Obermann 100 Tage im Amt: Telekom der zwei Geschwindigkeiten

Obermann 100 Tage im Amt
Telekom der zwei Geschwindigkeiten

Seit fast 100 Tagen steht René Obermann an der Spitze der Deutschen Telekom. Ein beachtliches Tempo hat er vorgelegt, um den schwerfälligen Ex-Monopolisten schnellstmöglich wieder flottzumachen. Wer schafft es, ihm zu folgen? Ein Handelsblatt-Report.

BONN. Er ist mächtig in Rage geraten – innerhalb von Sekunden. „Was hätte ich tun sollen? Die Entscheidung später treffen? Mich mit dem Rücken zur Wand stellen?“ Der Mann fragt, ohne eine Antwort abzuwarten, er hämmert die Worte ein, er verschafft sich Luft. „Wir sind am Anfang, wir müssen uns ein Bild verschaffen.“ Minutenlang redet er auf den Journalisten ein, den er zur Seite genommen hat. Die Augen unverwandt auf ihn gerichtet, die Hände ständig in Bewegung, das Gesicht rot angelaufen. „Wir müssen eine Bestandsaufnahme machen. Da führt an unangenehmen Dingen kein Weg vorbei.“ Die Botschaft zwischen den Zeilen ist eindeutig: Er hatte keine andere Wahl, und jede Kritik an seiner Arbeit hält er für nicht gerechtfertigt.

Es ist Ende Januar. Vor wenigen Tagen hat René Obermann, neuer Chef der Deutschen Telekom, die Warnung herausgegeben: Der Konzern werde weniger Umsatz als erwartet und auch weniger Gewinn im laufenden Geschäft einfahren. Es hagelt Kritik – hat die Telekom doch zum dritten Mal innerhalb von 14 Monaten ihre Prognosen gesenkt.

Das lässt Obermann nicht kalt, er kann auf einer Tagung des Konzerns, als er sich einen Journalisten wegen eines Beitrags vornimmt, nicht verbergen: Er ist dünnhäutig geworden in seinem neuen Job.

Seit fast 100 Tagen steht Obermann an der Spitze der Deutschen Telekom. Er wirbelt und kämpft an allen Fronten: Die Zahl der Mitarbeiter soll sinken, ebenso wie die Gehälter. Der Kundenschwund in der Festnetzsparte muss gestoppt werden, die Serviceoffensive bald Wirkung zeigen. Der träge Tanker Telekom soll endlich flottgemacht werden und der Aktienkurs Auftrieb bekommen – trotz der Daumenschrauben, die die Regulierung dem Konzern anlegt.

Obermann macht weiter, wo sein Vorgänger Kai-Uwe Ricke nach seinem überraschenden Abgang Mitte November vergangenen Jahres aufgehört hat – mit einem großen Unterschied: Er spricht die Missstände ganz unverblümt an und geht sie offensiver an. Die Folgen beschreibt ein Manager so: „Der Konzern ist geteilt in Beharrer und Verweigerer, die schlechte Stimmung verbreiten und Obermanns Tempo nicht folgen wollen oder können, und die, die Obermann voll und ganz unterstützen, sich möglicherweise einen Ruck geben mussten, aber jetzt ebenfalls einen Aufbruch wollen.“

Der Obermann-Ruck, der bringt zunächst einiges an Hektik: Ein Meeting folgt dem nächsten, Strategiesitzungen, Managementrunden, Finanzanalysen wechseln sich ab. Obermann feile bis spät abends und an Wochenenden an Lösungen für die Probleme des Konzerns, berichten Vertraute, Mäkelei an Dingen, die er für richtig und notwendig halte wie zuletzt die Gewinnwarnung, würden ihn dann schon etwas aus der Bahn werfen und mächtig aufregen.

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