Onlinewerbung
Microsoft verkauft Razorfish an Publicis

Microsoft trennt sich von seiner Onlinewerbeagentur Razorfish. Die Agentur geht für mehr als eine halbe Milliarde Dollar an den Werbekonzern Publicis. Das Geschäft ist Teil einer auf fünf Jahre angelegten strategischen Allianz zwischen Publicis und Microsoft.

DÜSSELDORF. Publicis Groupe SA übernimmt für 530 Mio. Dollar die US-Onlinewerbeagentur Razorfish von Microsoft Corp. Das bestätigte der Konzern am Sonntag in einer Mitteilung. Der Softwarekonzern hatte die Agentur 2007 im Zuge der sechs Mrd. Dollar schweren Übernahme des Web-Werbdienstleisters aQuantive im Paket gekauft.

Microsoft braucht aQuantive als Technikdienstleister für die Vermarktung und Schaltung von Anzeigen im Internet, die Werbeagentur passte hingegen nie richtig ins Bild. Für den krisengeplagen Werbekonzern Publicis ist es dagegen eine notwendige Bereicherung.

Die Übernahme ist Teil einer auf fünf Jahre angelegten strategischen Allianz zwischen Publicis und Microsoft. Sie solle mit dem Abschluss des Verkaufs im vierten Quartal beginnen, erklärte Publicis. Microsoft ist der größte Kunde von Razorfish und hat sich zeitlich begrenzt zu einer weiteren Zusammenarbeit verpflichtet. Die Agentur solle unter altem Namen weiter im Markt tätig sein.

Nach den Worten von Publicis-CEO Maurice Levy war Razorfish die letzte große Kaufgelegenheit im Online-Werbegeschäft. Nach der Übernahme werde Publicis (Saatchi & Saatchi, Leo Burnett) ein Viertel des Umsatzes mit Online-Werbung machen, ein Ziel das ursprünglich Ende 2010 angepeilt war. Publicis hatte erst kürzlich einen Umsatzrückgang für das erste Halbjahr ausweisen müssen, verursacht durch sinkende Werbeausgaben in Zuge der Wirtschaftskrise und die Pleite des Großkunden General Motors.

Razorfish kommt nach Angaben Levys im laufenden Jahr auf 370 Mio. bis 380 Mio. Dollar Umsatz. Der als Kaufpreis bezahlte Umsatzmultiplikator von 1,4 bis 1,5 sei im Internetbereich eigentlich eine sehr vernünftige Größenordnung, so Levy. In den seit Wochen anhaltenden Spekulationen um den Verkauf hatten Analysten allerdings Kaufpreise zwischen 500 und 700 Mio. Dollar erwartet. Somit liegt der erzielte Preis am unteren Ende der Erwartungen und dass, obwohl angeblich sieben Bieter – darunter der japanische Werbegigant Dentsu - um Razorfish geboten haben sollen.

Der Grund: Selbst im Online-Werbemarkt ist mittlerweile Zurückhaltung eingekehrt. Im zweiten Quartal 2009 ist der Markt laut IDC erneut zurückgegangen. Die Ausgaben sanken in den USA im Vergleich zum Vorjahresquartal um sieben Prozent von 6,6 Mrd. auf 6,2 Mrd. Dollar, weltweit um 5 Prozent von 14,7 auf 13,9 Milliarden. Besonders stark litt die Displaywerbung (Werbebanner), die um zwölf Prozent einbrach. Yahoo, Marktführer beim Verkauf Onlinewerbung, hatte für das abgelaufene Quartal einen Einbruch bei Displaywerbung um insgesamt 15 Prozent hinnehmen müssen.

Microsoft bekommt den Kaufpreis auch nicht vollständig in bar. Die US-Softwareschmiede muss auch 6,5 Millionen Publicis-Aktien nehmen und wird dadurch etwa drei Prozent des Kapitals halten. Publicis besitzt die Aktien bereits und wird keine neuen ausgeben müssen, wird in Paris betont. Razorfish beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter weltweit und erzielt den größten Teil seiner Umsätze in den USA.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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