Online-Angebote
Zeitungen klagen gegen „Tagesschau“-App

Mit einer Klage gegen die "Tagesschau"-App der ARD ist der Streit zwischen Zeitungsverlegern und den Öffentlich-Rechtlichen eskaliert. Nun versucht der künftige ZDF-Intendant Thomas Bellut zu schlichten.
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Mainz/BerlinDer Kampf zwischen den Zeitungsverlegern und den Sendern ARD und ZDF um Leser im Internet wird nun vor Gericht ausgetragen. Acht Zeitungsverlage haben am Dienstag gegen die umstrittene „Tagesschau“-App für Smartphones und den Tablet-Computer iPad geklagt. Solche kostenlosen Angebote der gebührenfinanzierten Sender gefährdeten die Verlage, argumentierte Christian Nienhaus, Geschäftsführer der WAZ Mediengruppe und NRW-Verlegervorsitzender, der die Klage beim Medienforum NRW in Köln verkündete. „Es geht darum, dass jemand steuerfinanziert kostenlose Inhalte anbietet und damit unsere Märkte kaputt macht“, sagte er.

ARD und ZDF wiesen die Kritik umgehend zurück. „Es kann gut sein, dass unsere sehr erfolgreiche „Tagesschau“-App einigen Verlegern ein Dorn im Auge ist“, sagte die ARD-Vorsitzende und WDR-Intendantin Monika Piel, „aber ihrer Argumentation kann ich nicht folgen: Nicht jeder Text ist eine Zeitung“. Die „Tagesschau“-App ist eine Software, die Inhalte des Online-Angebotes der „Tagesschau“ auf Smartphones (iPhone, Android-Handys, Blackberry sowie den Tablet-Computer iPad bringt.

ZDF-Intendant Markus Schächter kritisierte die Klage als „Schlacht von gestern“. Sein Nachfolger, Programmdirektor Thomas Bellut, fand mäßigende Worte: „Das Letzte, was ich will, ist, den Tageszeitungen Konkurrenz zu machen und ihre wirtschaftliche Lage zu verschlechtern. Wir wollen im Internet nicht den Job der Tageszeitungen machen“, sagte er der „Allgemeinen Zeitung“ in Mainz (Mittwochausgabe). Das ZDF wolle seine Textangebote, „die ohnehin bei Weitem nicht so erfolgreich sind wie unsere Bewegtbilder-Angebote, auf dem niedrigst möglichen Stand halten.“ Er sei „lebhaft interessiert, diesen Konflikt zu entschärfen“, sagte Bellut, der im März 2012 Schächter als Intendant nachfolgt.

Der künftige ZDF-Intendant Thomas Bellut hat sich mäßigend in den Streit um öffentlich-rechliche Online-Angebote eingeschaltet. „Das Letzte, was ich will, ist, den Tageszeitungen Konkurrenz zu machen und ihre wirtschaftliche Lage zu verschlechtern. Wir wollen im Internet nicht den Job der Tageszeitungen machen“, sagte er der „Allgemeinen Zeitung“ in Mainz. Er reagierte damit auf eine Klage der Zeitungsverleger gegen die „Tagesschau“-App der ARD. Diese sehen durch die Texte des Angebots für Smartphones und Tablet-Computer ihre Geschäftsgrundlage bedroht. Sie haben am Dienstag bei der Wettbewerbskammer des Landgerichts Köln Klage eingereicht. 

Der amtierende ZDF-Programmdirektor Bellut, der im März 2012 den Intendantenposten übernimmt, sagte, das ZDF werde seine Textangebote, „die ohnehin bei Weitem nicht so erfolgreich sind wie unsere Bewegtbilder-Angebote, auf dem niedrigst möglichen Stand halten. Aus der regionalen Berichterstattung halten wir uns ohnehin raus“. Er sei „lebhaft interessiert, diesen Konflikt zu entschärfen“.

NDR-Intendant Lutz Marmor rief zur Zusammenarbeit auf: „Die Verleger sollten lieber gemeinsam mit uns versuchen, Journalismus und Informationskompetenz im Dienste der Demokratie zu stärken, als gegeneinander zu arbeiten.“

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  • Acht Zeitungsverleger reichen eine Klage gegen die Tagesschau App ein, um sie durch einen Richterspruch verbieten zu lassen. Acht Zeitungsverlage wollen dem Bürger, der seinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk bezahlt und nutzt eine technische Möglichkeit wegnehmen, die er 1.7 Mio mal nachgefragt hat und offensichtlich gut findet. Sie wollen dem Bürger etwas wegnehmen, damit sie es ihm im Anschluß teuer verkaufen können und schreiben auch noch Erhalt der Pressefreiheit darüber. Ich nenne das „versuchter Mißbrauch eines Grundrechtes“, um die wirtschaftliche Gier nach neuen Geschäftsfeldern durch einen Richterspruch zu Lasten der Informationsfreiheit der Bürger sichern zu lassen. Einer der klagenden Verlage heißt Springer. Sein Motiv kann nicht Geld sein – die Umsatzentwicklung der vergangenen Jahre war extrem gut – also bleibt nur der Wunsch nach dem Ausbau von Marktmacht. Paßt, und liefert gleichzeitig das beste Argument, warum Qualitätsangebote der ARD technikneutral – wie im Gesetz garantiert – dem Mediennutzungsverhalten der Bürger entsprechen müssen und weiter den Maßstab für guten Journalismus setzen. Dagmar Gräfin Kerssenbrock, NDR Rundfunkrat

  • Acht Zeitungsverleger reichen eine Klage gegen die Tagesschau App ein, um sie durch einen Richterspruch verbieten zu lassen. Acht Zeitungsverlage wollen dem Bürger, der seinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk bezahlt und nutzt eine technische Möglichkeit wegnehmen, die er 1.7 Mio mal nachgefragt hat und offensichtlich gut findet. Sie wollen dem Bürger etwas wegnehmen, damit sie es ihm im Anschluß teuer verkaufen können und schreiben auch noch Erhalt der Pressefreiheit darüber. Ich nenne das „versuchter Mißbrauch eines Grundrechtes“, um die wirtschaftliche Gier nach neuen Geschäftsfeldern durch einen Richterspruch zu Lasten der Informationsfreiheit der Bürger sichern zu lassen. Einer der klagenden Verlage heißt Springer. Sein Motiv kann nicht Geld sein – die Umsatzentwicklung der vergangenen Jahre war extrem gut – also bleibt nur der Wunsch nach dem Ausbau von Marktmacht. Paßt, und liefert gleichzeitig das beste Argument, warum Qualitätsangebote der ARD technikneutral – wie im Gesetz garantiert – dem Mediennutzungsverhalten der Bürger entsprechen müssen und weiter den Maßstab für guten Journalismus setzen. Dagmar Gräfin Kerssenbrock, NDR Rundfunkrat

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