Open-Xchange
Nürnberg statt Silicon Valley

Das Unternehmen Open-Xchange aus Nürnberg kennt fast niemand. Doch 200 Millionen Menschen nutzen seine Produkte, um E-Mails abzurufen. Obendrauf gibt es jetzt 21 Millionen Euro Finanzierung für das Softwareunternehmen.
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DüsseldorfWer Nürnberg hört, der denkt an mittelalterliche Fachwerkhäuser, Christkindlesmarkt und Lebkuchen. Wahrscheinlich weniger an Technologie und Start-ups. Doch in der fränkischen Großstadt sitzt der deutsche Softwareentwickler Open-Xchange. Und der kann sich gerade über einen Geldregen freuen.

Dabei wird das Unternehmen einem Branchenfremden kaum etwas sagen: Quasi unbeachtet von der breiten Öffentlichkeit entwickelte Gründer Rafael Laguna Linux-basierte E-Mail Lösungen für Serviceanbieter - als Alternative zu Microsoft Exchange. Laguna hat einen Traum: Freie Dienstleisterwahl für alle. Wer kein Vertrauen zu den großen Playern wie etwa Microsoft hat, kann Open-Xchange selber hosten. Oder zwischen verschiedenen Anbietern wechseln. Und die Idee kommt an. 2005 gegründet beschäftigt das Unternehmen heute 250 Mitarbeiter.

Zu den Kunden des Softwareentwicklers zählen führende Hosting-Dienstleister und Telekommunikationsunternehmen wie 1&1 Internet, Liberty Global, oder Vodafone. Sie nutzen die Open-Xchange Software, damit über 200 Millionen private Nutzer und mittelständische Unternehmen ihre Daten kontrollieren können. Eigentlich ist das Unternehmen damit dem Start-up-Status entwachsen. Gründer Laguna ist jedoch immer noch an Bord und weiß: Vertrauen ist wichtig für die Kundenbindung. Und die Originalität des Produkts: „Open-Xchange ist eigentlich die einzige verfügbare Alternative zu Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft“, erklärt Laguna.

Seine Firma wächst nach eigenen Angaben seit zehn Jahren im Schnitt um 45% im Jahr. Seit den vergangenen zwei Jahre arbeitete das Unternehmen profitabel. Open-Xchange gehört zu den umsatzstärksten 25 Softwareunternehmen aus Deutschland. Aber das reicht dem Gründer noch nicht: „Der Markt ist einfach riesig. Das Potenzial für unsere Produkte ist praktisch unbegrenzt, und das wollen wir nutzen.“

Doch dafür benötigt der Seriengründer Geld. Die europäische Venture-Capital-Gesellschaft Iris Capital hat jetzt gemeinsam mit eCAPITAL 21 Millionen Euro investiert. Curt Gunsenheimer, Senior Partner bei Iris Capital, meint: „Open-Xchange macht die digitale Landschaft sicherer und transparenter. Wir freuen uns auf die Partnerschaft mit einem Innovationstreiber.“

Die kräftige Finanzspritze soll die nächste Wachstumsrunde von Open-Xchange einläuten: Ausbau der Entwicklung, neue Wachstumsmöglichkeiten und intensivere Beziehungen zu bestehenden Partnern in Nord- Und Lateinamerika, sowie Asien. Manchmal kommt Technologie eben nicht daher, wo man es vielleicht vermutet.

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