Tencent stellt sie alle in den Schatten

Online-Gigant aus China
Tencent stellt sie alle in den Schatten

Alibaba? Nein, Tencent ist Chinas größter Online-Gigant. Mit Abstand. Die Firma steht an der Börse auf Platz neun der wertvollsten Unternehmen der Welt, vor JP Morgan. Und nun hat sie beeindruckende Zahlen vorgelegt.
  • 0

PekingPony Ma hält sich zurück. Im Gegensatz zu seinem Herausforderer Jack Ma scheut er die Öffentlichkeit. In der Regel gibt er nur zwei Pressekonferenzen im Jahr. Entsprechend groß ist das Interesse, als er sich in einem Pekinger Luxushotel den Fragen von Journalisten stellt. Das Handelsblatt ist als einziges deutsches Medium zugelassen.

„Wir stehen gut da, ich kann mich nicht beklagen“, sagt der Tencent-Chef. Er hat Grund zum Optimismus. Als eine Firma kurze Zeit später die Zahlen für das erste Quartal vorlegt, übertrifft sie alle Erwartung, und stellt damit seinen Konkurrenten, Alibaba-Gründer Jack Ma in den Schatten. Der Gewinn sprang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 58 Prozent auf 14,48 Milliarden Yuan (rund 1,9 Milliarden Euro). Der Umsatz stieg um 55 Prozent auf 49,55 Milliarden Yuan (rund 6,5 Milliarden Euro). Das ist weit mehr, als Analysten zuvor erwartet hatten.

Noch beeindruckender ist jedoch das Vertrauen, dass Anleger in die Zukunft der Firma stecken. Denn dank der seit Jahresanfang kontinuierlich steigenden Bewertung an der Hongkonger Börse steht Tencent mit einer Marktkapitalisierung von 316 Milliarden US-Dollar da. Damit ist das chinesische Online-Unternehmen auf Platz neun der wertvollsten Firmen an den Börsen weltweit, noch vor der amerikanischen Großbank JP Morgan.

Ein Erfolgsfaktor ist Chinas Große Firewall. Die Pekinger Behörden haben es ausländischen Internetfirmen in China schwer gemacht. Facebook und Twitter werden gar nicht erst zugelassen. Google, Ebay und zuletzt Uber haben sich zurückgezogen. Dafür floriert das Geschäft der chinesischen Anbieter. Die drei größten haben sich den Markt aufgeteilt: Tencent kontrolliert das Geschäft mit Chatprogrammen wie Wechat und den Markt für Onlinespiele. Alibaba dominiert den Onlinehandel. Und Baidu bestimmt das Geschäft mit der Onlinesuche.

Es gibt einen Zukunftsmarkt, in den alle drei drängen: die digitale Finanzwirtschaft. Alibaba hat mit Alipay die größte Plattform in China auf dem Markt. Tencent hat seinen Messenger WeChat zu einer Konkurrenz-Bezahlplattform ausgebaut. Und auch Baidu versucht stärker in das Geschäft vorzudringen.

Das nächste Schlachtfeld um die Dominanz der digitalen Finanzwirtschaft könnte auch in Deutschland liegen. Alipay hat Kooperationen mit lokalen Partnern geschlossen, sodass heute schon chinesische Touristen mit ihrem Smartphone etwa am Flughafen in München bezahlen können. Tencent will nachziehen. Beide Anbieter haben eines gemeinsam: Sie sind deutlich billiger als Konkurrenten wie das US-Unternehmen Paypal.

Stephan Scheuer ist China-Korrespondent des Handelsblatts. Quelle: Mirela Hadzic für Handelsblatt
Stephan Scheuer
Handelsblatt / Korrespondent China

Kommentare zu " Online-Gigant aus China: Tencent stellt sie alle in den Schatten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%