Österreichischer Printmarkt
Gruner + Jahr wirft die Fellners bei der News-Gruppe raus

Das Tischtuch zwischen dem Zeitschriftenkonzern Gruner + Jahr (Stern, Geo) und den Medienunternehmern Wolfgang und Hellmuth Fellner ist zerschnitten. Der Auslandsvorstand der zum Medienkonzern Bertelsmann gehörenden G + J, Torsten-Jörn Klein, hat die Brüder Fellner aus dem bisher gemeinsam gebildeten Gesellschafterbeirat der österreichischen News-Gruppe geworfen.

DÜSSELDORF / ZÜRICH. Der Grund: Wolfgang und Helmuth Fellner wollen gemeinsam schon Anfang September eine neue Tageszeitung namens „Österreich“ auf den Markt bringen. Gruner und Jahr hält das ambitionierte Unternehmen für unvereinbar mit den eigenen Projekten. „Auf die Fellners wird keine Rücksicht mehr genommen“, sagte ein Insider in Hamburg. Wegen Fellners Zeitungsprojekt „ist eine partnerschaftliche Zusammenarbeit nicht mehr möglich. Da mussten die übrigen Gesellschafter einfach ein Stop setzen“, begründet Gruner + Jahr-Vorstand Torsten-Jörn Klein die Entscheidung gegenüber der Wiener Tageszeitung „Standard“. Mit einem täglichen Magazinteil stelle sich das Blatt nicht nur gegen die österreichischen Zeitungen, sondern auch ganz eindeutig gegen die Titel der Verlagsgruppe News.

Weil die Fellners nicht freiwillig gegangen sind, lösten die übrigen Gesellschafter unter ihnen der Essener Zeitungskonzern WAZ-Gruppe und Vertreter des Raiffeisen-Konzerns den Beirat auf. Die Beteiligung von 18,67 Prozent der Fellners an der News-Gruppe bleibt allerdings erhalten. G+J hält 56 Prozent der Anteile.

Nun steht eine Schlammschlacht auf dem österreichischen Printmarkt bevor. Hintergrund des Rauswurfs sind Äußerungen von Wolfgang Fellner über G + J: „Windeln voll“, „Nerven blank“, „fällt nichts Eigenes mehr ein“) waren Ausdrücke, die gefallen sein sollen. Klein kündigte deswegen bereits rechtliche Schritte gegen die Fellners an. Der gebürtige Berliner gilt als außergewöhnlich hartnäckig, wenn es darum geht seine Ziele durchzusetzen.

Auch ein Gespräch zwischen den Fellners und Klein am Montag in Wien brachte keine Lösung. Zu dem Ärger der Zeitungsgründung kommt nämlich, dass die Fellners von der Verlagsgruppe News bereits 60 Mitarbeiter abgeworben haben.

Auch der G+J-Vorstand zieht inzwischen über die ungeliebte Konkurrenz her: Er redet von „knapp 20 000 Probeabos" die verteilt würden – „und die zum Schnäppchenpreis in Verbindung mit Robbie-Williams-Tickets und immer neuen Traumhäusern. Wenn sie gut sind und richtig viel Glück haben, können sie daraus 10 000 harte Abos generieren. Das sieht nicht gut aus.“

Das von Klein gegebene Interview im „Standard“ ist eine offene Kriegserklärung an die Fellners. „Wir positionieren uns eindeutig gegen dieses Projekt“, droht der Bertelsmann-Manager mit Blick auf Fellners neuer Zeitung „Österreich.“ Klein sieht jede Menge Probleme auf Fellner zukommen. „Einige Mitarbeiter verlassen das Fellner-Projekt schon wieder“, weiß er zu berichten. Oliver Voigt, Vorsitzender der News-Geschäftsführung, wollte am Dienstag keinen Kommentar abgeben. Der frühere Chef von G + J in Polen gilt als enger Vertrauter von Vorstand Klein.

Der österreichische Markt spielt in Europas größtem Zeitschriftenkonzern eine Schlüsselrolle. Die News-Gruppe allein gibt in der Alpenrepublik 14 Magazine heraus. In Unternehmenskreisen ist zu erfahren, dass die hoch profitable News-Gruppe zuletzt einen Jahresumsatz von 150 Mill. Euro erzielte.

Im vergangenen Jahr hat G + J in über 20 Ländern einen Umsatz von 2,63 Mrd. Euro gemacht. Knapp zwei Drittel seines Umsatz erzielen die Hamburger außerhalb von Deutschland. Der operative Gewinn stieg auf 250 Mill. Euro. Zuletzt musste G + J bei der Expansion in Ausland aber Schlappen einstecken. So bemühte sich der Konzern vergeblich um die Übernahme der französischen Zeitschriften des britischen Verlagskonzerns Emap.

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