Online-Nachrichtendienst
Google verunsichert deutsche Verlage

Google erfindet sich wieder einmal ein Stückweit neu: Der Suchmaschinen-Gigant hat einen neuen Online-Nachrichtendienst mit dem Namen „Fast Flip“ gestartet. Axel Springer kritisiert die Benachteiligung der Verlagswerbung beim neuen Online-Informationsservice – Bauer fordert faire Beteiligung.

DÜSSELDORF. Am Dienstag schlug das Herz der deutschen Zeitungsverlage in Fulda. Alle waren sie angereist zum jährlichen Verlegerkongress. Doch eines der großen Gesprächsthemen kam vom anderen Ende der Welt: In der Nacht zu Dienstag hatte Google auf der Start-up-Konferenz Techcrunch 50 "Fast Flip" präsentiert, ein neues Instrument zur Nachrichtendarstellung im Web.

Der Dienst, derzeit im öffentlichen Testbetrieb, erinnert an das Durchblättern einer Zeitschrift. Nutzer sehen Meldungen von rund 50 Quellen - alles Google-Kooperationspartner - als kleine Abbilder der Originalseiten. Dann können sie die Artikel, die sich nach Themen und Quellen ordnen lassen, schneller überfliegen als bei den Nachrichtenseiten selbst.

Mit dabei sind bereits große Namen wie die "New York Times", die "Washington Post", "Newsweek" oder die BBC. "Die Medienkonzerne waren sehr angetan", sagte Googles Vize-Präsidentin Marissa Mayer zum Start.

In Fulda sorgte Fast Flip dagegen für Verunsicherung und Skepsis. Vor allem, weil die Online-Werbung der Verlage von Google abgeschnitten wird. Mutmaßlich würde es das Laden der Seite erheblich verlangsamen, würde die Werbung ebenfalls gezeigt. Als Ausgleich will Google die Inhaltelieferanten an den Erlösen der von ihm auf Fast Flip platzierten Werbung beteiligen.

"Werbung von Webseiten der Verlage einfach zu schwärzen oder abzuschneiden, um sie durch eigene Werbung zu ersetzen, ist ein Unding", sagte Christoph Keese, "Außenminister" bei Europas größtem Zeitungskonzern Axel Springer, dem Handelsblatt. Doch er lobt: "Die Beteiligung der Verlage an den Werbeerlösen ist ein Schritt in die richtige Richtung."

>P>Auch bei Gruner + Jahr ("Stern", "Geo") dominieren Zweifel: "Fast Flip kann unter Umständen ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Jedoch vermissen wir auch hier nähere Angaben zur Aufteilung der Werbeerlöse", sagte ein Sprecher. "Wir werden genau hinsehen, ob es sich nicht um ein taktisches Manöver handelt", hieß es bei der Bertelsmann-Tochter. Der Verlag Bauer ("Fernsehwoche", "Bravo") bleibt ebenfalls vorsichtig. "Es bleibt abzuwarten, ob sich daraus ein Business ableiten lässt", sagte Bauer-Geschäftsführer Andreas Schoo. "Wichtig für uns: Wir brauchen einen Faire Share zwischen den Medienunternehmen und Google." Björn Ognibeni, der Großunternehmen in Sachen Internet-Strategie berät, kann diese Zurückhaltung nicht verstehen: "Mal provokant gefragt: Warum sollte man bei etwas nicht mitmachen, was Traffic bringt und Geld verdient statt kostet?" Er hält Fast Flip für einen interessanten Ansatz.

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