NSA-Affäre
Geschäftskunden murren wegen Google-Leck

Viele Firmen wickeln Mailverkehr und Terminplanung komplett über Google ab. Doch der US-Geheimdienst NSA schnüffelt im Netzwerk des Internet-Riesen, der deswegen tobt. Erste Kunden denken über Konsequenzen nach.
  • 0

Für Google ist es das wichtigste Argument: Sicherheit. Der Internet-Konzern betreibt nicht nur die beliebteste Suchmaschine der Welt, sondern bietet auch Cloud-Dienste für Unternehmen an – mit einem Paket aus E-Mail-Postfach, Kalender, Textverarbeitung und vielen anderen digitalen Helfern. Sie alle laufen auf Servern im Internet, die Kunden müssen dem Konzern also vertrauen. „Ihre Daten gehören Ihnen“, verspricht Google daher.

Und jetzt das: Die „Washington Post“ enthüllt, dass der US-Geheimdienst NSA Leitungen anzapfen kann, um an den Datenverkehr zwischen den verschiedenen Rechenzentren von Google und Yahoo zu gelangen. Die Zeitung beruft sich wie bei früheren Geschichten auf Unterlagen des früheren NSA-Mitarbeiters Edward Snowden.

Die jüngsten Enthüllungen haben das Potenzial, das Vertrauen in die Datenwolke zu zerstören und den Anbietern der Cloud-Dienste empfindlich zu schaden, allen voran Google. Recherchen von Handelsblatt Online zeigen: Mehrere Unternehmenskunden stellen sich inzwischen die Frage, ob die Speicherung von Daten beim Internet-Riesen richtig ist.

Trifft der Bericht des Hauptstadtblattes zu, könnten die Spione womöglich auf E-Mails, Kontakte und Dokumente von mehreren hundert Millionen Nutzern zugreifen; übrigens nicht nur von Ausländern, sondern auch von US-Bürgern. Metadaten – also Informationen darüber, wer mit wem kommuniziert – werden ebenfalls auf den Servern abgelegt. Der treffende Name dieses mächtigen Programms: „Muscular“ – muskulös.

Auf welche Daten die NSA tatsächlich zugreift, ist unklar. Doch Google-Kunden reagieren alarmiert. „Wir diskutieren das intern an höchster Stelle“, heißt es etwa bei einem deutschen Unternehmen, das verschiedene Dienste des Konzerns einsetzt. „Bislang waren wir davon überzeugt, dass Google höchste Sicherheit gewährleisten kann.“ Das sei bei der Entscheidung für die Online-Dienste eine Grundvoraussetzung gewesen.

An sich ist man bei dem Unternehmen vom Cloud Computing überzeugt. Da E-Mail, Kalender und Textverarbeitung über den Browser laufen, muss sich die IT-Abteilung nicht an den verschiedenen Standorten um Updates kümmern, wenn man ein Laptop verloren geht, sind die Daten noch da – sie lagern auf dem Server.

„Google hat in Sachen Sicherheit wesentlich bessere Voraussetzungen als wir“, sagt ein Vertreter des Unternehmens im Gespräch mit Handelsblatt Online. Aber was ist, wenn die NSA mitlauscht? „Wir werden uns jetzt an Google wenden.“

Ein „brisantes Thema“ sei die NSA-Überwachung für Firmen, die Google nutzten, sagt auch Bernhard Bahners, Geschäftsführer von radio.de. Schon bei der Entscheidung für die Cloud-Dienste des Internet-Riesen habe man aber auf eine Trennung von Nutzerinformationen und eigenen Verwaltungsdaten geachtet – nur letzte lägen auf den Servern von Google. „Den Schutz unserer Kundendaten sehen wir daher nicht gefährdet und stehen nach wie vor hinter der Entscheidung für die Business-Tools von Google, da sie uns als Start-up die nötige Flexibilität bieten.“

Seite 1:

Geschäftskunden murren wegen Google-Leck

Seite 2:

„Der Schwarze Peter liegt nicht bei Google“

Kommentare zu " NSA-Affäre: Geschäftskunden murren wegen Google-Leck"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%