Online soll dritte Vertriebsplattform werden
ARD will mehr Freiräume im Internet

Die ARD will künftig mehr Freiheiten bei der geplanten Expansion im Internet. Europas größte Fernsehanstalt kritisierte zum Abschluss der Intendantentagung in Bonn am Mittwoch den neuen Entwurf des Rundfunkstaatsvertrags.

BONN/DÜSSELDORF. „Die ARD appelliert an die Länder, die Chancen zu realisieren, die ein leistungsfähiger öffentlich-rechtlicher Rundfunk für die publizistische und kulturelle Vielfalt in Deutschland. In der digitalen Medienwelt geht das nur, wenn man den Auftrag nicht auf Hörfunk und Fernsehen beschränkt“, sagte ARD-Vorsitzender und Intendant des Saarländischen Rundfunks Fritz Raff. Dabei gehe es dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht darum, das Internet zu einer zusätzlichen Einnahmequelle zu machen. „Wir werden und wollen keine elektronische Tageszeitung produzieren“, sagte Raff an die Adresse der Verlage, welche die Online-Expansion seit vielen Jahren bekämpfen.

Der Front der Zeitungs- und Zeitschriftenverlage bröckelt aber inzwischen. So hatte vor Wochen der Essener Zeitungskonzern WAZ eine Kooperation mit dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) vereinbart. Die Zusammenarbeit soll noch im Frühjahr starten. Künftig wird die größte Sendeanstalt der ARD sowohl Fernseh- als auch Radiobeiträge für das WAZ-Internetportal „Der Westen“ liefern. Die WAZ-Gruppe ist der erste Zeitungsgigant, der mit einer öffentlich-rechtlichen Anstalt im Online-Bereich zusammen arbeitet.

Der rundfunkpolitisch erfahrene ARD-Chef Raff will mit Unterstützung seiner Intendantenkollegen künftig das Internet neben Radio und Fernsehen zur dritten Vertriebsplattform ausbauen. Dazu brauchen ARD und ZDF eine großzügige Änderung des Rundfunkstaatsvertrages durch die Bundesländer. Die ARD erwarte, „dass eben Online nicht ein dürftiges Ergänzungspflänzlein sein kann, sondern dass Online neben Fernsehen und Hörfunk ein wesentliches Programmangebot des öffentlich rechtlichen Rundfunks darstellt“, sagte der politisch als clever geltende ARD-Vorsitzende.

Der jetzige Entwurf zum Rundfunkstaatsvertrag erlaubt lediglich programmbegleitende Text- Videobeiträge über das Internet zu verbreiten.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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