Online-Lexikon
Wie sich Coca-Cola in der Wikipedia auffrischt

Schnell bei Wikipedia gucken: Das Online-Lexikon ist die wichtigste Nachschlagequelle im Netz, daher bearbeiten viele Firmen die Artikel über sich – und verwässern auch mal kritische Passagen. Der Fall Coca-Cola.
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BonnEs ist nur ein Satz – aber er sagt einiges darüber, wie in der Wikipedia um die Deutungshoheit gerungen wird. Phosphorsäure, heißt es im Online-Lexikon über Coca-Cola, sei nicht nur in der braunen Brause, „sondern u.a. auch in Käse, Brot, Milch und Eiern enthalten“. Eingefügt hat ihn die Pressestelle des Getränkeherstellers. Dass große Mengen des Säuerungsmittels dem Körper nicht guttun, erwähnt sie nicht.

Coca-Cola hat den Artikel über das Unternehmen und das wichtigste Produkt mit einem offiziellen, verifizierten Nutzerkonto bearbeitet. Damit ist der Brausehersteller nicht allein: Hunderte Firmen haben inzwischen einen solchen Account beantragt, Tendenz stark steigend. Offiziell geht es darum, Fakten richtig zu stellen, aber nicht selten wird auch darum gekämpft, die eigene Weltsicht einfließen zu lassen – so es die Wikipedia-Autoren zulassen. „Dass Unternehmen Artikel über sich editieren, ist ein Dauerdiskussionsthema, das auch noch Jahre andauern wird“, sagt Dirk Franke vom Verein Wikimedia Deutschland, der ein Projekt zum bezahlten Schreiben im Online-Lexikon initiiert hat.

Die Darstellung in der Wikipedia ist für große Unternehmen enorm wichtig: Das Online-Lexikon ist eine der meistbesuchten Websites der Welt, die Einträge erscheinen in der Suchmaschine Google meist ganz oben. Der deutsche Text über das Getränk Coca-Cola ist beispielsweise in den letzten 90 Tagen mehr als 91.000-mal gelesen worden. Selbst Journalisten und Richter nutzen Wikipedia – offen oder heimlich – als Quelle.

PR ist in der Community, die sich um die Einträge kümmert, unerwünscht, der neutrale Standpunkt gilt als oberste Maxime. Wenn Unternehmen, Verbände oder Parteien sich zu Wort melden, sollen sie daher bei Wikipedia ein verifiziertes Nutzerkonto beantragen. So ist nachvollziehbar, wer einen Artikel bearbeitet – anders als bei heimlichen Manipulationen, die gelegentlich bekannt werden. Besonders Pharma-, Rüstungs- und Lebensmittelindustrie sind nach Einschätzung von Experten anfällig für PR in Wikipedia.

Coca-Cola hält sich an die offizielle Regel: „Wir arbeiten vollkommen transparent und nutzen ausschließlich ein verifiziertes Benutzerkonto“, teilt Sprecher Geert Harzmann mit. Die Firma aktualisiere zum Beispiel Unternehmensdaten zu Mitarbeitern, Produkten und Ergebnissen. Das sei schließlich im Interesse aller Nutzer. „Fallen uns an anderen Stellen sachliche Fehler oder missverständliche Darstellungen auf, schlagen wir eine entsprechende Korrektur vor.“

Doch die Bearbeitungen sind eine Gratwanderung. Die Änderung, dass der Getränkekonzern nicht „230 Getränkemarken“, sondern „3500 Produkte“ im Angebot hat, kann man getrost als harmlos einstufen. Dass Phosphorsäure auch in anderen Lebensmitteln enthalten ist, stimmt zwar, verharmlost allerdings Gesundheitsrisiken: Bei Vieltrinkern könne das Säuerungsmittel negativ wirken und etwa den Zahnschmelz angreifen, schreibt die Stiftung Warentest. Das haben die Wikipedianer indes längst im Artikel über die braune Brause vermerkt.

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Wie sich Coca-Cola in der Wikipedia auffrischt

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Coca-Cola geht gegen „alte Gerüchte“ vor

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  • Das schöne an Wikipedia: Es steht sofort drin. Wurde schon ergänzt. Danke, Handelsblatt!

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