2 Bewertungen *****
17.06.2008 

Erst im Februar 2008 machte eine neue Rechnung von Kühn die Telekom stutzig. Dieses Mal ging es um 650 000 Euro für mehrere Aufträge an Network. Der Telekom kam die Forderung seltsam vor, weil sie Codenamen wie "Clipper" und "Hagelsturm" enthielt - jene Projekte, mit denen die undichten Stellen bei der Telekom ausfindig gemacht werden sollten.

Die Telekom konnte diese Namen aber nicht in ihren Auftragslisten finden. Im Gespräch habe Kühn jedoch nicht geantwortet, sondern sei mehrfach ausfallend geworden, heißt es in Konzernkreisen. Also setzte der Konzern Network Deutschland auf die Liste der "non-preferred suppliers", der Dienstleister, mit denen der Konzern nicht weiter zusammenarbeiten wollte. Das war ein Dreivierteljahr, nachdem die Spitzel-Aufträge intern bekanntwurden. Womöglich würde der Konzern auch heute noch mit Kühn zusammenarbeiten, wenn ihm nicht diese eine Rechnung vor die Füße gefallen wäre.

2. Keine eingehende Suche nach Komplizen

Ebenso wenig ins Bild einer grundlegenden "lückenlosen" Aufklärung passt die offenbar nachlässige Suche der Telekom nach weiteren Komplizen bei der illegalen Beschaffung von Telefondaten. Als sich der T-Mobile-Mann im August 2007 Obermann offenbart, hat der Konzern rasch zwei weitere Helfer ausgemacht - einer von ihnen ist ebenfalls bei T-Mobile, der andere arbeitete in der Konzernsicherheit. Einer wird großzügig abgefunden, ein anderer behielt gar seinen Job. Die Telekom begründet das mit Kronzeugen-Schutz und animiert nun alle ihre Mitarbeiter, verdächtiges Verhalten von Kollegen zu melden.

Lediglich gegen den Hauptbeschuldigten Klaus Trzeschan, einen Mitarbeiter der Konzernsicherheit, leitet Obermann ein Disziplinarverfahren ein. Trzeschan gilt als Drahtzieher der Spitzelei: Er stellte den Kontakt zu Network Deutschland her.

Aber wieso ließ Obermann nicht prüfen, ob Trzeschan auch Verbindungsdaten aus dem Festnetz besorgt hatte? Und: Wie viele Journalisten und Aufsichtsräte standen noch auf seiner Ausspäh-Liste?

In Konzernkreisen heißt es, man habe keine Veranlassung gehabt zu vermuten, dass auch das Festnetz betroffen sei. Die internen Ermittlungen hätten ergeben, dass es sich um einen "geschlossenen Sachverhalt" handelte, einen Einzelfall im Mobilfunk. "Was hätten wir denn tun sollen?" fragt ein Beteiligter: "Alle Mitarbeiter unter Generalverdacht stellen?"

Vertrauen ist gut, doch Kontrolle ist manchmal besser. In der vergangenen Woche stellte sich nach Handelsblatt-Informationen rund ein halbes Dutzend weiterer Telekom-Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft und gab zu, ebenfalls an der Spitzelaktion beteiligt gewesen zu sein. "Da haben einige ganz schön große Augen gemacht", sagt der zuständige Bonner Staatsanwalt Friedrich Apostel dem Handelsblatt. "Wir haben mehr gefunden, als mancher sich vorstellen konnte."

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterTechnologie

Nokia will das Internet neu definieren  Artikel in Merkliste

02.12.2008Nokia will mit dem N 97 neue Märkte erobern. Foto: Reuters

Die einst so wachstumsstarke Mobilfunk- und Handybranche stellt sich erstmals seit 2001 wieder auf magerere Zeiten ein – und sucht nach neuen Einnahmequellen. Der Branchenprimus Nokia baut auf das Internet und weitet sein Produktsortiment mit einem neuen Alleskönner aus: dem N 97. Artikel


Anzeige