Offiziell bestätigt Microsoft übernimmt Start-up 6Wunderkinder

Eines der bekanntesten deutschen Start-ups geht in US-Hände: Microsoft kauft den App-Entwickler 6Wunderkinder aus Berlin für 100 bis 200 Millionen Dollar. Das bestätigte der Softwarekonzern am Dienstag.
Update: 02.06.2015 - 17:47 Uhr Kommentieren
Das Berliner Start-up wird vom US-Konzern Microsoft gekauft. Quelle: dpa
Büros von 6Wunderkinder

Das Berliner Start-up wird vom US-Konzern Microsoft gekauft.

(Foto: dpa)

BerlinMicrosoft übernimmt das Berliner Start-up 6Wunderkinder. Das bestätigte der Softwarekonzern am Dienstag. Die To-Do-Liste der Berliner App-Entwickler passe zum Portfolio von Microsoft und den Ambitionen des Konzerns, Produktivität in einer mobilen und Cloud-basierten Welt neu zu erfinden, schrieb Microsoft-Manager Eran Megiddo in einem Blog-Beitrag. Weitere Details oder den Kaufpreis nannte Megiddo nicht. 6Wunderkinder erhoffe sich wiederum den Zugang zu reichhaltiger Erfahrung und Technologie, von denen ein kleines Unternehmen sonst nur träumen könne, schrieb Gründer Christian Reber.

Weitere Details oder einen Kaufpreis nannte Megiddo nicht. Das „Wall Street Journal“ hatte zuvor von einer Summe zwischen 100 und 200 Millionen Dollar berichtet und berief sich dabei auf eine mit den Verhandlungen vertraute Person. Trotz der großen Spanne dürfte das kein schlechter Preis sein für eine knapp fünf Jahre alte Firma, um die es in jüngster Zeit etwas ruhiger geworden war.

Diese Start-ups krallten sich US-Konzerne
Der neuste Deal
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Nun könnte es für sie und ihre Chefs so weit sein: Das Berliner Start-Up 6Wunderkinder, das für seine To-do-Listen-App „Wunderlist“ als erste Berliner Gründung Geld von dem berühmten US-Risikokapitalgeber Sequoia Capital bekam, wird von Microsoft übernommen. Zuvor hatte das Wall Street Journal berichtet, der US-Konzern lege 100 bis 200 Millionen US-Dollar für die Wunderkinder auf den Tisch.

Wunderlist bringt Mega-Exit ein
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Das junge Unternehmen begeistert mit seiner To-do-Liste und anderen Angeboten mehr als sechs Millionen Menschen weltweit – und nun offenbar auch die Entscheider bei Microsoft. US-Medien taxierten den Wert der Firma Ende 2013 auf 60 bis 65 Millionen Dollar, die App-Schmiede selbst veröffentlicht keine Unternehmenszahlen, die eine Bewertung zuließen. 6Wunderkinder ist eines der bekanntesten Start-ups der Berliner Gründerszene, doch bei weitem nicht das erste deutsche Jungunternehmen, bei dem US-Konzerne zugreifen. Die Übernahmelust der Amerikaner geht quer durch alle Branchen, wobei fast alle Übernahmen der vergangenen Jahre im Bereich Onlinedienstleistungen liefen. Und noch etwas fällt auf: Häufig übernahmen die Konzerne kleine Kopien ihrer eigenen Geschäftsmodelle – offenbar machten die deutschen Raubkopien ihre Sache meist äußerst gut.

1999: Urknall des Samwer-Universums
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Wenig überraschend, dass sie zu den Ersten gehörten: Die Samwer-Brüder um Oliver Samwer, Gründer und Vorstandsvorsitzender des Start-up-Inkubators Rocket Internet. Noch lange bevor Rocket Internet die Kopie von Internetunternehmen professionalisierte und zu einem grundlegenden Geschäftsmodell machte, gründeten die Samwer-Brüder 1999 das Internetauktionshaus Alando. Schon im Mai des gleichen Jahres verkauften sie das Unternehmen für 43 Millionen Dollar an Ebay, just den US-Konzern, den sie kopiert hatten.

2004: Jamba lässt die Kassen klingeln
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Nur einige Jahre nach dem Alando-Deal konnten die Samwer-Brüder wieder einen erfolgreichen Exit, also eine Übernahme durch einen größeren Konzern, landen. Die Samwers hatten im Jahr nach dem Alando-Verkauf den Klingelton- und Mobilanwendungsanbieter Jamba gegründet. Das Unternehmen,“ das zwischenzeitlich wegen Abonnementverkäufen an Minderjährige in die Kritik geraten war, reizte 2004 den US-Konzern VeriSign. Stolze 273 Millionen US-Dollar legte der Konzern damals auf den Tisch, doch da Oliver und Marc Samwer bis 2005 nicht aus dem Konzern ausstiegen und die Verkaufserlöse an verschiedene Beteiligungsfirmen ausgeschüttet wurde, nahmen die beiden Gründer sogar noch mehr Geld ein.

Mai 2010: Der City-Deal
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Oliver Samwer (Mitte), hier mit seinem Finanzchef Peter Kimpel und Rocket Internet-Manager Alexander Kudlich, lockte die US-Konzerne weiter mit seinen Kopien: Unter dem Rocket Internet-Dach entstand etwa das Gutschein-Portal CityDeal, das den US-Konzern Groupon imitierte. Entweder es ärgerte die große Konkurrenz – oder es beeindruckte sie. Jedenfalls griff Groupon im Mai 2010 für umgerechnet 125,4 Millionen Euro zu und zog das deutsche Start-Up in den eigenen Rennstall.

Dezember 2010: Ebay schlägt erneut zu
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John Donahoe bescherte den Gründern des Berliner Markenbewertungsportals brands4friends Freude. 150 Millionen Euro zahlte der Ebay-CEO, um die Plattform mit der großen Konsum-Community zu übernehmen. Dabei hatten Analysten das Unternehmen kurz vor dem Deal nur mit 100 Millionen Euro bewertet. Doch Ebay dürfte damals zunehmend unter Druck geraten sein, da Akteure wie Amazon im Bereich der Shopping-Communities ebenfalls aktiv geworden waren. brands4friends, das zuvor durch buchhalterische Fehler in finanzielle Bedrängnis geraten war, stand nach dem Deal wieder auf sicheren Füßen.

April 2011: Make a Big Point
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Sie waren schon eine Größe im Gamingbereich, mehrere Investoren waren bei Big Point aus Hamburg bereits vor 2011 mit dreistelligen Millionensummen eingestiegen. Doch 2011 kam mit 350 Millionen US-Dollar die große Übernahme durch die US-Investoren Summit Partners und TA Associates, wobei der Gründer Heiko Hubertz weiterhin Anteile behielt. Der Onlinespieleentwickler erwirtschaftete nach eigenen Angaben zur Zeit der Übernahme dreistellige Millionenumsätze, der Gewinn lag 2009 bei zwölf Millionen Euro.

Mit der Wunderlist lassen sich auf dem Smartphone oder Tablet, aber auch auf dem PC Aufgaben verwalten und Notizen speichern. Die App hatte zuletzt über 13 Millionen Nutzer. Wie viele davon die kostenpflichtige Version verwenden, ist nicht bekannt.

„Eine so nützliche und populäre Lösung gelingt nicht ohne eine Menge harter Arbeit von einer Gruppe unglaublich smarter, kreativer und talentierter Leute“, lobte Microsoft-Manager Megiddo die Macher hinter der App in großen Worten.

Das 2010 von sechs Berlinern rund um den heutigen Geschäftsführer Reber gegründete Start-up erreichte eine gewisse Berühmtheit, als es Ende 2013 mit Sequoia Capital sogar einen legendären Risikokapitalgeber aus dem Silicon Valley als Geldgeber anzog. Zu den Investoren gehören auch der schwedische Fonds Atomico sowie Earlybird Venture Capital.

So sieht das neue Windows 10 aus
Nach 8 kommt 10
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Auf 8 folgt 10: Microsoft überspringt bei der Benennung seines Betriebssystems Windows eine Nummer. Damit wolle der Konzern den großen Entwicklungssprung verdeutlichen, sagte Microsoft-Manager Joe Belfiore bei der Präsentation im Herbst 2014.

Neues Startmenü
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Windows 10 bekommt ein Startmenü, wie es Nutzer von Windows 7 kennen. Daran docken sich die aus Windows 8 bekannten Apps mit ihren rechteckigen Kacheln an. Sie aktualisieren sich selbständig und zeigen etwa neue E-Mails, Nachrichten oder das aktuelle Wetter an.

Tauglich für alle Geräte
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Ein Betriebssystem für alle: Der Kern von Windows 10 soll nicht nur auf PCs laufen, sondern auch auf Tablets, Smartphones und der Xbox. Die Benutzeroberfläche wird an das jeweilige Gerät angepasst, wie Microsoft-Manager Terry Myerson hier erklärt.

Datenbrille Hololens
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Auch die Datenbrille Hololens soll sich mit Windows 10 ansteuern lassen – das Gerät blendet virtuelle Informationen über das Bild der Realität.

Alles auf einer Oberfläche
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Apps aus dem Windows Store werden künftig in Fenstern auf dem Desktop geöffnet – nicht auf der Kacheloberfläche, wie es in Windows 8 der Fall ist. Die zwei unterschiedlichen Oberflächen sorgen derzeit bei vielen Nutzern für Verwirrung. Die App-Fenster lassen sich verschieben, größer oder kleiner machen und mit einem Klick minimieren oder schließen.

Geöffnete Anwendungen
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Mit einem Klick bekommen Nutzer einen Überblick, welche Anwendungen gerade laufen, fein säuberlich nebeneinander aufgereiht – ähnlich wie man es beispielsweise von iPhone und iPad kennt.

Unterschiedliche Desktops
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Eine Übersicht für die Arbeit, eine für Spiele, eine für private Bankgeschäfte: Mit Windows 10 können Nutzer mehrere Desktops einrichten und ohne großen Aufwand dazwischen hin- und herschalten.

Microsoft will die Wunderlist in sein Portfolio integrieren. Für die bisherigen Nutzer solle sich jedoch nichts ändern, versicherten Megiddo und Reber. Die App werde weiterhin kostenlos sein, der Preis der Pro-Version bleibe unverändert. Reber werde auch nach der Übernahme das Wunderkinder-Team leiten.

Mit dem Berliner Start-up sichert sich Microsoft das Know-How eines der bekanntesten Berliner Start-ups für seine neue Mobilstrategie. Microsoft-Chef Satya Nadella will das Produktangebot verjüngen und vor allem im Smartphone-Markt aufholen. 6Wunderkinder ist bei Microsofts jüngster Einkaufstour der Dritte im Bunde.

Zuvor schluckte der Softwarekonzern bereits die App-Anbieter Acompli und Sunrise Atelier.

Microsoft startet Mobil-Offensive mit Windows 10

  • dpa
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