Nordpol
Die Agentur, die nicht wachsen will

Die Hamburger Werbeagentur Nordpol gilt derzeit als eine der heißesten deutschen Adressen in puncto Kreativwerbung. Immer öfter setzt sie sich – mit nur 28 Mitarbeitern – gegen die Schwergewichte der Werbebranche durch. Und heimst einen Kreativpreis nach dem anderen ein. Dabei folgt die Agentur ihren eigenen Gesetzen – auch bei der Wachstumsstrategie.

HAMBURG. Guillaume ist ein großer Mann, dunkel gekleidet, mit schrecklichen Manieren. Er zerzaust die ordentlichen Frisuren der Frauen, er schlägt den Männern die Zeitung aus der Hand, und er streut den Kindern gemeinerweise Sand in die Augen. Doch nach zwei Minuten ist klar: Guillaume aus dem Werbefilm „The Power of Wind“ ist gar kein Mensch, er stellt lediglich den Wind dar, der zwar böse Schäden anrichten kann, der aber auch nützlich sein kann, zum Beispiel für die Windenergiebranche.

Mit diesem ambitionierten Werbefilm, den die Energiefirma Epuron in Auftrag gegeben hatte, gewann die Hamburger Werbeagentur Nordpol nicht nur beim diesjährigen Cannes-Festival den begehrten Goldenen Löwen, sondern begeisterte zuletzt auch die Jury des Werbefestivals London International Awards.

„Wir legen großen Wert auf Unabhängigkeit“, stellt Geschäftsführer Mathias Müller-Using klar. So sei Nordpol zum Beispiel in keinem Branchenverband, weder GWA noch ADC, vertreten. Die inhabergeführte Agentur, die einen jährlichen Honorarumsatz von rund sechs Mill. Euro erzielt, folgt vielmehr ihren eigenen Gesetzen.

Eines davon ist die selbst auferlegte Wachstumsbremse. „Wir wollen nicht mehr als 35 Mitarbeiter beschäftigen“, sagt Müller-Using. Das hätten er und sein Partner Lars Rühmann bereits bei der Gründung der Firma vor rund neun Jahren beschlossen. Würden es mehr Beschäftigte sein, davon sind die beiden überzeugt, dann könnten sie nicht mehr die Kommunikation ihrer Kunden mitgestalten, sondern müssten vor allem ihre Firma verwalten. Für die Agenturgründer, die sich selbst als Autodidakten bezeichnen, kein erstrebenswertes Ziel.

Unternehmen wie Renault, Asics, Harla und Beiersdorf zählen seit Jahren zu ihren Kunden. Acht bis zehn sind es in der Regel. Gerade nach Veranstaltungen wie Cannes, bei denen Nordpol aus dem Agenturpulk hervorsticht, steht das Telefon oft nicht still, viele Unternehmen laden zu Ausschreibungen ein. Doch Müller-Using will nicht überall mitmachen und erteilt Absagen. „Wir machen Weniges, das aber mit voller Kraft und ohne Kompromisse bei der Qualität“, lautet die Devise der Nordpol-Werber, die in einem Altbau mit Blick auf die Alster arbeiten.

Über zwei Etagen zieht sich die Agentur: Unten ein großes Atelier, das wie ein Londoner Loft anmutet, in dem alle Kreativen zusammensitzen – der Texter neben dem Online-Art-Direktor, der Print-Grafiker neben dem Flashdesigner. Mit der offenen Struktur wollen die Inhaber den Austausch ihrer Angestellten fördern. Und oben die Chefetage, in der Müller-Using sich um die Beratung kümmert und Rühmann die Kreation verantwortet.

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