Ohne die Bundesregierung geht aber nichts
Rons russische Revanche

Ron Sommer kann auch vier Jahre nach seinem Abgang nicht von der Deutschen Telekom lassen: Der Manager steht als Berater hinter dem Versuch des russischen Mischkonzerns Sistema, eine Sperrminorität von gut 25 Prozent an der Telekom zu erwerben.

BERLIN. Der russische Mischkonzern Sistema will offenbar die Deutsche Telekom unter seine Kontrolle bringen. Ziel der Russen sei es, einen Anteil von 25 Prozent plus einer Aktie zu erreichen, erfuhr das Handelsblatt aus Banken- und Aufsichtsratskreisen. Russlands größter Mischkonzern wird seit drei Jahren vom früheren Telekom-Chef Ron Sommer beraten. Die Sperrminorität würde faktisch Sistema die Hauptversammlungsmehrheit an Europas größtem Telekommunikationsunternehmen sichern. Die Telekom würde dann von Moskau aus gesteuert.

Mitglieder des Aufsichtsrats zeigten sich alarmiert über den „machtpolitisch motivierten Angriff einer russischen Clique“. Sie sprachen von „Industrie-Imperialismus“. Russische Oligarchen seien für das Unternehmen eine schlimmere Bedrohung als amerikanische Finanzinvestoren. Man arbeite an einer Gegenstrategie.

Ein ranghoher Vertreter von Sistema bestätigte gegenüber der seriösen russischen Wirtschaftszeitung „Wedomosti“, dass der Moskauer Konzern „tatsächlich versucht, einen großen Anteil an der Deutschen Telekom zu bekommen, und darüber verhandelt“. Firmensprecherin Irina Potechina sagte, sie könne Verhandlungen nicht bestätigen: „Ich weiß von keinen Gesprächen mit der Deutschen Telekom. Aber Sistema beobachtet aktiv die globale Lage.“

Nach Informationen des Handelsblatts haben Sistema und ihr Berater Sommer bereits einen detaillierten Übernahmeplan ausgearbeitet: In einem ersten Schritt würde das russische Konglomerat seine Telekomfirmen, darunter Russlands größten Mobilfunker MTS, als Sacheinlage in die Deutsche Telekom einbringen. Die Telekom würde dafür mit 600 Millionen neuen T-Aktien bezahlen. Die Hauptversammlung hat die Telekom bereits ermächtigt, Sachanlagen mit neuen Aktien zu finanzieren. Der Anteil von Sistema an der Telekom würde danach etwa 15 Prozent erreichen. In einem zweiten Schritt würde Sistema die Aktien verpfänden und mit dem Geld T-Aktien von der staatseigenen KfW-Bankengruppe kaufen. Es gehe den Russen nicht allein darum, auf den Kapitalmärkten präsent zu sein, sondern um eine strategische Übernahme eines Dax-Konzerns, hieß es in Bankenkreisen.

Sistema könnte seinen Übernahmeplan allerdings nur durchziehen, wenn die Bundesregierung, die direkt und indirekt über die KfW mehr als 30 Prozent an der Telekom kontrolliert, ihn unterstützt. Im Umfeld von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hieß es, man beobachte den Prozess genau. Man stehe in engem Kontakt mit der Telekom, sehe aber im Augenblick keinen Handlungsbedarf. Der Sprecher von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte, es gebe keine Gespräche mit Sommer. „Einem derartigen Plan würden wir auch nicht zustimmen“, sagte er. Abwehrstrategien des Aufsichtsrats dürften sich damit erübrigen.

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