Nordamerika-Geschäft schwächelt
Software AG büßt Gewinn und Umsatz ein

Umsatz und Gewinn der Software AG sind zu Jahresbeginn deutlich gesunken. Beim Erlös waren es sogar neun Prozent weniger als vor Jahresfrist. Vor allem das Nordamerika-Geschäft blieb hinter den Erwartungen zurück.
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FrankfurtDie Software AG ist nach einen schwachen Schlussquartal stärker als erwartet ins neue Jahr gestartet. Zwar verbuchte der zweitgrößte deutsche Softwarekonzern nach SAP zum Jahresauftakt erneut Rückgänge bei Umsatz und Gewinn. Das Kerngeschäft mit Software zum Datenmanagement und zur Optimierung von Geschäftsprozessen lief aber besser erwartet. Auch für das laufende Quartal ist Konzernchef Karl-Heinz Streibich vorsichtig optimistisch: „Die Pipeline ist gut, und wir gehen davon aus, dass das zweite Quartal ein gutes Quartal sein wird“, sagte er Reuters am Freitag. Für das Gesamtjahr bestätigte die Software AG daher die Prognose.

Die Anleger teilten den Optimismus des Vorstandschefs: Die im Technologieindex TecDax gelistete Aktie notierte am frühen Nachmittag sechs Prozent höher.

Im Wachstumsgeschäft mit Produkten und Lösungen für das Management und die Optimierung von Geschäftsprozessen (BPE) investierte die Software AG im ersten Quartal sieben Millionen Euro in Forschung & Entwicklung, Marketing und Vertrieb. Damit sei die Grundlage für ein beschleunigtes Wachstum des Geschäftsbereichs im zweiten Halbjahr gelegt, sagte Finanzvorstand Arnd Zinnhardt. Im ersten Quartal lagen die Erlöse der Sparte mit 124,3 Millionen Euro leicht über dem Vorjahresniveau. In Europa sei die Geschäftsentwicklung bereits sehr positiv; dies werde im zweiten Halbjahr nun auch für die USA erwartet, hieß es. Dort war das Geschäft zuletzt hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Im traditionellen Kerngeschäft mit Software zum Datenmanagement (ETS), in dem die Software AG unter anderem mit dem weltgrößten IT-Dienstleister IBM konkurriert, sank der Umsatz um zwei Prozent auf 94,4 Millionen Euro. Der Bereich habe sich damit dennoch besser als erwartet entwickelt, kommentierte Analyst Oliver Finger von der DZ Bank. Auch das Lizenzgeschäft habe nach der schwachen Entwicklung im Schlussquartal positiv überrascht.

Enttäuschend fielen dagegen die Zahlen von IDS Scheer Consulting aus, die nun noch in diesem Jahr in eine eigene Tochtergesellschaft ausgegründet werden soll. Das 2009 übernommene SAP-Beratungsgeschäft rutschte im ersten Quartal wieder in die roten Zahlen ab, der Umsatz brach fast um ein Drittel ein. Die Software AG begründete die Umsatzeinbußen mit dem Rückzug aus nicht profitablen Märkten wie China und Russland und einer generellen Fokussierung auf profitable Projekte.

IDS habe sich bei der Auslandsexpansion gegen die großen Wettbewerber in der Consulting-Branche schwergetan, sagte LBBW-Analyst Mirko Maier. Die Chancen für einen Verkauf des Geschäftsbereichs schätzt er momentan eher gering ein. Mittelfristig könnte die Software AG mit der Ausgründung aber auf eine Übernahme durch das eigene Management hinarbeiten. Auch WestLB-Analyst Jonathan Crozier hält dies für denkbar. Die Analysten seien sich schon bei der Übernahme von IDS Scheer einig gewesen, dass dies eine ziemlich schlechte Idee gewesen sei, sagte er. „Und ausnahmsweise hatten wir damit alle mal recht.“

Konzernweit sank der Umsatz der Software AG im ersten Quartal um sieben Prozent auf 254,6 Millionen Euro. Vorstandschef Streibich hatte bereits im Januar gewarnt, dass die Erlöse voraussichtlich unter dem außergewöhnlich guten Vorjahreswert liegen würden. Operativ verdiente das Unternehmen 54,8 Millionen Euro und damit neun Prozent weniger als vor Jahresfrist. Im Gesamtjahr soll der Umsatz währungsbereinigt in einer Spanne von minus drei bis plus drei Prozent liegen, die operative Marge soll 23 bis 24,5 Prozent erreichen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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