NSA-Skandal
Amerikaner spionieren  Huawei aus

Der US-Geheimdienst NSA hatte offenbar weitreichenden Zugriff auf chinesische Systeme. Im Zentrum der Netzspionage stand dabei neben offiziellen Institutionen auch der Technikkonzern Huawei.
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PekingWer kann noch als Täter gelten, wer als Opfer? Neue Enthüllungen des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden zeigen, dass auch chinesische Institutionen zum Ziel von Netzspionage aus Amerika geworden sind. Die Abhörbehörde NSA hat unter anderem den Technikkonzern Huawei ausgeforscht. Das berichteten am Sonntag das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ und die amerikanische Tageszeitung „New York Times“.

Unter dem Vorbehalt, selbst keine Informationen über Angriffe durch die NSA zu besitzen, verurteilte Huawei das Vorgehen der Amerikaner. „Wir betonen erneut, dass Huawei alle Aktivitäten, die die Sicherheit von Netzwerken gefährden, strikt ablehnt“, sagte ein Sprecher. „Die Sicherheit und Integrität unseres Firmennetzwerks und unserer Produkte sind von höchster Priorität für uns.“ Das Unternehmen deutete zudem an, dass die eigene Abwehr gegen Angriffe inzwischen besser geworden sei.

Die konkreten Fälle von Daten-Schnüffelei gehen auf das Jahr 2009 zurück. Sie hatten den Enthüllungen zufolge zwei Ziele: Herauszufinden, ob Huawei im Auftrag der chinesischen Armee operiert – und Schwachstellen in Huawei-Produkten zu identifizieren, die sich bei zur Spionage ausschlachten ließen.

Das würde bedeuten, dass Kunden des Unternehmens potenziell gefährdeter sind als bisher angenommen. Chinesische Technikfirmen beliefern verdächtige Staaten wie Iran, machen aber auch in Europa gute Geschäfte.

Zu den Kunden von Huawei gehört auch die Deutsche Telekom, Vodafone, France Telecom oder British Telecom. Die amerikanische Regierung hatte sich hingegen immer dagegen gesperrt, dem chinesischen Konzern Zugang zum eigenen Markt zu gewähren. Es ist unklar, ob diese Haltung auf Erkenntnisse der NSA-Hacker zurückgeht. In den bisher beschriebenen Enthüllungen finden sich jedoch keine Hinweise auf verdächtige Zusammenarbeit von Huawei mit Geheimdiensten.

Das Unternehmen bestreitet vehement, in staatlichem Auftrag zu handeln. „Wir können versichern, dass wir nie Anweisungen oder Anfragen von einer Regierung oder ihren Behörden erhalten haben, unsere Verfahrensweisen, Hardware oder Software zu verändern“, teilte im vergangenen Jahr Huawei-Vizechef Ken Hu mit. Das Unternehmen fühle sich in erster Linie dem Interesse der Kunden verpflichtet.

Bei den jetzt aufgedeckten NSA-Aktivitäten geht es vor allem um sogenannte Hintertüren. Dabei handelt es um Programmteile in der Software von Netzrechnern, die Zugang zum Datenverkehr gewähren. Wenn beispielsweise ein Firmen-Server oder ein Router über so eine Hintertür verfügt, kann ein Geheimdienst Dateien einsehen und E-Mails mitlesen.

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