Open-Source-Software von My SQL für Datenverwaltung hat dank Kostenvorteilen gute Chancen
Schwedischer Software-Zwerg fordert Datenbank-Riesen heraus

Die schwedische Software-Firma My SQL – ein David unter den Datenbank-Spezialisten - wagt sich auf das Terrain der Goliaths wie Oracle, IBM und Microsoft. „Unsere neue Programmversion, die Anfang 2005 kommt, ist sehr leistungsfähig. Damit sind wir eine echte Alternative zu den etablierten Anbietern“, sagte Marten Mickos, der Vorstandschef von My SQL, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

FRANKFURT/M. My SQL bietet Open-Source-Datenbanken an. Im Gegensatz zu den etablierten Anbietern fallen dafür keine Lizenzgebühren an. Nur wer Wert auf einen umfassenden rechtlichen Schutz legt oder Service- Dienstleistungen in Anspruch nimmt, zahlt eine Gebühr. Bislang wurden die Programme vorwiegend von kleinen und mittelgroßen Firmen erworben. In den USA hat My SQL zwar auch große Kunden, darunter Cisco, Lucent und die Nasa. Doch sie setzen die Software in der Regel als Ergänzung zu bestehenden Datenbanken ein.

Das will Mickos ändern: „Wir haben mit Kunden wie Yahoo bewiesen, dass My SQL auch für unternehmenskritische Anwendungen geeignet ist.“ Hilfe bei den ehrgeizigen Plänen kommt von großen Firmensoftware-Herstellern. So unterstützt SAP die My-SQL-Datenbanken unterstützen. Zwischen fünf und zehn Prozent der SAP-Anwendungen – es handelt sich um wichtige Programme etwa für den Einkauf oder das Rechnungswesen – laufen bereits mit My SQL. Das liegt allerdings auch daran, dass SAP die eigene Datenbanksoftware vor einiger Zeit an My SQL verkauft hat.

Mickos will den Riesen der Datenbank-Industrie vor allem im unteren Segment der Standard-Datenbanken die Kundschaft streitig machen. „Bei den Commodity-Datenbanken werden wir in Konkurrenz zu den Großen treten. Bei Hochleistungs-Datenbanken werden die Firmen weiter auf die bekannten Namen setzen“, sagte er. Nach Berechnungen von Tim Klasell, Analyst der Bank Thomas Weisel Partners, machen Standard-Datenbanken rund 20 Prozent des 13,5 Mrd. Dollar schweren Datenbank- Weltmarktes aus.

Oracle und IBM reagieren auf die Konkurrenz mit dem Hinweis auf ihren Entwicklungsvorsprung. Gleichwohl haben sie ihre Preise deutlich gesenkt. So bietet Oracle die günstige Einsteigerversion Oracle Standard Edition an, der Datenbank-Server von Microsoft ist mit aggressiven Preisen im Markt. Klasell von Thomas Weisel Partners schätzt, dass die Open-Source-Datenbanken bis zu 50 Prozent des Geschäfts mit Oracles Standard Edition wegnehmen könnten. Die Umsatzprognose von My-SQL-Chef Marten untermauert diese These: „Wir werden unseren Umsatz in diesem Jahr auf 20 Millionen Euro verdoppeln.“

Der mächtigste Pfeil im Köcher der Open-Source-Anbieter ist der Kostenvorteil. Nach Berechnungen der US-Marktforscher von AMR Research fallen für konventionelle Datenbanken bis zu 40 000 Dollar pro genutzter Prozessoreinheit (CPU) an. Dagegen verlangt My SQL weniger als 1 500 Dollar je CPU.

Angesichts des anhaltenden Kostendrucks in den IT-Abteilungen vieler Firmen sehen die ARM-Experten eine wachsende Bedeutung von Open-Source-Datenbanken. „Waren sie einst verschrieen als obskur und nicht ausgereift, tauchen sie nun auch als Plattformen für größere Firmen auf“, schreiben die Experten.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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