Online-Portal der WAZ
Westwärts – Pioniere im Pott

In dieser Woche startet „Der Westen“, das wohl aufwendigste Online-Projekt einer deutschen Zeitung. Mit dem neuen Portal will der WAZ-Konzern verlorene Leser zurückgewinnen. Ein hartes Stück Arbeit – denn im Ruhrgebiet stößt das Projekt bislang vor allem auf Desinteresse.

ESSEN / DÜSSELDORF. Die Visagistin kapituliert. Da soll sie die Online-Chefredakteurin der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ) zurechtmachen für neue, schöne Pressefotos. Doch deren Erschöpfung ist nach Wochen durchgearbeiteter Nächte unübersehbar: „Das kann ich nicht wegschminken.“ Die dann doch noch ins rechte Bild gerückte junge Frau heißt Katharina Borchert und erzählt selbstironisch und auch ein wenig selbstverliebt über die Fotosession. Dass Menschen, die sie länger kennen, hinter ihrem Rücken sorgenvoll murmeln: „Sie sieht aber sehr erschöpft aus“, quittiert Borchert nüchtern: „Stimmt ja auch.“

So ist es halt, wenn man für das aufwendigste Online-Projekt einer deutschen Zeitung verantwortlich ist. In dieser Woche startet „Der Westen“. Aus den Einzelauftritten der WAZ-Gruppe im Internet hat Borchert ein einheitliches Angebot geschmiedet. Einen einstelligen Millionenbetrag habe man in das Projekt investiert, heißt es in der Essener Zentrale. Nun sind die Hoffnungen groß – und die Erwartungen natürlich.

Bislang ist der Konzern mit 16 000 Mitarbeitern und einem Gesamtumsatz von 1,7 Milliarden Euro im Internet bedeutungslos. Umso überraschender war die Nominierung Borcherts als Chefredakteurin im Sommer 2006. Damals hatte der Konzern das Nachwuchstalent eher zufällig entdeckt.

Die Fachjournalisten berauschten sich schnell an der 34-Jährigen, die so gar nicht zur grauen WAZ passen wollte. Eine Weblog-Autorin, die gern auch mal über Sex schreibt, als Chefredakteurin? Eine Frau, eine attraktive noch dazu, mit apartem Schmuck in der Nase bei einer testosterongetriebenen Ruhrpott-Institution? Während der Papa, Ex-Landwirtschaftsminister Jochen Borchert, für die CDU im Bundestag sitzt, soll die Tochter nun der WAZ zu einem glanzvollen Auftritt im Web verhelfen.

Von ihrem Büro aus blickt Katharina Borchert auf den Online-Produktionsraum. Grau ist er, aber edel. Flachbildschirme hängen über den Köpfen der rund 20 Redakteure. Die beschäftigten sich lange mit Seitendesign und Technik statt mit aktuellen Nachrichten. Denn der Treck gen Westen zog sich. Erst hieß es „Frühjahr 07“, dann Sommer, nun Ende Oktober. Unumstößlich. Schon werben Plakate und Anzeigen: „So ist der Westen“. Auf ihrer Titelseite trommelt die WAZ seit Tagen für das neue Angebot.

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