
London/New YorkHandynutzer mit Blackberry-Smartphones haben am Freitag auf mehreren Kontinenten mit technischen Problemen zu kämpfen gehabt. Seit Freitagmorgen konnten sie weder E-Mails senden noch im Internet surfen. Die Probleme seien jedoch bereits wieder gelöst, teilte der kanadische Hersteller Research in Motion (RIM) am Freitag in London mit. „Wir können bestätigen, dass die Dienste wiederhergestellt wurden und jetzt wieder normal laufen.“
RIM machte keine Angaben zur Zahl betroffener Nutzer. Der Hersteller erklärte lediglich, „bestimmte Nutzer in Europa, dem Nahen Osten und in Afrika“ seien betroffen gewesen. Das Unternehmen entschuldigte sich „in aller Form“ bei seinen Kunden.
Das Google-Betriebssystem ist in wenigen Jahren zur meistgenutzten Plattform im Smartphone-Markt aufgestiegen. In dritten Quartal 2012 lief nach Zahlen der Marktforscher von Gartner fast jedes dritte verkaufte Computer-Telefon mit Android (72,4 Prozent). Das Erfolgsgeheimnis: Google bietet Android den Geräte-Herstellern kostenlos an und lässt sie die Software auch anpassen. Samsung, HTC, LG, Sony Ericsson – die meisten Handy-Produzenten setzen auf die Google-Plattform. Der Internet-Konzern will dabei an Werbeeinnahmen verdienen. Allerdings steht Android auch im Visier besonders vieler Patentklagen.
Smartphones gab es auch schon bevor 2007 das iPhone vorgestellt wurde – doch erst mit dem Apple-Telefon mit seinem großen Bildschirm begann der wirkliche Siegeszug der Computertelefone. Apple hielt mit seiner iOS-Plattform zuletzt laut Gartner 13,9 Prozent am Smartphone-Markt, heimst jedoch einen beträchtlichen Teil der Gewinne ein, da die gesamte Kette von Geräteentwicklung bis hin zum App Store für passende Programme in der Hand des Konzerns liegt. Allerdings hat Samsung mit seiner breiten Produktpalette den Konzern aus Kalifornien inzwischen abgehängt.
Microsoft würde sein mobiles Betriebssystem Windows Phone gern als dritte starke Kraft im Smartphone-Geschäft etablierten, doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Das Bündnis mit dem einstigen Handy-Weltmarktführer Nokia soll es richten, die Finnen installieren die Software auf ihren Smartphones. Im Herbst dümpelte der Marktanteil bei 2,5 Prozent, allerdings dürfte die im November eingeführte Version Windows Phone 8 für etwas Belebung gesorgt haben.
Lange Zeit war die Nokia-Plattform das Maß der Dinge im Smartphone-Markt, bis iPhone und die Androiden sie vom Thron stießen. Seit Nokia vor allem auf Windows Phone setzt, ist Symbian ein Auslaufmodell. Der Marktanteil brach binnen eines Jahres von 16,9 auf 2,6 Prozent ein.
Samsung verkauft nicht nur Geräte mit Android, sondern leistet sich zusätzlich ein eigenes Betriebssystem namens Bada, das auf allen Wave-Geräten installiert ist. Die Software hat inzwischen immerhin 3 Prozent Marktanteil und damit beispielsweise mehr als das Microsoft-System Windows Phone.
Der Ausfall kam für RIM denkbar unpassend: Während die Blackberry-Kunden auf dem Trockenen saßen, stürmten tausende Apple-Fans die Läden und holten sich ein neues iPhone 5. Dagegen kämpft Blackberry mit schrumpfenden Marktanteilen und roten Zahlen. Neben den iPhones sind die Android-Handys die härtesten Konkurrenten des Smartphone-Pioniers.
Bereits im Oktober 2011 hatten Millionen Blackberry-Besitzer in Europa, im Nahen-Osten, Afrika, Indien, Brasilien, Chile und Argentinien unter größeren technischen Problemen bei RIM gelitten. Manche Nutzer waren tagelang von ihren E-Mails und anderen Diensten abgeschnitten. Die Blackberry-Services laufen über firmeneigene Rechenzentren. Das macht die Blackberrys zwar besonders sicher gegen Schnüffelattacken von außen, aber auch anfällig, wenn es mal technische Probleme gibt. Das Telefonieren oder Versenden von SMS läuft dagegen direkt über die Netze der Mobilfunk-Betreiber.
Der genaue Umfang der Störungen am Freitag blieb unklar. Ein Nutzer des bekannten Blackberry-Forums crackberry.com berichtete, dass die ersten Probleme am frühen Morgen aufgetreten seien. Die Beschwerden im Forum kamen ausschließlich von Vodafone-Nutzern, wohingegen die Kunden anderer Netzbetreiber scheinbar keine Probleme hatten.
Ein Nutzer des crackberry-Forums, der nach eigenen Angaben bei einem Mobilfunk-Anbieter beschäftigt ist, erklärte, Blackberry habe in der vergangenen Nacht Servicearbeiten durchgeführt. Danach seien die Dienste nicht wieder richtig ins Laufen gekommen. RIM selbst äußerte sich in einer Mitteilung nicht zu den genauen Gründen für die technischen Probleme.
Platz 1: Mit einem Marktanteil von 18,4 Prozent führte Apple im zweiten Quartal des Jahres den Smartphone-Markt an. Insgesamt 20, 34 Millionen Smartphones lieferte der Hersteller in diesem Zeitraum an den weltweiten Handel. Im Vergleich zum ersten Quartal entspricht das einer Steigerung von über neun Prozent. Verglichen mit dem Vorjahr konnte Apple damit sogar eine Steigerung von über 140 Prozent erzielen.
Platz 2: Direkt hinter Apple reiht sich der südkoreanische Rivale Samsung mit einem Marktanteil von 17,8 Prozent ein. Insgesamt 19,6 Millionen Smartphones brachten die Koreaner im zweiten Quartal in den weltweiten Handel. Damit hat sich der Hersteller selbst übertroffen: Im Vergleich zum ersten Quartal entspricht das einer Steigerung von fast 56 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr ist das sogar eine 600-prozentige Steigerung.
Platz 3: Mit einem Marktanteil von 15,1 Prozent hat es Nokia trotz der Verluste bei den Smartphones im zweiten Quartal noch unter die drei Besten geschafft. 16,7 Millionen Modelle lieferte der Hersteller aus - das sind 31 Prozent weniger als noch im ersten Quartal.
Platz 4: Ebenfalls Verluste machte RIM im zweiten Quartal des Jahres. Mit 13,2 Millionen ausgelieferten Smartphones erreichte der Hersteller einen Marktanteil von 12 Prozent, musste im Vergleich zum Quartal zuvor aber einen Rückgang von fast 11 Prozent in Kauf nehmen.
Platz 5: Der Marktanteil der HTC-Smartphones lag im zweiten Quartal bei 10,8 Prozent. Insgesamt fast 12 Millionen Modelle brachte der Hersteller in den Handel und steigerte damit sein Ergebnis aus dem Quartal zuvor um fast 25 Prozent.
Platz 6: Motorola-Smartphones erreichten im zweiten Quartal einen Marktanteil von 4 Prozent. 4,4 Millionen Modelle brachte der Hersteller in diesem Zeitraum in den weltweiten Handel und steigerte sein Ergebnis aus dem ersten Quartal damit um mehr als sieben Prozent.
Platz 7: Der japanische Elektronikkonzern Sharp hat mit 1,48 Millionen ausgelieferten Smartphones im zweiten Quartal einen Marktanteil von 6,8 Prozent erreicht. Im Vergleich zum ersten Quartal konnte der Konzern sein Ergebnis um 1,3 Prozent steigern.
Unter ferner liefen: Alle anderen, weniger nennenswerten Hersteller machten im zweiten Quartal mit rund 22,7 Millionen ausgelieferten Smartphones zusammengenommen einen Marktanteil von 20,6 Prozent aus. Im Vergleich zum Quartal zuvor entspricht das einer Steigerung von fast 31 Prozent. Betrachtet man den gesamten Markt, so wurden im zweiten Quartal weltweit über 1,1 Milliarden Smartphones der verschiedenen Hersteller ausgeliefert. Im Vergleich zum ersten Quartal entspricht das einer Steigerung von 7,5 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr ist es sogar eine Steigerung um rund 82 Prozent.
Wegen der harten Konkurrenz muss RIM Analysten zufolge ums Überleben kämpfen. Im Juni kündigte der Konzern an, 5000 Stellen zu streichen. Dies entspricht einem Drittel aller Beschäftigten. Zusätzlich wurde der Verkaufsstart für das Blackberry 10 von Ende 2012 auf Anfang 2013 verschoben. Damit kann RIM nicht vom wichtigen Weihnachtsgeschäft profitieren.