Österreich
Wechsel von Telekom und Post zur Polizei

Ungewöhnlicher Tausch im Nachbarland: 500 Beamte der österreichischen Post und Telekom werden in den kommenden Jahren in den Verwaltungsdienst der Polizei wechseln. Entlastungen auf der einen Seite, Kosteneinsparungen auf der anderen - die Vereinbarung scheint für alle Beteiligten von Vorteil zu sein.
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WIEN. Telekom Austria und Österreichische Post lösen ihre Personalprobleme mit Hilfe der Polizei. Von Post und Telekom werden in den kommenden Jahren jeweils 500 unkündbare Beamte in den Verwaltungsdienst der österreichischen Polizei wechseln. An beiden Unternehmen ist der Staat noch wesentlich beteiligt, an der Post hält die österreichische Regierung die Mehrheit.

Sowohl Telekom als auch die Post haben in Österreich zu viel Personal. Beim größten Telekommunikations-anbieter der Alpenrepublik sind die Sorgen vor allem im Festnetz am größten. Telekom Austria hat in den vergangenen Jahren Zehntausende von Kunden an Konkurrenten verloren. Im Unterschied zu Deutschland melden viele Österreicher ihren Festnetzanschluss komplett ab und telefonieren wegen der vergleichsweise günstigen Tarife nur noch mit dem Handy.

Telekom-Chef Hannes Ametsreiter sprach am Donnerstag von einer "bahnbrechenden" Vereinbarung, die zusammen mit dem Innenministerium und den Gewerkschaften gefunden worden sei. 500 Mitarbeiter sind allerdings erst ein Anfang, insgesamt arbeiten in der Festnetzsparte der Telekom Austria gut 6 000 Beamte. Da die Bedeutung von festen Telefonanschlüssen tendenziell weiter abnehmen wird, ist die Telekom auch künftig nicht mehr auf die Unterstützung aller Beamten angewiesen. Das Unternehmen würde sich gern noch von mehr unkündbaren Telekommitarbeitern trennen. Die Politik bremst aber.

Mit einer echten Ersparnis kann die Telekom erst vom Jahr 2014 an rechnen - denn solange zahlt das Unternehmen den eigenen Beamten bei der Polizei noch die Gehälter. Außerdem macht die Telekom wechselbereiten Beamten die berufliche Veränderung mit einer jährlichen Sonderzahlung von 6 000 Euro schmackhaft. Analysten schätzen, dass die Telekom von 2014 an, wenn die Beamten von der Polizei bezahlt werden, jährlich einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag sparen könnte.

Auch bei der Österreichischen Post macht der Strukturwandel viele Beamte überflüssig. "Durch die stetige Reduktion der Briefmengen braucht die Post immer weniger Mitarbeiter", begründet Vorstandschef Georg Pölzl den Wechsel seiner Beamten in den Verwaltungsdienst der Polizei. Auch die 500 Postbeamten werden noch fünf Jahre vom Unternehmen bezahlt, erst danach übernimmt das österreichische Innenministerium die Kosten für seine neuen Mitarbeiter im Verwaltungsdienst der Polizei.

Auch das Ministerium begrüßt den geplanten Wechsel der 1000 Post - und Telekombeamten. Polizisten würden von der täglichen Verwaltungsarbeit entlastet und könnten sich verstärkt ihrer eigentlichen Aufgabe widmen, der Bekämpfung der Kriminalität, betont Innenministerin Maria Fekter.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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