Ohne Fusion droht Stagnation
Kabelkonzerne fahren in die Sackgasse

Die Kabelkonzerne drängen mit Angeboten aus TV, Internetanschluss und Telefonie in den Markt und das mit beachtlichem Erfolg. Dennoch können sie als zersplitterte, rein regionale Anbieter auf dem deutschen Breitbandmarkt nicht bestehen. Weil der Traum von einer Fusion vom Kartellamt bereits zerschlagen wurde, wird jetzt an einen Schulterschluss mit einem Telekomanbieter gedacht.

DÜSSELDORF. Über Jahre beklagten sich Medienwächter wie Wolf-Dieter Ring aus Bayern oder Norbert Schneider aus Nordrhein-Westfalen über den mangelnden Ausbau der deutschen Kabelnetze. Die Chefs der Medienanstalten, die für das Kabelfernsehen die Oberaufsicht innehaben, warteten lange vergeblich auf die Offensive der Investoren. Heute reiben sich die Medienwächter in München und Düsseldorf verwundert die Augen: Milliarden fließen zwischen Kiel und Konstanz in die Netze. Die großen Anbieter wie Kabel Deutschland (KDG), Unitymedia oder Kabel BW rüsten ihre Netze für viele Hundert Millionen Euro weiter auf. Nach Angaben des Verbandes deutscher Kabelnetzbetreiber (Anga) sollen allein in diesem Jahr 700 Mio. Euro in der Bundesrepublik investiert werden.

Die Spendierhosen kommen nicht von ungefähr: Die Kabelanbieter drängen mit Angeboten aus TV, Internetanschluss und Telefonie in den Markt – mit beachtlichem Erfolg. Im hart umkämpften deutschen Telekomgeschäft wuchs die Zahl der Breitband-Kunden im Kabel allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres um rund 200 000 auf mittlerweile über zwei Millionen. Gemessen am gesamten DSL-Markt von rund 23 Mio. Anschlüssen Ende vergangenenJahres nehmen sie damit zwar immer nur einen kleinen Teil ein. Ihr Wachstum nimmt aber rasant Fahrt auf - zum Vergleich: Ende 2006 haben die Kabelanbieter gerade einmal 600 000 DSL-Kunden gehabt.

Doch selbst diese Erfolgsbilanz kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kabelbarone in eine Sackgasse fahren: Langfristig können sie als zersplitterte, rein regionale Anbieter auf dem deutschen Breitbandmarkt nicht bestehen. KDG ist zwar in 13 Bundesländern aktiv, hat dort aber häufig gar keinen Kontakt zu seinen Kunden, weil die letzte Kabelmeile bis in die Wohnzimmer kleineren, regionalen Anbietern der so genannten Netzebene vier gehört.

Hoffnungen, die drei Unternehmen könnten fusionieren, hatte das Kartellamt im Frühjahr begraben, als es sich dagegen aussprach. Dennoch gehen sowohl Unternehmen als auch Marktexperten davon aus, dass das Nein noch nicht das letzte Wort der Wettbewerbshüter ist. „Es gibt durchaus mittelfristig die Chance auf eine Konsolidierung im deutschen Kabelmarkt. Das würde dem Standort Deutschland nutzen“, sagt Martin Fabel von der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Auch bei KDG herrscht Zuversicht: „Die Wettbewerbshüter werden eines Tages den Weg frei machen, da bin ich mir sicher. Sie werden dann nicht nur den Kabel-TV-Markt betrachten, sondern die neuen Medien und die Telekommunikation mit einbeziehen“, sagt KDG-Chefberater Tony Ball.

Ein anderer Ausweg wäre der Schulterschluss mit einem Telekomanbieter. Nach Informationen des Handelsblatts hat Vodafone, mit der Festnetztochter Arcor die Nummer zwei auf dem deutschen DSL-Markt, eine Übernahme von KDG durchrechnen lassen.

Für die Telekomfirmen ist das Kalkül einfach: Ein neuer Kunde kostet sie in dem überhitzten Markt derzeit bis zu 600 Euro an Händlerprovision, Gratis-Hardware und Einkaufsgutscheinen. Die Übernahme eines Wettbewerbers könnte umgerechnet auf die Kunden günstiger sein und man könnte sich die Kosten für die Aufrüstung des eigenen Netzes ersparen.

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