Online-Bespitzelung: Die Furcht vor dem Datensauger NSA

Online-Bespitzelung
Die Furcht vor dem Datensauger NSA

Scharf dementieren Internetfirmen Vorwürfe, der US-Regierung direkten Zugang zu Servern zu gewähren. Der US-Geheimdienst könnte aber an anderer Stelle die Daten anzapfen – ohne das Wissen von Google, Facebook und Co.

DüsseldorfDie Internetüberwachung durch den US-Geheimdienst NSA bringt angeschwärzte Unternehmen wie Google, Facebook und Microsoft in Erklärungsnöte. Die Konzerne sind laut einer von dem 29-jährigen IT-Experten Edward Snowden der Öffentlichkeit zugänglich gemachten Präsentation Teil des Datensammelprogramms PRISM der NSA. Die Firmen haben zwar dementiert, dass sie der Regierung direkten Zugang zu Kundendaten ermöglichten, wie es zunächst geheißen hatte. Dennoch ist die Verunsicherung der Nutzer hoch, dass ihre Daten in größerem Maße als bislang bekannt ausgespäht werden könnten.

Denn der genaue Umfang der von der NSA erfassten Daten ist nach wie vor unklar. Snowdens Äußerungen erwecken den Anschein, dass die Überwachung weitreichender sein könnte als von den Unternehmen selbst eingeräumt. Vielleicht ist ihnen gar nicht selber bewusst, welche Fähigkeiten der Geheimdienst hat. „Die NSA hat eine Infrastruktur aufgebaut, die ihr erlaubt, fast alles abzufangen“, sagt der IT-Experte Snowden in einem umfangreichen Interview mit der Zeitung „The Guardian“. Damit werde der Großteil der menschlichen Kommunikation automatisch aufgesaugt. „Wenn ich in ihre E-Mails oder in das Telefon ihrer Frau hineinsehen wollte, müsste ich nur die abgefangenen Daten aufrufen. Ich kann ihre E-Mails, Passwörter, Gesprächsdaten, Kreditkarten-Informationen bekommen.“

Snowden selbst habe durch seine Tätigkeit für die IT-Beratungsfirma Booz Allen Hamilton und andere Sub-Unternehmer des US-Geheimdienstes NSA vom Umfang des Überwachungsprogramms erfahren. Booz Allen Hamilton rühmt sich damit, dass ein Großteil der 25.000 Mitarbeiter von der US-Regierung eine Sicherheitsfreigabe von „Top Secret oder höher“ hätte. Die Beratungsfirma ist ein Spezialist für IT-Sicherheit und arbeitet für viele amerikanische Behörden.

Die Chefs der angegriffenen Internetunternehmen haben erbost auf die Details aus der NSA-Präsentation reagiert. Es gebe „keine Hintertür“ zu Google-Servern versicherte etwa Google-Vorstandschef Larry Page. Lediglich auf Basis genau geprüfter Gerichtsbeschlüsse gebe Google Daten heraus. Das Programm PRISM ist laut Darstellung von US-Geheimdienstdirektor James Clapper lediglich eine interne Computer-Anwendung der NSA, um Auskunftsersuchen zu vereinfachen. Die Behörde teile das in der Hoffnung mit, einige der Mythen über PRISM einzugrenzen.

Diese Beurteilung gibt den bisherigen Dementis der Internet- und Technologiefirmen recht, nur auf richterlichen Beschluss Daten herauszugeben. Allerdings gibt es Zweifel, ob sich der Geheimdienst mit dieser Möglichkeit der Datensammlung zufrieden gibt.

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