Onlinewerbung
Yahoo rettet sich zu Google

Die beiden Internet-Riesen wollen bei der Onlinewerbung kooperieren. An der Börse reagiert man skeptisch. Lohnt sich der erbitterte Kampf gegen Microsoft? Muss Yahoo-Chef Jerry Yang im Kampf mit rebellischen Investoren seinen Posten räumen?

DÜSSELDORF. Es könnte der letzte große Schachzug von Yahoo-Chef Jerry Yang gewesen sein. Nur Stunden nach dem endgültigen Aus aller Gespräche mit Microsoft verkündete er eine Allianz ausgerechnet mit seinem schärfsten Konkurrenten Google. Der Vertrag erlaubt Google, auf Yahoo-Webseiten Werbung zu schalten. Die Umsätze werden geteilt. Im ersten Jahr erhofft sich Yang einen zusätzlichen operativen Cash-Flow von rund 450 Mill. Dollar. Mit dem Geld soll die Restrukturierung von Yahoo beschleunigt werden.

Doch die Börse hat den nach ihrer Meinung wahren Gewinner schon gekürt: Google. Die Aktien des Suchmaschinenprimus’ zogen am Freitag scharf an, Yahoo gaben dagegen nach. Kaum jemand erkennt, wo neben dem „schnellen Werbedollar“ ein strategischer Sinn für Yahoo darin liegen könnte, Google die Werbung machen zu lassen. Suchmaschinen wie AOL.com und Ask.com haben ähnliche Verträge mit Google – und keinem der Unternehmen ist es gelungen, sich deshalb besser im Suchmaschinenmarkt zu positionieren. Im Gegenteil, Googles Dominanz steigt von Quartal zu Quartal.

Trotzdem bemüht sich auch Google, die – nicht exklusive – Partnerschaft mit Yahoo in rosigen Farben darzustellen. Denn beide Firmen eint vor allem eines: eine abgrundtiefe Abneigung gegen Microsoft. Google-Chef Eric Schmidt betont, der Vertrag werde in keiner Weise seine Macht vergrößern. Analysten wie Justin Post von Merrill Lynch sehen das anders: Googles Anteil im US-Suchmaschinenmarkt liege schon über 60 Prozent, schreibt er in einer Notiz an Kunden. Und Google werde von dem Deal weiter profitieren; Yahoo auf lange Sicht dagegen nicht.

Außerdem verweisen Analysten darauf, dass das Abkommen in der Praxis einen erheblichen Integrationsaufwand nach sich ziehen wird. Die Vermarktungsplattformen für Suchanzeigen „Panama“ und „Adword“ müssen integriert werden – falls nicht das erfolglose „Panama“ von Yahoo ohnehin abgeschrieben werden müsse.

Zur weiteren Verärgerung der Investoren trug eine publik gewordene angebliche interne E-Mail von Microsoft-Top-Manager Kevin Johnson bei. Demnach hatte Microsoft Yahoo acht Mrd. Dollar für einen 16-prozentigen Anteil geboten und eine Mrd. Dollar für die Suchtechnologie. Daneben stand noch eine Beteiligung an den Onlinewerbeumsätzen in Höhe von einer Mrd. Dollar jährlich zur Diskussion sowie eine langfristige Vereinbarung über die Bereitstellung der Websuche für Yahoo. Für drei Jahre wäre sogar mehr Umsatz garantiert worden, als Yahoo mit Panama erziele. Dieses – nach Ansicht vieler Beobachter attraktive – Angebot soll Yang abgelehnt haben. Sprecher beider Unternehmen wollten dazu nicht Stellung nehmen.

Vor diesem Hintergrund mehren sich die Spekulationen um einen bevorstehenden Rücktritt Yangs. Noch immer droht Großinvestor Carl Icahn mit einem Kampf um den Verwaltungsrat, der Anfang August neu gewählt wird. Sollten Icahn und seine Mitstreiter gewinnen, wird Yang in jedem Fall entmachtet. Daran hat Icahn keinen Zweifel gelassen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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