Open-Xchange

Nürnberg statt Silicon Valley

Das Unternehmen Open-Xchange aus Nürnberg kennt fast niemand. Doch 200 Millionen Menschen nutzen seine Produkte, um E-Mails abzurufen. Obendrauf gibt es jetzt 21 Millionen Euro Finanzierung für das Softwareunternehmen.
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Technologie aus der fränkischen Großstadt: Open-Xchange erhält Millionen.
Nürnberg

Technologie aus der fränkischen Großstadt: Open-Xchange erhält Millionen.

DüsseldorfWer Nürnberg hört, der denkt an mittelalterliche Fachwerkhäuser, Christkindlesmarkt und Lebkuchen. Wahrscheinlich weniger an Technologie und Start-ups. Doch in der fränkischen Großstadt sitzt der deutsche Softwareentwickler Open-Xchange. Und der kann sich gerade über einen Geldregen freuen.

Dabei wird das Unternehmen einem Branchenfremden kaum etwas sagen: Quasi unbeachtet von der breiten Öffentlichkeit entwickelte Gründer Rafael Laguna Linux-basierte E-Mail Lösungen für Serviceanbieter - als Alternative zu Microsoft Exchange. Laguna hat einen Traum: Freie Dienstleisterwahl für alle. Wer kein Vertrauen zu den großen Playern wie etwa Microsoft hat, kann Open-Xchange selber hosten. Oder zwischen verschiedenen Anbietern wechseln. Und die Idee kommt an. 2005 gegründet beschäftigt das Unternehmen heute 250 Mitarbeiter.

Das sind die wertvollsten Start-ups der Welt
Platz 17: Spotify
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Eines der wertvollsten Start-ups der Welt wird in diesem Jahr wohl die Rangliste verlassen. Der Musikstreaming-Dienst Spotify setzt laut Medienberichten zu seinem seit langem erwarteten Börsengang an. Derzeit wird das Unternehmen aus Schweden mit 8,5 Milliarden Dollar bewertet, ein Börsengang könnte die Bewertung auf bis zu 20 Milliarden steigern. Der Dienst kommt nach eigenen Angaben auf mehr als 60 Millionen zahlende Abo-Kunden und mehr als 140 Millionen Nutzer insgesamt.

Quelle: WSJ Billion Dollar Club, Januar 2017

Platz 16. Theranos
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Mit nur 19 Jahren gründete Elizabeth Holmes (Bild) im Jahr 2003 die Firma Theranos. Mit einem kleinen Piekser in den Finger sollten innovative Technologien zuverlässige günstige Bluttests liefern. Doch dann wurden immer mehr Probleme mit den Bluttests bekannt. Ergebnisse wurden angezweifelt und letztlich als fehlerhaft zurückgezogen. 2017 konnte Theranos die folgenden Rechtstreite aber beilegen. Die letzte Finanzierungsrunde, die vor dem Skandal stattfand, bewertete das Unternehmen mit 9 Milliarden Dollar.

Platz 15: Stripe
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Die irischen Brüder Patrick (links) und John Collison gründeten 2009 das Start-up Stripe. Die Software-Plattform will Online-Zahlungsabwicklungen erleichtern und verarbeitet jährlich für Unternehmen in 25 Ländern Beträge in Milliardenhöhe. Selbst ist das Jungunternehmen 9,2 Milliarden Dollar wert.

Platz 14: DJI
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Frank Wang hat seinen Kindheitstraum wahr gemacht und sogar noch weiterentwickelt: Als er noch klein war, träumte er von einem Modell-Helikopter - als er einen besaß, crashte er ihn schnell. Doch er hielt an seinem Traum fest und gründete 2006 DJI, ein mittlerweile 10 Milliarden Dollar schweres Unternehmen, das Drohnen herstellt und verkauft. Mehr als 6000 Mitarbeiter arbeiten weltweit für die Chinesen.

Platz 13: Dropbox
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Wer hat noch keine Dateien per Dropbox verschickt? Das Start-up bietet eine Freigabe- und Speicherlösung von kleinen und großen Dateien. Drew Houston schrieb 2007 den ersten Softwarecode für Dropbox während einer Busfahrt von Boston nach New York. Mittlerweile nutzen über eine halbe Milliarde Menschen weltweit Dropbox. Das Unternehmen ist derzeit 10 Milliarden Dollar wert. Experten erwarten, dass bald ein Börsengang angekündigt wird.

Platz 12: Lyft
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Der 2012 gegründete Fahrdienst-Vermittler ist der größte Konkurrent von Platzhirsch Uber. Das Start-up ist in rund 300 US-Städten aktiv. Im Oktober 2017 steckte Google eine Milliarde Dollar in das Unternehmen. Damit stieg die Bewertung von Lyft auf 11,5 Milliarden Dollar. Ein Börsengang wird in diesem Jahr erwartet.

Platz 11: Flipkart
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Der virtuelle Marktplatz Flipkart ist das indische Pendant zu Amazon. Binny Bansal (rechts, mit Microsoft-Chef Satya Nadella) und Sachin Bansal arbeiteten vor der Gründung für den heutigen Konkurrenten Amazon, wollten dann aber eine E-Commerce-Webseite für Inder gründen. Indische Unternehmen investierten bereits drei Milliarden Dollar in das Start-up, das mittlerweile 11,6 Milliarden Dollar wert ist.

Zu den Kunden des Softwareentwicklers zählen führende Hosting-Dienstleister und Telekommunikationsunternehmen wie 1&1 Internet, Liberty Global, oder Vodafone. Sie nutzen die Open-Xchange Software, damit über 200 Millionen private Nutzer und mittelständische Unternehmen ihre Daten kontrollieren können. Eigentlich ist das Unternehmen damit dem Start-up-Status entwachsen. Gründer Laguna ist jedoch immer noch an Bord und weiß: Vertrauen ist wichtig für die Kundenbindung. Und die Originalität des Produkts: „Open-Xchange ist eigentlich die einzige verfügbare Alternative zu Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft“, erklärt Laguna.

Seine Firma wächst nach eigenen Angaben seit zehn Jahren im Schnitt um 45% im Jahr. Seit den vergangenen zwei Jahre arbeitete das Unternehmen profitabel. Open-Xchange gehört zu den umsatzstärksten 25 Softwareunternehmen aus Deutschland. Aber das reicht dem Gründer noch nicht: „Der Markt ist einfach riesig. Das Potenzial für unsere Produkte ist praktisch unbegrenzt, und das wollen wir nutzen.“

Doch dafür benötigt der Seriengründer Geld. Die europäische Venture-Capital-Gesellschaft Iris Capital hat jetzt gemeinsam mit eCAPITAL 21 Millionen Euro investiert. Curt Gunsenheimer, Senior Partner bei Iris Capital, meint: „Open-Xchange macht die digitale Landschaft sicherer und transparenter. Wir freuen uns auf die Partnerschaft mit einem Innovationstreiber.“

Die kräftige Finanzspritze soll die nächste Wachstumsrunde von Open-Xchange einläuten: Ausbau der Entwicklung, neue Wachstumsmöglichkeiten und intensivere Beziehungen zu bestehenden Partnern in Nord- Und Lateinamerika, sowie Asien. Manchmal kommt Technologie eben nicht daher, wo man es vielleicht vermutet.

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