Online-Märkte
Google nimmt sich iTunes vor

Von Apple lernen heißt siegen lernen: Google fasst seine bislang getrennten Online-Märkte für Musik, Bücher, Filme und Software-Apps unter einem Dach zusammen. Obendrein verdichten sich die Gerüchte um ein Google-Tablet.
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San FranciscoGoogles neuester Dienst heißt Google Play: Vorbild ist der erfolgreiche Online-Service iTunes von Apple, bei dem der Kunde alles in einem integrierten Shop erwerben kann. Bei Google ist dieser Service momentan erst in den USA vollständig verfügbar. Alle bislang in den getrennten Online-Shops gekauften Medien bleiben in vollem Umfang verfügbar, verspricht Google-Manager Jamie Rosenberg im firmeneigenen Blog.
Daneben meldet der Onlinedienst Ubergizmo in den USA, dass ein lange spekuliertes Tablet von Google ebenfalls Google Play heißen und vom taiwanesischen Hersteller Asustek produziert werden wird. Die Vorstellung soll im Juni in San Francisco erfolgen und damit nur wenige Monate nach dem für Ende März erwarteten Verkaufsstart des iPad3 von Apple.
Mit einem integrierten Onlineshop und einem eigenen Tablet würde Google endgültig zu den größten Konkurrenten Apple und Amazon (Kindle Fire) aufschließen. Laut Ubergizo wird das Google-Tablet für 199 Dollar eingeführt werden. Mit diesem Preis würde es zur direkten Konkurrenz des Amazon Kindle Fire.
Die Ankündigung von Google Play kommt nur wenige Tage nach einem Bericht des Branchendienstes Cnet, der unter Berufung auf einen anonymen Manager aus der Musikindustrie von einem verheerenden Start von Google Music berichtet. Der Dienst verliere „konstant Nutzer“, seit er Ende 2011 eingeführt worden sei.


„Unterhaltung soll Spaß machen“, räumt Rosenberg im Blog ein, „aber die Realität sieht anders aus.“ Geräte müssen synchronisiert werden, Files hin- und herkopiert. Google Play soll Kauf und Download von Inhalten nun attraktiver machen.

Der Service ist vollständig internet-basiert und Inhalte, die auf einem Geräte – zum Beispiel PC oder Smartphone – gekauft wurden, stehen automatisch auf allen angemeldeten Geräten zur Verfügung. Der Film, der auf dem PC gestartet wurde, kann zum Beispiel dann unterwegs auf dem Tablet da weitergeschaut werden, wo man ihn Zuhause beendet hat.

Ziel ist es zudem, die Angebote offensiver ins Blickfeld der Kunden zu rücken. Viele Käufer von Software-Apps für Android-Smartphones haben noch nie etwas von Googles E-Book-Store oder dem Musikangebot gehört. Bei Amazon oder Apple ist das anders. Wer sich etwa bei iTunes einloggt, hat direkt das gesamte Angebot im Auge. Das erhöht die Kaufbereitschaft.

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2012 erzielte Apple einen Umsatz von 2,03 Milliarden Dollar alleine mit seinem iTunes-Store, ein Plus von 21 Prozent gegenüber dem Jahr zuvor. Anfang der Woche wurde die Marke von 25 Milliarden heruntergeladener Software-Apps überschritten.

Google weist in seinen Quartalsberichten neben Werbeumsätzen lediglich eine Sammelposition „andere Umsätze“ aus. Sie belief sich im Dezemberquartal auf 410 Million Dollar. Mit der Vereinheitlichung versucht der Suchmaschinenriese aus Mountain View jetzt, den Vorsprung des Konkurrenten nicht noch größer werden zu lassen.

Möglich gemacht hat Google Play unter anderem die gerade erfolgte und teilweise scharf kritisierte Vereinheitlichung der Nutzungsrichtlinien: Die Google-Services können jetzt die Daten eines Nutzers leichter untereinander austauschen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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