Online-Glücksspiel
Eine milliardenschwere Wette

Megafusion im Online-Glückspielsektor: Der irische Wettanbieter Paddy Power will mit dem britischen Konkurrenten Betfair zusammengehen – gemeinsam würden sie die neue Nummer eins in der Branche schaffen.
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LondonEigentlich war es als ein Scherz gemeint. Als die Wettbewerber Ladbrokes und Coral Ende Juli ihren Zusammenschluss ankündigten, twitterte der irische Wettanbieter Paddy Power einen Witz, er werde gemeinsame Sache mit dem Konkurrenten Betfair machen. „Unser neuer Name ist Betty Power“, spotteten die Iren, die auch in ihrer Werbung auf grobe Komik setzen, damals etwas fahrlässig auf dem Kurznachrichtendienst.

Wenige Wochen später ist aus dem Spaß allerdings ein milliardenschwerer Ernst geworden. Die britische Firma Betfair und der größere irische Rivale Paddy Power planen einen Zusammenschluss, teilten die beiden Unternehmen am Mittwoch überraschend mit. Eine Vereinbarung über das fast sieben Milliarden Euro schwere Geschäft stehe bereits prinzipiell. Einige Details müssten aber noch verhandelt werden, sagte ein Sprecher von Paddy Power.

Der Deal ist eine milliardenschwere Wette auf Größe. Mit einem gemeinsamen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro würden Paddy Power und Betfair zusammen zum größten Online-Glücksspiele-Anbieter weltweit aufsteigen – und die derzeitige britische Nummer eins William Hill vom Thron stoßen.

Der Markt für Online-Glücksspiele wird damit von der nächsten Megafusion durchgeschüttelt. Im vergangenen Monat besiegelten bereits die Gala Coral Group und der britische Wettanbieter Ladbrokes ihr Zusammengehen. Auch die Konkurrenten GVC und 888 buhlen derweil um den Rivalen Bwin.party. Es ist eine massive Konsolidierungswelle, die einem wachsenden Druck geschuldet ist. Denn es sind vor allem höhere Steuern in Großbritannien und eine schärfere Regulierung, die die Glücksspielanbieter nun zusammentreibt. Dadurch wollen sie ihre Wettbewerbssituation wieder verbessern.

„Wir glauben, das ist eine sehr attraktive Chance“, sagte Paddy-Power-Finanzchef Cormac McCarthy zur Nachrichtenagentur Reuters. Der Zusammenschluss würde beiden Unternehmen eine viel bessere Position verschaffen, um im sehr wettbewerbsintensiven Markt mitzuhalten. Derzeit sei die Fusion aber nur „eine Möglichkeit“ und in den kommenden Wochen und Monaten sei noch eine Menge zu tun. Die Aktionäre von Paddy Power sollen der vorläufigen Vereinbarung zufolge 52 Prozent an dem neuen Unternehmen halten und eine Zusatzdividende von 80 Millionen Euro erhalten.

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