Online-Chefin Huffington
"Ich liebe Zeitungen"

Am Anfang lachte die Branche als Arianna Huffington die Onlinezeitung Huffington Post gründete. Heute hat die Seite mehr Klickzahlen als die „New York Times“. Huffington über ihre Expansionspläne - auch in Deutschland.
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Handelsblatt: Frau Huffington, in wenigen Monaten wollen Sie mit Ihrer Internetzeitung Huffington Post Deutschland erobern. Wie läuft es an?

Arianna Huffington: Wir sprechen mit verschiedenen Medienpartnern. Mehr kann ich nicht sagen, wir müssen warten, bis wir alles unter Dach und Fach haben. Nur so viel: Nach einigen Gesprächsrunden verhandeln wir nur noch mit zwei Häusern. Das wird ein Joint Venture, bei dem wir Kosten und Gewinn jeweils zur Hälfte teilen.

Kann man sich einen ähnlichen Deal wie in Frankreich vorstellen, wo Sie mit der Tageszeitung „Le Monde“ kooperieren – oder in Spanien mit „El Pais“?

Mit „Le Monde“ bringen wir Mitte Januar unsere französische Ausgabe auf den Markt. In Kürze werden wir eine Partnerschaft in Spanien und in Italien ankündigen. Unser Modell sieht so aus, dass wir unsere Plattform nehmen und uns einen etablierten Partner in der Medienbranche suchen. Mit seiner Hilfe wollen wir unsere Marke fest in jedem Land verankern. Vieles geht auch schneller, etwa die richtigen Leute zu finden. Und wir müssen kein Geld für Büros ausgeben. Unsere Mitarbeiter werden in Paris in den Büros von „Le Monde“ sitzen.

Warum arbeitet „Le Monde“ mit Ihnen zusammen?

„Le Monde“ hat eine sehr gute und erfolgreiche Webseite. Mit uns will „Le Monde“-Chef Louis Dreyfus eine ganz andere Leserschaft erreichen. Damit meine ich nicht nur jüngere Leser, sondern auch Leser, die unsere spielerische Art mögen, wie wir Geschichten präsentieren.

Gratis-Websites wie die Huffington Post untergraben die Geschäftsgrundlage von Printmedien. Überspitzt gefragt: Warum finanzieren „Le Monde“ oder andere Zeitungen ihren Untergang?

Die Website von „Le Monde“ ist ebenfalls umsonst zugänglich. Die Huffington Post ist für sie so etwas wie ein Versuchslabor. Beispielsweise arbeiten wir viel mit „Splash“: Wir tauschen vorne die Geschichten ständig aus. Viele europäische Zeitungen verändern ihre Themen auf der Website erst, wenn der dritte Weltkrieg ausbricht. Anders sind auch unsere Paketangebote für alle sozialen Medien wie Twitter. Le Monde kann sich anschauen, wie so etwas bei den Lesern ankommt, wie die Öffentlichkeit reagiert und was sie übernehmen können.

Ersetzen eines Tages Websites wie die Huffington Post traditionelle Zeitungen?

Das glaube ich nicht. Meiner Meinung nach wird es noch viele Jahre beide Formen geben. Ich liebe Zeitungen und habe sieben verschiedene Titel abonniert. Für mich gibt es nichts Schöneres, als morgens in einem Café die „New York Times“ zu lesen und mit einem Stift darin herumzukritzeln. Ich war vor kurzem mit Freunden in Sizilien. Dort haben wir uns die Zeitungen auf den Computer geholt und ausgedruckt. Es ist so wunderbar, mit Freunden zusammenzusitzen und Papier herumzureichen – und so kommt auch keine Marmelade auf den iPad.

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  • Gschmarri - wie wir in Franken sagen - mit der Huff-Post wird die Deutsche Medienlandschaft endlich aufwachen: der weiße Ritter kommt: als hellenische Amerikanerin. Huffentlich (sic!) vor der Bundestagswahl.

  • Interessant, Frau Huffington`s Ansichten zu Europa, Griechenland und dem Euro gleichen exact den Vorschlägen von Oskar Lafontaine bzw. der LINKEN.

  • Bis vor etwa einem Jahr hatte die HuffPo noch interessante, aufklärerische Inhalte zu bieten. Seit dem Verkauf an AOL aber alles verloren, was sie einst auszeichnete. Ein typisches Mainstream US-"Blatt",- zum vergessen. Die ehemals freien Leserposts werden nun in einem ähnlichen Maße zensiert, wie in Deutschlands Zensurblatt Nr. 1 "Die Zeit", die sich eigentlich in "Zion" umbenennen sollte.
    Allerdings ist die Gestaltung und die direkte Einbettung anderer elektronischer Medien (z.B. Videos bei der HuffPo, ziemlich stark.
    Die gute Arianna hat beim Verkauf über 500 Millionen USD eingesackt, und ist ein Star des Establishments. Die Inhalte kommen nun von AOL diktiert.

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