Online-Netzwerk
Facebook sucht ein Geschäftsmodell

Eine Milliarde Nutzer, aber kärgliche Einnahmen: Facebook sucht ein Geschäftsmodell, mit dem es die hohen Erwartungen der Investoren endlich erfüllen kann. Firmenchef Mark Zuckerberg steht unter Druck.
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DüsseldorfEine Milliarde Nutzer – und eine Frage: Wie lässt sich damit das große Geld verdienen? Facebook hat nach seinem Mega-Börsengang im Mai noch nicht bewiesen, dass es die hochgesteckten Erwartungen der Investoren erfüllen kann. Als das Unternehmen zum zweiten Mal Quartalszahlen vorlegte, sahen die Anleger daher genau hin, wie das Geschäft zuletzt lief. Hohe Ausgaben zogen die Bilanz zwar ins Minus, aber die deutlich höheren Einnahmen mit mobiler Werbung befeuerten die Hoffnung, dass Facebook endlich eine Antwort auf die Frage nach dem Geschäftsmodell gefunden hat – der Aktienkurs schoss nachbörslich um mehr als zehn Prozent in die Höhe.

Facebook steht unter Druck. Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg gab sich zwar lange betont gelassen. Erst mal gehe es darum, ein tolles Produkt zu bauen und möglichst viele Menschen zu erreichen, lautete stets seine Devise. Dank der massiven Investitionen konnte sich die 2004 gegründete Firma das auch leisten. Doch seit dem verpatzten Börsengang ist das vorbei: Der Aktienkurs ist abgestürzt, rund 50 Milliarden Dollar Börsenwert lösten sich in Luft auf. Die Anleger erwarten Ergebnisse.

Der Börsengang habe die Firma umgekrempelt, sagte der Buchautor David Kirkpatrick („Der Facebook-Effekt“) kurz vor der Präsentation der neuen Zahlen. Vorher sei es nur ums Produkt gegangen – die Mitarbeiter hätten erst lernen müssen, dass auch das Geschäft wichtig ist, so Kirkpatrick im Interview mit Bloomberg. Inzwischen, so betonte Firmengründer und -chef Mark Zuckerberg in einer Telefonkonferenz, sei jedes Produktteam bei Facebook für die Monetarisierung verantwortlich.

Es hat sich etwas getan. Die Tüftlerfirma – Motto: Move fast and break things – habe in den vergangenen Monaten viel ausprobiert, sagte der Facebook-Experte Thomas Hutter im Gespräch mit Handelsblatt Online. Vor allem im wichtigen Geschäft mit Anzeigen, das im abgelaufenen Quartal 87 Prozent zum Umsatz beisteuerte: „Facebook hat neue Werbeformate und -techniken eingeführt und die Buchung von Werbung wesentlich vereinfacht.“ Die „Promoted Posts“, mit denen Nutzer ihren Statusmeldungen gegen Gebühr mehr Sichtbarkeit verschaffen können, sind nur eines von vielen Experimenten.

Außerdem können Werbekunden ihre Botschaften gezielter an den Nutzer bringen, etwa durch den Abgleich ihrer Kundendaten mit Facebook-Profilen – ein Experiment, das Marketing-Experten vielleicht freut, aber Datenschützern Unbehagen bereitet.

Besonders wichtig ist das mobile Geschäft. Immer mehr Nutzer besuchen das Netzwerk per Smartphone oder Tablet und verzichten gleich auf den PC. Deswegen hat das Unternehmen die Produktentwicklung komplett umgestellt. Neue Funktionen sollen nicht mehr für iPhone und Co angepasst, sondern gezielt dafür entwickelt werden. „Mobile first“, lautet die Devise.

Auch bei der Werbung: Einige neue Anzeigenformate sind speziell auf die mobilen Geräte zugeschnitten, andere werden für iPhone und Co angepasst. Das war bislang ein Problem: Auf den kleinen Bildschirmen ist es deutlich schwieriger, eine Botschaft zu verkaufen. Anleger befürchteten, dass Facebook deswegen seine Reichweite nicht ummünzen kann.

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  • ich lass mich auch nicht zwingen; ich ignoriere diesen Verein ^

  • Nach meiner Erkenntnis ist Facebook doch wohl eher ein asoziales Netzwerk!

  • Ich hätte da ein Geschäftsmodell. Es steht allerdings unter einer Prämisse, nämlich der, dass der durchschnittliche IQ der meisten Facebook-Nutzer unter 90 liegt. (Was gar nicht mal so unwahrscheinlich ist.) Einfach die AGB dahingehend ändern, dass die FB-Nutzung ab sofort kostenpflichtig ist, dann eine Eingabemaske aufpoppen lassen und die Bankverbindung abfragen. Darunter in ganz kleiner Schrift der Verweis auf die geänderte AGB. Nehmen wir mal eine Gebühr von 5,- Euro im Monat, die per Lastschrift eingezogen wird. Daneben einen gaaaaanz großen "Gefällt mir"-Button. Die armen User können nicht mehr auf ihren Account, bevor sie nicht die Bankdaten eingegeben haben und "Gefällt mir" geklickt haben. Die Armen können noch nicht mal einen Shitstorm auslösen, denn zuerst müssen sie ihre Bankdaten eingeben und "Gefällt mir" klicken. Sagen wir mal 5 - 10 % der User machen da sofort zähneknirschend mit und treten einen Shitstorm los. Die Reichweite ist aber noch sehr begrenzt, weil die anderen User ja zurzeit nicht auf ihren Account können. Also werden diese über andere Kanäle informiert, dass sie unbedingt bei diesem Shitstorm mitmachen müssen. Immer mehr wollen nun bei dem Shitstorm dabei sein und ihre Wut über die gänderten AGB zum Ausdruck bringen, geben nun artig ihre Bankdaten ein und klicken brav den "Gefällt mir"-Button. Herr Zuckerberg kann gar nicht so schnell gucken, wie es auf seinem Konto klimpert. Die Investoren freuen sich und FB-Aktie steigt wieder. Von den ersten so verdienten Milliarden kann sich Zuckerberg dann die weltbesten Anwälte leisten, um die zu erwartenden Massenklagen abzuwehren. Seine Chancen damit durchzukommen stehen nicht schlecht, denn jeder FB-Hirni hat schließlich "Gefällt mir" geklickt und damit seine Zustimmung gegeben. Und last but not least ist keiner gezwungen bei FB mitzumachen. So what?

    Falls jemand Sarkasmus in dem Beitrag findet, kann er ihn gerne behalten.

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