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17.06.2008 

Auch das erpresserische Fax, das Network Deutschland Ende April an die Telekom schickte, lässt mehr vermuten als einen "Einzelfall". Dort ist die Rede von "mehreren Hunderttausend Festnetz- und Mobilfunk-Verbindungsdatensätzen", die Geschäftsführer Ralph Kühn für T-Mann Trzeschan abgeglichen haben will. Wenn das stimmt, dann war die konzerninterne Aufklärung nicht gründlich genug.

3. Keine Staatsanwaltschaft

Auch diese Frage hat Obermann nicht überzeugend beantwortet: Wenn der Telekomchef tatsächlich der Aufräumer im T-Sumpf ist, warum hat er nicht umgehend die Staatsanwaltschaft eingeschaltet - egal ob Einzelfall oder Massenspionage?

Richtig: Juristisch ist dem 45-Jährigen kein Vorwurf zu machen. Der illegale Datenvergleich zählt nicht zu den Straftaten, die der Staatsanwaltschaft angezeigt werden müssen. Der Umgang von Obermann mit der Affäre zeigt aber, dass sich der Konzern nicht um seine Verantwortung gegenüber den betroffenen Journalisten und Aufsichtsräten scherte und auch den Eingriff in die Pressefreiheit offenbar als kleineres Problem sah.

Die Telekom argumentiert, sie habe intern alles getan, um eine Wiederholung zu vermeiden, und deshalb keine Veranlassung gesehen, die Behörden und damit die Öffentlichkeit zu informieren. "Uns war klar, dass der Fall irgendwann öffentlich werden würde - dafür wussten davon intern zu viele Leute", sagt ein Manager. "Aber wir wollten diesen Schritt nicht im vorauseilenden Gehorsam tun." Man habe "immer mal wieder" erwogen, den Fall der Staatsanwaltschaft zu melden. Primäres Ziel sei im Sommer 2007 aber gewesen, sich nicht von den Ereignissen überholen zu lassen. Kurz zuvor hatte die Telekom den Doping-Skandal im Radsport und einen wochenlangen Streik hinter sich gebracht. René Obermann scheute wohl einen neuen öffentlichen Aufschrei.

Auch eine Entschuldigung bei dem "Einzelfall", einem Redakteur des Magazins "Capital", blieb damals aus. Die Telekom sagt, der damalige Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel habe dringend davon abgeraten, an die Öffentlichkeit zu gehen. Sonst hätte der Konzern bei seinen internen Recherchen "nicht so rasch umsetzbare Erkenntnisse" gewinnen können. Obermann habe also im Unternehmensinteresse geschwiegen.

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