Oliver Samwer: Rocket-Chef fordert mehr Internet-Börsengänge

Oliver Samwer
Rocket-Chef fordert mehr Internet-Börsengänge

Oliver Samwer, Chef von Rocket Internet, hofft auf eine Signalwirkung des Börsengangs seiner Startup-Schmiede für die europäische Online-Wirtschaft. Zudem will er einen Markteintritt in den USA nicht ausschließen.
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MünchenRocket-Internet-Chef Oliver Samwer hofft auf eine Signalwirkung des Börsengangs seiner Startup-Schmiede Rocket Internet für die europäische Online-Wirtschaft. „Das ist gut für Europa. Je mehr Unternehmen an die Börse gehen, umso mehr kann man diesen europäischen Traum haben“, sagte Samwer am Montag auf der Internet-Konferenz DLD in München. „Die wichtigste Erfahrung des Börsengangs war: Es ist machbar.“ Das sollte anderen Unternehmen Mut machen.

Rocket Internet hatte bei dem Börsengang in Frankfurt im Oktober über 1,4 Milliarden Euro eingenommen. Die Aktie war zunächst unter den Ausgabepreis gestürzt, erholte sich inzwischen aber. Der Marktwert des Unternehmens liegt über 6,5 Milliarden Euro. Rocket Internet entwickelt weltweit junge Unternehmen vor allem im Bereich des Online-Handels.

Die Idee von Samwer und seiner Brüder Marc und Alexander ist, den Gründungsprozess mit Hilfe einer einheitlichen Plattform aufs Fließband zu stellen. „Die Sache mit den verschiedenen Kulturen in einzelnen Ländern wird überbewertet: E-Commerce funktioniert überall“, sagte Samwer. Aktuell arbeiten rund 50 Firmen unter dem Rocket-Dach. Sie schreiben bisher quer durch die Bank Verluste.

Fragen zur künftigen Strategie wich Samwer unter Hinweis auf die Mitteilungspflichten bei einem börsennotierten Unternehmen aus. Einen groß angelegten Markteintritt in den USA schloss er allerdings nicht aus. „Wir greifen nicht an. Wir könnten freundlich Amerika betreten. Nichts ist unmöglich“, sagte er auf die Frage nach Plänen für einen Angriff auf die Konkurrenz in den USA. Bisher sind nur einige wenige Rocket-Startups in den USA aktiv.

Zugleich machte Samwer keinen Hehl daraus, dass er seine Startups dynamischer als die etablierten Internet-Konzerne aus den USA findet. „Bei Google haben Sie eine Cafeteria mit Gratis-Getränken und Sushi – bei uns können Sie Unternehmen aufbauen“, beschrieb er die Perspektive für Neueinsteiger. Im Silicon Valley wird Rocket Internet oft vorgeworfen, Geschäftsideen aus den USA zu kopieren. Samwer kontert, die Herausforderung sei vor allem die Umsetzung einer Idee.

Der 42-jährige Samwer machte bei seinem Auftritt insgesamt seinem Ruf eines aggressiven und ungeduldigen Managers alle Ehre. „Wir sind sehr hungrig“, beschrieb er Rocket Internet. „Es ist egal, wie gut jemand gestern war, wenn der Hospitant heute besser ist.“ Er selbst arbeite so viel wie nötig – und schlafe am liebsten in Flugzeugen, um Zeit zu sparen. Die Börsengänge von Rocket und des Modehändlers Zalando haben die Samwer-Brüder offiziell zu Milliardären gemacht.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Sicherlich haben die Samwer Brüder jeder für sich 50 Punkte mehr IQ als ich, Neid ist nicht angebracht. Trauer aber schon, die Deutsche IT Welt ist wahrlich kein schöner Anblick: Dominant sind hier die Werber die laut und quietschend Vieles vom Selben verkaufen möchten. Und das ist praktisch immer eine Kopie von dem was es in den USA gibt. Echte LÖSUNGEN mit NUTZEN: Totale Fehlanzeige. Grund: Keine KnowHow in Technik, keine KnowHow im Lösungsverkauf, keine Stimme jenseits der Werber........

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