Oliver Samwer „Neidisch wie ein kleines Kind“

Der Star der deutschen Internetszene Oliver Samwer, Chef des erfolgreichen Start-up Rocket Internet, ist die Attraktion am ersten Tag der Noah-Konferenz. Aber die Nachfolger stehen schon in den Startlöchern.
Kommentieren
Oliver Samwer, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Rocket Internet AG. Quelle: dpa
Oliver Samwer

Oliver Samwer, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Rocket Internet AG.

(Foto: dpa)

BerlinAls Oliver Samwer die Bühne betritt, ist der Saal auf einmal wieder voll. Der Chef von Rocket Internet ist im Publikum ebenso bewundert wie gefürchtet, in jedem Fall aber ist er der unbestrittene Star der deutschen Internetszene, die sich in dieser Woche in Berlin zur Noah-Konferenz versammelt.

Rund 2000 Leute, Unternehmer wie Investoren, haben den ersten Tag überwiegend auf der Dachterrasse in der Sonne verbracht, Kontakte geknüpft, Geschäftspartner getroffen, an dem gearbeitet, was Rocket Internet vorgemacht hat: Die deutsche und europäische Internetwirtschaft international bekannt zu machen.
Sein Job sei es, im Flugzeug zu sitzen, erzählt Samwer auf der Bühne. Rocket Internet hat über 100 Unternehmen in über 100 Ländern aufgebaut. Samwer ist ständig unterwegs, um irgendwo nach dem Rechten zu sehen oder Geld für neue Projekte einzutreiben. Mit dem Börsengang sei das deutlich einfacher geworden, sagt er.

Dafür bewundern sie ihn hier in Berlin, wo es zwar eine Menge vielversprechender Start-ups gibt, aber nur wenige das Geld bekommen, das sie bräuchten, um richtig groß zu werden. „Europäische Unternehmer müssen sich mehr als Investoren verstehen“, hat EU-Digitalkommissar Günther Oettinger früher am Tag angemahnt.

Diese Start-ups krallten sich US-Konzerne
Der neuste Deal
1 von 18

Nun könnte es für sie und ihre Chefs so weit sein: Das Berliner Start-Up 6Wunderkinder, das für seine To-do-Listen-App „Wunderlist“ als erste Berliner Gründung Geld von dem berühmten US-Risikokapitalgeber Sequoia Capital bekam, wird von Microsoft übernommen. Zuvor hatte das Wall Street Journal berichtet, der US-Konzern lege 100 bis 200 Millionen US-Dollar für die Wunderkinder auf den Tisch.

Wunderlist bringt Mega-Exit ein
2 von 18

Das junge Unternehmen begeistert mit seiner To-do-Liste und anderen Angeboten mehr als sechs Millionen Menschen weltweit – und nun offenbar auch die Entscheider bei Microsoft. US-Medien taxierten den Wert der Firma Ende 2013 auf 60 bis 65 Millionen Dollar, die App-Schmiede selbst veröffentlicht keine Unternehmenszahlen, die eine Bewertung zuließen. 6Wunderkinder ist eines der bekanntesten Start-ups der Berliner Gründerszene, doch bei weitem nicht das erste deutsche Jungunternehmen, bei dem US-Konzerne zugreifen. Die Übernahmelust der Amerikaner geht quer durch alle Branchen, wobei fast alle Übernahmen der vergangenen Jahre im Bereich Onlinedienstleistungen liefen. Und noch etwas fällt auf: Häufig übernahmen die Konzerne kleine Kopien ihrer eigenen Geschäftsmodelle – offenbar machten die deutschen Raubkopien ihre Sache meist äußerst gut.

1999: Urknall des Samwer-Universums
3 von 18

Wenig überraschend, dass sie zu den Ersten gehörten: Die Samwer-Brüder um Oliver Samwer, Gründer und Vorstandsvorsitzender des Start-up-Inkubators Rocket Internet. Noch lange bevor Rocket Internet die Kopie von Internetunternehmen professionalisierte und zu einem grundlegenden Geschäftsmodell machte, gründeten die Samwer-Brüder 1999 das Internetauktionshaus Alando. Schon im Mai des gleichen Jahres verkauften sie das Unternehmen für 43 Millionen Dollar an Ebay, just den US-Konzern, den sie kopiert hatten.

2004: Jamba lässt die Kassen klingeln
4 von 18

Nur einige Jahre nach dem Alando-Deal konnten die Samwer-Brüder wieder einen erfolgreichen Exit, also eine Übernahme durch einen größeren Konzern, landen. Die Samwers hatten im Jahr nach dem Alando-Verkauf den Klingelton- und Mobilanwendungsanbieter Jamba gegründet. Das Unternehmen,“ das zwischenzeitlich wegen Abonnementverkäufen an Minderjährige in die Kritik geraten war, reizte 2004 den US-Konzern VeriSign. Stolze 273 Millionen US-Dollar legte der Konzern damals auf den Tisch, doch da Oliver und Marc Samwer bis 2005 nicht aus dem Konzern ausstiegen und die Verkaufserlöse an verschiedene Beteiligungsfirmen ausgeschüttet wurde, nahmen die beiden Gründer sogar noch mehr Geld ein.

Mai 2010: Der City-Deal
5 von 18

Oliver Samwer (Mitte), hier mit seinem Finanzchef Peter Kimpel und Rocket Internet-Manager Alexander Kudlich, lockte die US-Konzerne weiter mit seinen Kopien: Unter dem Rocket Internet-Dach entstand etwa das Gutschein-Portal CityDeal, das den US-Konzern Groupon imitierte. Entweder es ärgerte die große Konkurrenz – oder es beeindruckte sie. Jedenfalls griff Groupon im Mai 2010 für umgerechnet 125,4 Millionen Euro zu und zog das deutsche Start-Up in den eigenen Rennstall.

Dezember 2010: Ebay schlägt erneut zu
6 von 18

John Donahoe bescherte den Gründern des Berliner Markenbewertungsportals brands4friends Freude. 150 Millionen Euro zahlte der Ebay-CEO, um die Plattform mit der großen Konsum-Community zu übernehmen. Dabei hatten Analysten das Unternehmen kurz vor dem Deal nur mit 100 Millionen Euro bewertet. Doch Ebay dürfte damals zunehmend unter Druck geraten sein, da Akteure wie Amazon im Bereich der Shopping-Communities ebenfalls aktiv geworden waren. brands4friends, das zuvor durch buchhalterische Fehler in finanzielle Bedrängnis geraten war, stand nach dem Deal wieder auf sicheren Füßen.

April 2011: Make a Big Point
7 von 18

Sie waren schon eine Größe im Gamingbereich, mehrere Investoren waren bei Big Point aus Hamburg bereits vor 2011 mit dreistelligen Millionensummen eingestiegen. Doch 2011 kam mit 350 Millionen US-Dollar die große Übernahme durch die US-Investoren Summit Partners und TA Associates, wobei der Gründer Heiko Hubertz weiterhin Anteile behielt. Der Onlinespieleentwickler erwirtschaftete nach eigenen Angaben zur Zeit der Übernahme dreistellige Millionenumsätze, der Gewinn lag 2009 bei zwölf Millionen Euro.

Gefürchtet wird der Unternehmer für die aggressive Strategie, mit der Rocket Internet so weit gekommen ist. Kaum einem Start-up aus dem Rocket-Imperium hat eine originelle Idee zugrunde, die meisten kopieren ein Modell, das sich anderswo schon bewiesen hat. „Copycats“, nennt man so etwas in der Szene. Oliver Samwer quittiert diesen Einwand mit schnarrender Stimme. „Die Leute, die sagen, dass wir bloß Copycats seien, müssen selbst entweder so originell sein wie Einstein – oder sie müssen anerkennen, dass es eine enorme Anstrengung erfordert, aus einer guten Idee ein großes Unternehmen zu machen.“
Die meisten hier im Saal wissen das. Zur Noah-Konferenz kommen keine Anfänger mehr, die Tickets kosten 600 Euro, es ist so etwas wie der digitale Mittelstand, der sich hier versammelt hat. Unternehmer wie Sebastian Diemer von Kreditech, die Bonitätsanalysen in Sekundenschnelle erstellen, auf der Grundlage von Daten, die Kreditnehmer im Internet über sich preisgeben. Oder Markus Witte von Babbel. Der Online-Sprachkursanbieter ist gerade dabei, in die USA zu expandieren. Oder Konstantin Urban von Windeln.de, das Münchner Start-up verkauft Babyartikel unter anderem in China und ist erst vor kurzem an die Börse gegangen.

„Burn-Out-Ding ist nichts für mich"
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Oliver Samwer - „Neidisch wie ein kleines Kind“

0 Kommentare zu "Oliver Samwer: „Neidisch wie ein kleines Kind“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%