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05.03.2008 
Telekom-Sorgenkind findet Partner

Obermann findet Partner für T-Systems

Zu seinem 45. Geburtstag machte sich Telekom -Chef René Obermann selbst das beste Geschenk: Nach einem Jahr Suche konnte er endlich einen Partner für die margenschwache Großkundensparte T Systems - präsentieren. Was der neue Partner mit in die Ehe bringt.

HB HANNOVER. Die Tochter mit ihren 56 000 Mitarbeitern wird künftig mit dem amerikanischen IT-Dienstleister Cognizant kooperieren. Damit sollen bei einem weiteren Sorgenkind der Telekom die Probleme gelöst werden. Erfolge kann Obermann auch in anderen Bereichen vorweisen. So wies das deutsche Festnetzgeschäft im abgelaufenen Quartal erstmals seit langem einen leichten Ergebniszuwachse aus.

Obermann war im November 2006 als Nachfolger von Kai-Uwe Ricke angetreten, um Europas führenden Telekommunikationskonzern wieder auf die Erfolgsspur zurückzuführen. Auf fast allen Märkten standen die Bonner unter Druck: Der Festnetzsparte T -Com liefen die Kunden davon, T -Mobile setzte der Wettbewerb auf den europäischen Handy-Märkten zu und T -Systems hatte bei den Großkunden selten einen Erfolg gegen die Schwergewichte IBM und EDS.

Mit neuer Führungsmannschaft verkündete Obermann dann im März vergangenen Jahres seine neue Strategie. Randbereiche stellte er zum Verkauf und T -Systems sollte mit einem Partner international konkurrenzfähig werden. Dem Deutschlandgeschäft verordnete er einen strikten Sparkurs. Und der kam bei den Mitarbeitern schlecht an: Denn um die Kosten auf dem darbenden Heimatmarkt in den Griff zu bekommen, mussten rund 50 000 Beschäftigte intern zu schlechteren Konditionen in den Bereich T-Service wechseln. Der wochenlange Streik vergiftete die Atmosphäre zwischen Management und ver.di; bis heute ist das Vertrauen angekratzt. Eine Entspannung ist nicht in Sicht, denn Obermann will weitere Stellen abbauen.

Auf die Ankündigung von Massenentlassungen, wie seine Vorgänger es machten, verzichtet der Rheinländer zwar. Die Zeiten werden dennoch rauer. T-Systems -Chef Reinhard Clemens schloss einen Bruch mit der Konzerntradition nicht aus: "Wir werden versuchen, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, aber wir werden Mitarbeiter entlassen, wenn dies zwingend notwendig ist." Bislang hatten die Bonner seit der Privatisierung Mitte der 90er Jahre den Abbau von rund 140 000 Arbeitsplätzen "sozialverträglich" durchgezogen.

Auch wenn der Vorstand um Obermann seinen Kurs geradlinig durchzieht, zollen ihm viele Mitarbeiter Respekt. Denn im Gegensatz zu früheren Managern scheut sich etwa Festnetz-Vorstand Timotheus Höttges nicht, selbst ins Call-Center zu gehen und den Problemen der Kunden zu stellen. Die zum Teil desaströsen Service-Leistungen der Telekom bekam er damit persönlich zu spüren. Vorteil: Er weiß, wo es hakt. Nach seinen Angaben hat der Kundendienst in den vergangenen Monaten ausgeholt. "Unsere Erreichbarkeit ist massiv gestiegen", sagt er.

Freude bereitet Höttges aber vor allem, dass die Telekom dem Kundenverlust einen Riegel vorgeschoben hat. Zwar sank die Zahl der traditionellen Telefonanschlüsse im vergangenen Jahr um zwei Millionen; zugleich nahm der Marktführer im gleichen Umfang DSL- Kunden unter Vertrag. Damit sei das Unternehmen nicht mehr in der Defensive, sondern greife an, sagt Höttges. Wettbewerber werfen ihm aber unsaubere Methoden vor, da viele wechselwillige Kunden von der Telekom nicht auf die Konkurrenz umgeschaltet werden. Höttges weist dies zurück.

Obermann lässt sich von dem Problemen die Stimmung nicht verderben. "Heute ist ein guter Tag für die Telekom", sagte er bei der Präsentation der T-Systems -Partnerschaft. Die im vergangenen Jahr gesteckten Aufgaben sind weitgehend abgearbeitet. Ein Wermutstropfen bleibt: Der Aktienkurs kommt nicht von der Stelle. Nach einem Anstieg auf über 15 Euro verlor die T-Aktie mit dem Einbruch der Börsen seit Jahresbeginn wieder massiv an Wert.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Allianz mit Cognizant soll T -Systems Wachstum bringen

Die Zusammenarbeit mit Cognizant soll der Telekom bisher fehlende preisgünstige Programmierkapazitäten vor allem in Indien sichern und damit die Wettbewerbsfähigkeit auf den internationalen Märkten, vor allem aber in Europa verbessern.

Bei der Allianz handelt es sich nach den Angaben des Unternehmens ausdrücklich nicht um ein Joint Venture, sondern um eine vertraglich fixierte Kooperation. Auf die Arbeitsplätze bei T -Systems in Deutschland gebe es zunächst keine Auswirkungen. Die 1 500 Mitarbeiter der indischen T-Systems -Niederlassung wechseln zu Cognizant.

Beide Unternehmen verfügen über jeweils rund 55 000 Mitarbeiter. Mehr als 40 000 der zusammen rund 110 000 Mitarbeiter sind den Angaben zufolge in Asien angesiedelt. T -Systems steht nach eigenen Angaben im Markt für Informations- und Kommunikationstechnik (ICT) mit einem Umsatz von rund zwölf Mrd. Euro auf Platz zwei in Europa.

Die Gewerkschaft Verdi zeigte sich erfreut, dass es nicht zu einem Verkauf der Sparte Systemintegration mit ihren 13 000 Mitarbeitern bei T -Systems gekommen ist. "Nun gilt es, die Wachstumsperspektiven dieser Partnerschaft in sichere Arbeitsplätze umzumünzen", sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Lothar Schröder.

Die Zusammenarbeit bei der sogenannten Systemintegration zielt vor allem auf europäische Großkunden, wie T -Systems erklärte. T -Systems and Cognizant brächten jeweils ihre Stärken sowohl im Beratungsgeschäft als auch bei der Programmierung in die Partnerschaft ein. Damit erhielten Großkunden in Europa und darüber hinaus besseren Zugang zu weltweitem IT-Service. Sie könnten künftig von Kostenvorteilen und vom Know-how der Berater beider Häuser profitieren.

Bisher versuchten entweder die westlichen Anbieter, kleinere Zukäufe in asiatischen Ländern wie Indien oder China zu integrieren, erläuterte Telekom -Geschäftskundenvorstand Reinhard Clemens. Andererseits täten sich indische Dienstleister damit schwer, in Kontinentaleuropa Fuß zu fassen. "Diese Partnerschaft eröffnet uns ganz neue Perspektiven", betonte der T-Systems -Chef. "Damit erhält unser Systemintegrationsgeschäft kräftige Wachstumsimpulse."

"Gemeinsam werden wir zu den wenigen im wirklich globalen IT-Servicegeschäft gehören. Die Partnerschaft bringt die Stärken zweier großer Anbieter zusammen mit dem Ziel, den Nutzen für den Kunden deutlich zu steigern", erklärte Francisco D'Souza, Vorsitzender von Cognizant.

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