Nur 25,1 Prozent gehen an Börse
Mohn und Bertelsmann Stiftung behalten das Sagen

Europas größter Medienkonzern Bertelsmann geht an die Börse – allerdings nicht aus freien Stücken und längst nicht vollständig. Die Eignerfamilie gibt keine Anteile ab und behält damit weiter das Sagen.

HB GÜTERSLOH. Die belgische Finanzgruppe Groupe Bruxelles Lambert (GBL), die 25,1 Prozent der Anteile am Gütersloher Medienriesen hält, kündigte am Freitag an, sie werde voraussichtlich Mitte Mai von ihrem Recht Gebrauch machen, den Börsengang des Unternehmens zu verlangen. Bertelsmann-Chef Gunter Thielen reagierte gelassen auf die Ankündigung. „Wir sind vorbereitet“, sagte er. Der Konzern habe in den vergangenen Jahren seine Hausaufgaben gemacht. Die Lenkung des Unternehmens erfolge längst auf Grund international anerkannter Steuerungsgrößen. Der Konzernabschluss werde nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) erstellt. „Bertelsmann ist ein spannendes Unternehmen, das vor einer guten Zukunft steht“, sagte der Manager.

Außer Aktien aus dem 25,1-Prozent-Paket des belgischen Bertelsmann-Minderheitseigners werden zudem keine weiteren Anteile am Medienkonzern an der Börse platziert. Bertelsmann-Vorstandschef Gunter Thielen kündigte am Freitag in einem Brief an die Mitarbeiter an: „Die Bertelsmann Stiftung und die Familie Mohn selbst werden keine Anteile abgeben.“ Thielen stellte damit klar, dass die Famile des Firmenpatriarchen Reinhard Mohn die Entscheidungsgewalt über den Konzern nicht aus der Hand geben wird.

Die Bertelsmann AG ist derzeit noch eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft. Die Aktienmehrheit von 57,6 Prozent ist im Besitz der Bertelsmann Stiftung. Weitere 17,3 Prozent hält die Gründerfamilie Mohn. Die Groupe Bruxelles Lambert, die im mehrheitlich im Besitz der Unternehmer Albert Frère und Paul Desmarais ist, hält 25,1 Prozent der Anteile. Doch sind davon davon 0,1 Prozent stimmrechtslos, so dass die Minderheitsaktionäre über keine Sperrminorität verfügen.

Liz Mohn will Anteilsverkauf nicht verhindern

Die GBL hatte die Bertelsmann-Anteile 2001 im Tausch gegen ihren 30prozentigen Anteil an Europas größtem Fernsehkonzern RTL Group erhalten. Der damalige Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff hatte sich damals durch den Milliardencoup die Mehrheit an dem ertragsstarken Fernsehsender gesichert.

Die damals getroffene Vereinbarung räumte der GBL ausdrücklich das Recht ein, ihre Beteiligung - auch teilweise - an die Börse zu bringen. Die zwischenzeitlich verlängerte Frist zum Halten der Bertelsmann-Anteile läuft im Mai aus.

Liz Mohn, Vorsitzende der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG), hatte im Frühjahr 2005 gesagt, dass sie einen Anteilsverkauf von GBL nicht verhindern will. Außerdem hatte sie betont, dass ein Rückkauf der Bertelsmann-Anteile für das Unternehmen keine Option sei. Diese Möglichkeit hätte bestanden, wenn GBL ihre Beteiligung nicht am Kapitalmarkt verkaufen würde, sondern an einen Dritten. Dann hätte der Gütersloher Konzern ein Vorkaufsrecht gehabt. Bisher hatte Bertelsmann immer wieder gesagt, dass es keine Anzeichen dafür gibt, dass GBL einen IPO anstrebt.

Analysten zufolge könnte GBL für ihre Beteiligung an Bertelsmann etwas mehr als 5 Mrd. Euro erhalten. Fitch Ratings zufolge wirkt sich das geplante IPO nicht auf das Kreditrating des Konzerns aus. Das Rating lautet derzeit BBB+ mit einem stabilen Ausblick. Die Pläne seien keine Überraschung und würden von Bertelsmann unterstützt, hieß es zur Begründung. Außerdem verkaufe GBL nur eine Minderheitsbeteiligung und diese habe keinen Einfluss auf die Kreditwürdigkeit.

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