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Online-Bespitzelung: Die Furcht vor dem Datensauger NSA

Scharf dementieren Internetfirmen Vorwürfe, der US-Regierung direkten Zugang zu Servern zu gewähren. Der US-Geheimdienst könnte aber an anderer Stelle die Daten anzapfen – ohne das Wissen von Google, Facebook und Co.

Google-Rechenzentrum in Council Bluffs, Iowa. Werden Datenströme zu solchen Rechnern von der NSA angezapft? Quelle: ap
Google-Rechenzentrum in Council Bluffs, Iowa. Werden Datenströme zu solchen Rechnern von der NSA angezapft? Quelle: ap

DüsseldorfDie Internetüberwachung durch den US-Geheimdienst NSA bringt angeschwärzte Unternehmen wie Google, Facebook und Microsoft in Erklärungsnöte. Die Konzerne sind laut einer von dem 29-jährigen IT-Experten Edward Snowden der Öffentlichkeit zugänglich gemachten Präsentation Teil des Datensammelprogramms PRISM der NSA. Die Firmen haben zwar dementiert, dass sie der Regierung direkten Zugang zu Kundendaten ermöglichten, wie es zunächst geheißen hatte. Dennoch ist die Verunsicherung der Nutzer hoch, dass ihre Daten in größerem Maße als bislang bekannt ausgespäht werden könnten.

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Denn der genaue Umfang der von der NSA erfassten Daten ist nach wie vor unklar. Snowdens Äußerungen erwecken den Anschein, dass die Überwachung weitreichender sein könnte als von den Unternehmen selbst eingeräumt. Vielleicht ist ihnen gar nicht selber bewusst, welche Fähigkeiten der Geheimdienst hat. „Die NSA hat eine Infrastruktur aufgebaut, die ihr erlaubt, fast alles abzufangen“, sagt der IT-Experte Snowden in einem umfangreichen Interview mit der Zeitung „The Guardian“. Damit werde der Großteil der menschlichen Kommunikation automatisch aufgesaugt. „Wenn ich in ihre E-Mails oder in das Telefon ihrer Frau hineinsehen wollte, müsste ich nur die abgefangenen Daten aufrufen. Ich kann ihre E-Mails, Passwörter, Gesprächsdaten, Kreditkarten-Informationen bekommen.“

Bekannte „Whistleblower“ in US-Sicherheitsbehörden

  • Bradley Manning

    Der Soldat Manning stach Hunderttausende militärische Geheimdokumente und Diplomatendepeschen an die Enthüllungsplattform Wikileaks durch. Seit der vergangenen Woche muss sich der Obergefreite daher vor einem Militärgericht in Fort Meade in Maryland verantworten. Der Fall gilt als der größte Geheimnisverrat der amerikanischen Geschichte.

  • Jeffrey Wigand

    Als ranghoher Mitarbeiter des Tabakkonzerns Brown & Williamson enthüllte Wigand einen Skandal um fragwürdige Praktiken bei der Zigarettenproduktion. Die Informationen gab Wigand in den 1990er Jahren an die US-Nachrichtensendung „60 Minutes“ und an die Lebensmittel- und Drogenüberwachungsbehörde FDA weiter.

  • Frederic Whitehurst

    Im Jahr 1992 brachte der FBI-Agent schlampige Arbeitsabläufe und Verfahrensfehler in der gerichtsmedizinischen Abteilung der US-Ermittlungsbehörde ans Licht.

  • Mordechai Wanunu

    Der israelische Nukleartechniker enthüllte 1986 das Atomwaffenprogramm seines Landes. Wegen Hochverrats wurde er zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt.

  • W. Mark Felt

    Unter dem Pseudonym „Deep Throat“ gab der stellvertretende FBI-Direktor Felt in den 1970er Jahren heikle Informationen über den Watergate-Skandal an die „Washington Post“ weiter. Er gab sich 2005 als Informant zu erkennen.

  • Daniel Ellsberg

    1971 spielte der Militäranalyst die streng geheimen „Pentagon-Papiere“ über die US-Beteiligung im Vietnamkrieg der „New York Times“ und anderen Zeitungen zu.

Snowden selbst habe durch seine Tätigkeit für die IT-Beratungsfirma Booz Allen Hamilton und andere Sub-Unternehmer des US-Geheimdienstes NSA vom Umfang des Überwachungsprogramms erfahren. Booz Allen Hamilton rühmt sich damit, dass ein Großteil der 25.000 Mitarbeiter von der US-Regierung eine Sicherheitsfreigabe von „Top Secret oder höher“ hätte. Die Beratungsfirma ist ein Spezialist für IT-Sicherheit und arbeitet für viele amerikanische Behörden.

Die Chefs der angegriffenen Internetunternehmen haben erbost auf die Details aus der NSA-Präsentation reagiert. Es gebe „keine Hintertür“ zu Google-Servern versicherte etwa Google-Vorstandschef Larry Page. Lediglich auf Basis genau geprüfter Gerichtsbeschlüsse gebe Google Daten heraus. Das Programm PRISM ist laut Darstellung von US-Geheimdienstdirektor James Clapper lediglich eine interne Computer-Anwendung der NSA, um Auskunftsersuchen zu vereinfachen. Die Behörde teile das in der Hoffnung mit, einige der Mythen über PRISM einzugrenzen.

Diese Beurteilung gibt den bisherigen Dementis der Internet- und Technologiefirmen recht, nur auf richterlichen Beschluss Daten herauszugeben. Allerdings gibt es Zweifel, ob sich der Geheimdienst mit dieser Möglichkeit der Datensammlung zufrieden gibt.

  • 16.06.2013, 22:43 UhrLebewohlDuSchoeneZukunft

    Da scheint es doch vernünftig, daß einigen Auslandaufklärern aus dem Netz weniger Gefahr droht, als direkt vor Ort recherchieren zu wollen. Es war schon immer sehr bequem, Dinge zu untersuchen, die jede Behörde ohnehin schon ihr eigen nennt.

    Ob das der BND weiß oder nicht, nachfragen sollten sie doch schon mal können oder dürfen oder wollen.

    Und nun der Aufschrei eines ganzen Volkes? Wie das? Die informierte Gesellschaft scheint auch nur uniformiert zu denken und je nach Gefechtslage stramm zu stehen.

    Da kommen einem die Tränen, lang geübte Praxis wird durch Aufschreie an anderen Orten für die eigene "Belanglosigkeit" förmlich als Steilvorlage für kommende ZEITen, in denen es schlechterdings ums Überleben geht, für diejenigen, die dem Staate dienen und daran verdienen, gerade recht. Man gönnt sich doch sonst nichts odr?

  • 10.06.2013, 17:19 Uhrhafnersp

    @Wolke7

    meine "Klaut" bestand schon immer (und zwar bewußt) aus einem kleinen Memorystick. Flash speicher ist äußerst billig und das reicht völlig als Wechsel-"Festplatte" für meine Bedürftnisse. Wem dieses Mißbrauchs-Potential der "Klaut" (insbesondere bei US-Providern) nicht klar wer, dem ist nicht zu helfen.

    Wer darüberhinaus gerne einigermaßen die Kontrolle über SEINEN Computer hat, dem empfehle ich auch eine grundsätzliche "Entlausung" durch Verwendung von Open Source Software (Linux Distributionen wie Ubuntu, Fedora oder OpenSuse sind kostenlos und können auch parallel aufgespielt werden - Selektion dann beim Booten) - Ubuntu z.B. ist mittlerweile so komfortabel für Laien (wie mich) wie Windows und man hat noch eine großes Software Paket mit allen privat notwendigen Möglichkeiten dazu.

  • 10.06.2013, 16:56 UhrWolke7

    Mir scheint, der Markt für "die Cloud" ist grad ein bißchen kleiner geworden ...

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