Online-Netzwerke
Frieden zwischen Facebook und StudiVZ

Die Online-Netzwerke Facebook und StudiVZ tragen seit langem einen erbitterten Streit gegeneinander aus. Das US-Unternehmen wirft dem kleineren deutschen Konkurrenten vor abzukupfern. Zuletzt schien StudiVZ auf der Gewinnerseite zu sein, doch Facebook kündigte weitere juristische Schritte an. Nun haben sich die beiden Firmen überraschend geeinigt.

tkn/HB PALO ALTO. Die Betreiber der sozialen Netzwerke Facebook und StudiVZ haben sich darauf geeinigt, ihren Rechtsstreit zu beenden. Beide Unternehmen kamen überein, ihre jeweiligen Forderungen in den USA beziehungsweise in Deutschland zurückzuziehen. Teil der Vereinbarung ist es, dass beide Unternehmen ihre Netzwerke unverändert weiter betreiben dürfen. Facebook erhält im Zuge der Einigung eine Zahlung. Beide Parteien haben sich darauf verständigt, keine weiteren Einzelheiten offenzulegen.

Im Juni hatte die für Wettbewerbssachen zuständige 33. Zivilkammer des Landgerichts Köln die Klage von Facebook abgewiesen. Der US-Konzern warf den Berlinern vor, sie hätten den Quellcode sowie das grundsätzliche Design kopiert.

In der Tat stand in den Gründertagen von StudiVZ im versteckten Code der Seite das Wort „Fakebook“. Deshalb und wegen der offensichtlichen optischen Ähnlichkeiten will Facebook den Deutschen untersagen, ihren vorhandenen Auftritt weiterzubetreiben. Neben der Klage in Deutschland läuft eine weitere in den USA.

Facebook ist mit 225 Mio. Nutzern monatlich das weltweit größte Social Network. StudiVZ ist im Verbund mit den Ablegern SchuelerVZ und MeinVZ der deutsche Marktführer und bringt es auf 12,9 Mio. registrierte Nutzer. Das Unternehmen zeigte sich "enttäuscht" von dem Urteil. Es bleibt aber dabei, dass StudiVZ das geistige Eigentum von Facebook für sich genutzt hätten. Man werde weitere rechtliche Schritte vornehmen.

Das Landgericht Köln konnte „trotz nicht zu übersehender Übereinstimmungen und Ähnlichkeiten der beiden Internetseiten“ keine unlautere Nachahmung erkennen (Aktenzeichen: 33 O 374/08). Denn es fehle an einer Herkunftstäuschung. Sprich: StudiVZ versuche nicht, Verbrauchern vorzuspielen, sie befänden sich bei Facebook. Ein entscheidender Faktor sei dabei, dass beim Start des deutschen Netzwerks im November 2005 Facebook hierzulande gar nicht bekannt gewesen sei. Erst mit seiner deutschen Version, die im März vergangenen Jahres online ging, richte sich der Dienst explizit auch an Nutzer in Deutschland.

In der ersten Stellungnahme geht der Kölner Richter hart mit Facebook ins Gericht: Die Anwälte der Amerikaner hätten „lediglich Vermutungen angestellt“, diese seien nicht konkret genug gewesen, um einen Vergleich der Quellcodes durch einen Sachverständigen zu rechtfertigen. Markus Berger- de Léon bemerkt: „Es ist schon bemerkenswert, wie viel Energie Facebook in diese Klage gesteckt hat. Man hat den Eindruck, es geht darum mit Methoden außerhalb des Wettbewerbs im deutschen Markt Fuß zu fassen.“

Die Ähnlichkeiten der beiden Angebote könnten auch darauf beruhen, dass den Gründern von StudiVZ Facebook bekannt gewesen sei und sie die Seite „mit Hilfe der im Internet für jedermann sichtbaren Informationen“ in Anlehnung an das US-Netz nachprogrammierten. Nun verzichtet Facebook auf die Berufung beim Oberlandesgericht Köln.

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