Oracle-Klage
Diebstahl lädiert SAP

Europas führender Software-Konzern SAP hat zugegeben, dass sich eine US-Tochter unerlaubt Zugriff auf Daten des Erzrivalen Oracle verschafft hat. Dennoch reagiert die Börse gelassen: Zwar fürchten Experten einen Image-Schaden. Finanziell dürfte SAP ihrer Meinung nach aber glimpflich davon kommen.

HB WALLDORF. Vorstandschef Henning Kagermann räumte am Dienstag in einer ersten Erwiderung auf eine Oracle-Klage zwar Verfehlungen ein, wies den Vorwurf der Industriespionage aber vehement zurück. Die SAP-Tochter Tomorrow-Now habe zwar Wartungsdokumente des US-Konkurrenten in „unangemessener Weise“ heruntergeladen. Die Muttergesellschaft habe aber keinen Zugang zu diesen Downloads gehabt und damit auch keinen Diebstahl geistigen Eigentums begangen.

Das unerlaubte Herunterladen von Oracle-Software ist für SAP nach Einschätzung des Analystenhauses Fairresearch ein „Marketing-Supergau“. Analyst Heinz Steffen sagte: „Diese Geschichte schadet dem Ansehen des Unternehmens.“ Auf lange Sicht seien die Folgen jedoch nicht gravierend. Er rechnet mit einer Einigung vor Gericht. Dabei werde SAP wohl eine Summe zwischen 10 und 15 Mill. Euro zahlen. Die Kollegen von M.M. Warburg schlagen in die gleiche Kerbe: Sie verweisen darauf, dass Tomorrow-Now nur ein sehr kleiner Geschäftsbereich von SAP ist. Etwaige Geldbußen oder außergerichtliche Vergleiche dürften daher den Wert des Konzerns kaum mindern. Allerdings sehen auch sie Gefahren für den Ruf von SAP.

SAP-Chef Kagermann hat bereits die Möglichkeit einer gütlichen Einigung mit Oracle in Aussicht gestellt. Die Börsianer reagierten deshalb relativ gelassen auf die Erklärung von SAP. Während der Dax um rund 1 Prozent nach oben ging, verlor der Einzelwert 1 Prozent.

SAP-Chef entschuldigt sich

Oracle-Chef Larry Ellison hatte die rund 50-seitige Klageschrift gegen SAP wegen Diebstahls geistigen Eigentums Ende März bei einem Bezirksgericht in San Francisco eingereicht und später um eine Urheberrechtsklage ergänzt. Der deutsche Weltmarktführer für Unternehmenssoftware soll sich danach wiederholt unerlaubt Zugang zu einer Kundenbetreuungs-Website verschafft und von dort tausende Software-Produkte sowie anderes vertrauliches Material heruntergeladen haben.

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