Optimistischer Ausblick
IT-Branche spürt noch keinen Prism-Effekt

Kann man der Datenwolke noch vertrauen? Die Spitzeleien des US-Geheimdienstes könnten der Wirtschaft schaden, warnt die deutsche Hightech-Branche. Derzeit macht sich aber noch kein Prism-Effekt bemerkbar.
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DüsseldorfDie deutsche Hightech-Branche fordert eine rasche Aufklärung über die Abhörmaßnahmen der US-Geheimdienste. „Andernfalls besteht tatsächlich die Gefahr, dass das Vertrauen von Privatnutzern und auch von Unternehmen beschädigt oder zerstört wird“, sagte am Montag Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). Das könne sich auf Wachstum und Beschäftigung auswirken.

Konkrete Folgen seien aber noch nicht abzusehen, sagte Kempf. „Dafür sind die Ereignisse rund um die Abhöraktionen von Geheimdiensten einfach noch zu frisch.“ Zudem könnten mögliche Einbußen in Geschäftsfeldern wie dem Cloud Computing durch Zuwächse in anderen Bereichen wie der IT-Sicherheit ausgeglichen werden.

Derzeit befürchten die Unternehmen aber offenbar noch keine negativen Auswirkungen der Spitzelaffäre. Laut der Konjunkturumfrage des Branchenverbandes für IT und Telekommunikation rechnen 68 Prozent in diesem Geschäftsjahr mit steigenden Umsätzen, nur 19 Prozent erwarten ein Minus. Die Geschäftserwartungen sanken etwas, sind aber weiter auf einem hohen Niveau. Damit ist die Branche nach dem Rekordjahr 2012 weiter auf Wachstumskurs. Der Bitkom hatte die Unternehmen vom 11. Juni bis 5. Juli befragt – damit waren zumindest einige Informationen über das Abhörprogramm des US-Geheimdienstes bekannt.

Besonders gut läuft das Geschäft mit IT-Dienstleistungen: 79 Prozent der Anbieter erwarten steigende Umsätze. Die Software-Unternehmen sind ähnlich optimistisch (75 Prozent).

Die robuste Situation wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus. Mehr als die Hälfte der Unternehmen will Mitarbeiter einstellen, nur zwölf Prozent gehen von einem Rückgang aus. Der Bitkom prognostiziert, dass die Technologiebranche am Jahresende 907.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Unternehmen würde gerne noch mehr einstellen, hätten aber Schwierigkeiten, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) bezeichnete die Fachkräftesituation als „behindernd“ oder „sehr behindernd“.

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  • Die Cloud ist tot

    Vorher waren die Unternehmen nur skeptisch - jetzt wissen sie, dass sie den Wirtschaftsspionen gleich auf dem Flur ein Büro freihalten könnten, wenn sie die Cloud nutzen

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