Nokia
Vom unangefochtenen Weltmarktführer zum Gejagten

Nicht nur auf dem Gebiet der Smartphones und Betriebssysteme wird 2011 ein hartes Jahr für Nokia. Auch das Geschäft mit großen Stückzahlen wird für den Marktführer im kommenden Jahr schwerer. Besonders Samsung holt in diesem Bereich mit großen Schritten auf.
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DÜSSELDORF . Der einstige Branchenprimus Nokia muss 2011 an allen Fronten kämpfen: Auf dem wachsenden Smartphone-Markt jagen ihm Konkurrenten wie Apple und der Blackberry-Hersteller Research in Motion die Kunden ab. Bei Handy-Betriebssystemen macht ihm das Google-Produkt Android das Leben schwer, und selbst im Brot-und-Butter-Geschäft, dem Massenmarkt für Handys, verlieren die Finnen Marktanteile.

Die dritte Schlacht ist besonders erstaunlich, weil das Geschäft mit großen Stückzahlen eigentlich eine besonders sichere Bastion für Nokia war. Dort zählt die Macht der Größe - sie erlaubt den Produzenten, die Einkaufspreise für Vorprodukte zu drücken. Die Finnen sind mit ihrem überragenden Marktanteil klar im Vorteil. Weltweit kommt immer noch jedes dritte Handy von Nokia. Die hohen Stückzahlen sorgen dafür, dass Nokia in Schwellen- und Entwicklungsländern eine angemessene Marge erzielt.

Doch selbst in diesem sicher geglaubten Markt holt die Konkurrenz auf. Die Nummer zwei, der koreanische Hersteller Samsung, verringert den Abstand zusehends. Die Gründe dafür liegen zum Teil bei Nokia selbst: Dem Marktführer fehlten im abgelaufenen Jahr Bauteile wie Kameras oder Displays, so dass er die hohe Nachfrage nach seinen Günstig-Handys schlicht nicht bedienen konnte.

Die Lieferengpässe in den Griff zu bekommen sollte Nokia gelingen. Was viel schwerer wiegt, ist die Findigkeit der Koreaner. "Samsungs Stärke sind die Innovationsfreudigkeit und die Nähe zu technologie-affinen Kulturen wie Japan und Korea", sagt Roman Friedrich von Booz & Company. Samsung sei experimentierfreudiger - und hätte mit neuen Ideen auf den asiatischen Märkten leichteres Spiel, weil die Kunden besonders offen für technische Entwicklungen seien. So lasse sich gleich auf dem Markt testen, welche Innovationen das Potenzial für den Massenmarkt haben.

Darüber hinaus gilt Samsung als besonders schnell, wenn es darum geht, auf Trends aufzuspringen. Als Apple das iPhone auf den Markt gebracht hatte, war Samsung viel flotter mit einem eigenen berührungsempfindlichen Bildschirm am Markt als Nokia. Die Finnen dagegen gelten als behäbig. Statt flexibel auf die Bedürfnisse von Kunden zu reagieren, herrschte am Firmensitz in Espoo lange die Ansicht vor, der Markt werde früher oder später schon die Angebote des dominierenden Spielers akzeptieren.

Nokia wird zwar auch 2011 die Nummer eins auf dem weltweiten Handy-Markt bleiben. Der Chef Stephen Elop muss aber endlich den Wandel vom Gerätehersteller zum Anbieter von einfacher Handy-Software und attraktiven Diensten (Apps) hinkriegen. Davon hängt nicht nur Nokias Position auf dem lukrativen Smartphone-Markt ab, sondern auch die Zukunft im Geschäft mit der Massenware. Denn auch in Schwellenländern verlangen die Kunden häufig nicht nur solide Geräte, sondern coole Handys. Die liefert inzwischen eher Samsung als Nokia.

MOBILMARKT DEUTSCHLAND

Pleite: Deutsche Handy-Hersteller gibt es nicht mehr, seit Siemens seine Handy-Sparte 2005 an den Taiwaner Elektronik-Hersteller BenQ verkauft hat. Die Trennung geriet für Siemens zum Image-Desaster: Nur ein Jahr nach dem Kauf meldete BenQ für die Handy-Sparte Insolvenz an.

Verlagerung: Bis 2008 hat Nokia noch auf deutschem Boden Geräte produziert. Doch die Finnen schlossen ihr Werk in Bochum unter lauten Protesten der nordrhein-westfälischen Landesregierung zugunsten eines neuen Standorts in Rumänien.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

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