung der Siemens-Netz-Sparte und dem Mobilfunknetz-Bereich von Nokia wollen beide Unternehmen dem wachsenden Preisdruck in der Branche und neuen technischen Herausforderungen begegnen. Weltweit werden bestehende Netze aufgerüstet und neue gebaut, um ein einziges Ziel zu erreichen: Die neuen Kommunikationswege sollen auf der Internet-Technologie basieren. Die so genannte IP-Technologie ist Voraussetzung für die Verschmelzung von Internet, Telefonie und Fernsehen.

Herkömmliche Netzausrüster wie Marktführer Ericsson aus Schweden sind in den vergangenen Monaten auf große Einkaufstour gegangen und haben Unternehmen übernommen, die die Welten der bisherigen Telefonie mit der des Internets verbinden. „Skaleneffekte sind entscheidend“, motivierte denn auch der neue Nokia Siemens Networks-Chef Simon Beresford-Wylie in einem Gespräch mit dem Handelsblatt die Bildung des Joint Ventures. Er rechnet mit einem Einsparpotenzial von rund 1,5 Mrd. Euro und will zehn bis 15 Prozent der insgesamt 60 000 Arbeitsplätze abbauen. Ein genauer Zeitplan für die Streichungen steht aber nicht fest.

Der französische Netzausrüster Alcatel fusionierte vergangenes Jahr mit dem US-Konzern Lucent und ist nun hinter Ericsson die Nummer zwei. Der schwedische Konzern wiederum übernahm vor mehr als einem Jahr den britischen Festnetz-Spezialisten Marconi und kaufte in den vergangenen Monaten mehrere IP-Unternehmen. Analysten wie Helena Nordman-Knutsson von dem Stockholmer Börsenmakler Öhman Equities sehen deshalb in dem neuen Nokia-Siemens-Joint-Venture eine Notwendigkeit für beide Mutterkonzerne. „Die brauchen sich schlicht und einfach“, sagte sie. Tatsächlich lief es für die Mobilfunknetz-Sparte der erfolgsverwöhnten Finnen bei weitem nicht so gut wie bei ihren Handys. Und bei Siemens stand die Com-Sparte nur für einen kleinen Teil des Konzernumsatzes.

Gemeinsam, hoffen die Führungsriegen in Espoo und München, werde es auch einfacher, der wachsenden Konkurrenz aus China durch Netzausrüster wie Huawei und ZTE begegnen zu können. Jetzt allerdings muss Nokia Siemens Networks-Chef Beresford-Wylie erst einmal das Vertrauen potenzieller Kunden in das neue Unternehmen stärken. Angesichts der nicht abreißenden Skandale bei Partner Siemens dürfte sich die Feierlaune bei den für Sonntag angesetzten „House-Warming-Parties“ in Berlin, Espoo und an anderen Orten allerdings in Grenzen halten.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%