Oliver Seidel
Loewe-Chef wechselt zu Media-Saturn

Von einem kriselnden Unternehmen zum nächsten: Loewe-Chef Oliver Seidl heuert beim Elektrohändler Media-Saturn als Finanzvorstand an. Einen Nachfolger rekrutiert der TV-Hersteller im eigenen Aufsichtsrat.
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BerlinLoewe-Chef Oliver Seidl wechselt nach zwei glücklosen Jahren an der Spitze des Fernsehbauers als Finanzchef zum Elektronikhändler Media-Saturn. Die in der Vergangenheit zerstrittenen Eigner von Europas größter Elektronikhandelskette verständigten sich auf den 49-Jährigen, nachdem Rolf Hagemann bereits im April die Dachgesellschaft von Media Markt und Saturn verlassen hatte. Seidls Nachfolger bei Loewe wird Matthias Harsch, bislang Geschäftsführer des Wurstwaagenherstellers Bizerba.

Seidl solle seinen neuen Posten „zum nächstmöglichen Zeitpunkt, voraussichtlich im ersten Quartal 2013“ antreten, wie das Tochterunternehmen des Handelsriesen Metro am Mittwoch mitteilte. Neben dem Bereich Finanzen solle er auch die Datenverarbeitung bei Media-Saturn verantworten. Der Düsseldorfer Konzern hält knapp über 75 Prozent an der Kette, muss sich aber bei wichtigen Personalentscheidungen mit dem Minderheitseigner Erich Kellerhals einigen. Aus dessen Umfeld war bereits in der Vergangenheit verlautet, der Milliardär halte den Kandidaten für den Posten des Finanzchefs für „sehr geeignet“.

Bei Media-Saturn warten auf Seidl große Herausforderungen: Die Kette verbuchte in den ersten neun Monaten 2012 Rückgänge bei Umsatz und operativem Ertrag. Auch Mutterkonzern Metro tut sich schwer, er war jüngst aus dem Dax abgestiegen und hatte zudem seine Gewinnprognose für 2012 herunterschrauben müssen.

Bei Loewe soll Seidl-Nachfolger Harsch spätestens zum 1. März 2013 als Vorstandsvorsitzender anfangen und außerdem die Bereiche Marketing und Vertrieb übernehmen. Ferner befinde sich der Aufsichtsrat in der Endauswahl eines neuen Finanzvorstands, teilte das Unternehmen mit. Bis zu dessen Berufung soll Seidl dessen Aufgaben weiter übernehmen.

Das traditionsreiche Unternehmen rutschte im dritten Jahresviertel tiefer in die Verlustzone, unter dem Strich verbuchte Loewe zwischen Juli und September ein Minus von 7,7 Millionen Euro. Vor einem Jahr lag der Verlust noch bei knapp 4 Millionen Euro. Der Umsatz brach im dritten Quartal um 30 Prozent auf gut 47 Millionen Euro ein.

Dabei hatte es noch im ersten Halbjahr besser für das Unternehmen ausgesehen. Doch von der Zuversicht ist nicht viel geblieben. Die Schuld sieht Loewe auch bei der Eurokrise, die in ganz Europa Käufer verunsichere. Vor allem im Ausland hatte der Konzern seit längerem zu kämpfen, nun schrumpft das Geschäft auch in Deutschland.

Seit Jahren leidet der Erfinder des elektronischen Fernsehens unter dem Preisdruck der koreanischen Konkurrenten, deren Modelle mitunter nur einen Bruchteil der edlen und teuren Loewe-Modelle kosten. Eine Technologiekooperation mit dem moribunden japanischen Hauptaktionär Sharp kommt seit Jahren nicht voran, die Expansion auf den asiatischen Markt kam bislang nicht über die Ankündigungsphase hinaus. Zudem drückt die Wirtschaftskrise in Südeuropa auf den Absatz.

 
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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