Nutzer besorgt
Gericht will Megaupload-Daten löschen lassen

Geht es nach dem Willen der US-Staatsanwaltschaft, so werden die Inhalte der Online-Tauschplattform Megaupload bald gelöscht. Den Nutzern droht damit ein unwiederbringlicher Datenverlust.
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New YorkDen Nutzern der gesperrten Online-Tauschplattform Megaupload droht der Verlust ihrer Daten. Die Filme, Musikdateien oder Fotos sind auf angemieteten Computern in den Rechenzentren von IT-Dienstleistern gespeichert. Diese IT-Dienstleister könnten ab Donnerstag (2. Februar) damit beginnen, die Inhalte zu löschen, erklärte die zuständige US-Staatsanwaltschaft in einem Brief an die Rechtsanwälte von Megaupload.

Das Schreiben datiert vom Freitag. Einige Nutzer scheinen sich in Sorge um ihre Daten direkt an die darin genannten IT-Dienstleister Carpathia Hosting und Cogent Communications gewandt zu haben. Carpathia bat am Montag darum, von Anfragen abzusehen, und erklärte: „Wir haben keine Möglichkeit, die auf den Servern liegenden Inhalte an die Nutzer von Megaupload zurückzugeben.“ Man möge sich direkt an Megaupload wenden. Den Löschungstermin Donnerstag wollte das Unternehmen nicht bestätigen. Das Datum stamme nicht von Carpathia, hieß es. Cogent Communications ließ eine Anfrage unbeantwortet.

Die Behörden sehen Megaupload.com als eine Drehscheibe für Raubkopien und hatten das Portal vor anderthalb Wochen vom Netz genommen. Den deutschen Gründer Kim Dotcom ließen die US-Fahnder an seinem Wohnsitz in Neuseeland verhaften. Seitdem kommen die Nutzer nicht mehr an ihre Daten heran - auch wenn es sich um legale Dateien wie etwa Familienfotos oder private Briefe handelt. Auf der Website prangt ein Beschlagnahme-Hinweis des US-Justizministeriums und der Bundespolizei FBI.

Dem Brief der Staatsanwaltschaft zufolge hat sie ausgesuchte Daten von Megaupload kopiert; die Speichercomputer selbst stehen aber weiterhin in den Rechenzentren. Es gebe kein weiteres Interesse der Strafverfolger daran, hieß es. Was mit den Daten nun passiert, ist unklar. Die Beschuldigten dürfen zwar laut Staatsanwaltschaft wieder an die Megaupload-Daten heran. Doch die Frage ist, wie nach der Polizeiaktion die Miete für die Speichercomputer gezahlt werden soll.

Die US-Behörden werfen Dotcom und weiteren Betreibern vor, mehr als 175 Millionen Dollar an der illegalen Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Inhalten verdient zu haben - durch die Gebühren der Nutzer oder durch Werbung. Den Schaden für die Hollywood-Studios oder Plattenfirmen bezifferten die Ermittler auf deutlich über eine halbe Milliarde Dollar. Die Anwälte von Kim Dotcom, der früher als Kim Schmitz bekannt war, bestreiten die Vorwürfe. Die USA haben einen Auslieferungsantrag gestellt.

Nutzer, die Megaupload für den illegalen Tausch von geschützten Inhalten verwendet haben, müssen nach Einschätzung des Fachanwalts Udo Vetter indes nicht mit juristischen Konsequenzen rechnen. Im Gegensatz zu Tauschbörsen wie Gnutella oder eMule könnten Überwachungsfirmen im Auftrag der Content-Industrie bei Filehostern wie Megaupload von außen keine Anwender anhand ihrer Internet-Adresse (IP-Nummer) identifizieren. Und vermutlich seien auf den Servern von Megaupload keine Verbindungsdaten gespeichert.

Kunden von Megaupload, die für einen besseren Zugang mit einer Kreditkarte oder per Banküberweisung gezahlt hätten, könnten jedoch unter Umständen identifiziert werden. „Nach meiner Meinung kann man aus einem Premiumzugang keinen Anfangsverdacht herleiten“, schrieb Vetter allerdings auf seinem Blog lawblog.de. Vom Grundsatz her seien Filehoster legale Dienste. „Firmen nutzen sie, um große Datenmengen zu bewältigen. Und natürlich steht es jedermann frei, selbst geschaffenes oder freies Material über Filehoster zu vertreiben. Von daher lässt sich kaum schlussfolgern, dass jeder Premiumkunde eines Filehosters auch ein „Raubkopierer“ sein muss.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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