Oracle klagt SAP hart an
„Es gibt eine Art Ehre unter Kriegern hier“

SAP kommt nicht aus der Defensive. In dem Prozess um Industriespionage pocht der US-Rivale Oracle auf Schadenersatz in Milliardenhöhe. Der ehemalige Oracle-Präsident Charles Phillips sagte im Gericht, er hätte SAP mindestens drei bis vier Mrd. Dollar für die Lizensierung der Software berechnen müssen, die von der damaligen SAP-Tochter TomorrowNow unterstützt worden sei.
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HB OAKLAND. Das Verfahren sei wichtig, um eine Botschaft an die Branche zu senden, sagte Phillips: "Es gibt eine Art Ehre unter den Kriegern hier. Wir liefern uns einen harten Wettbewerb, aber wir nehmen uns nicht gegenseitig die Software weg", sagte er.

Der Aufsehen erregende Prozess hatte am Montag in den USA begonnen. Dabei geht es neben Industriespionage auch um Schadenersatz für Diebstahl von geistigem Eigentum. Oracle hatte die Vorwürfe erstmals vor dreieinhalb Jahren öffentlich erhoben. SAP hat die Verfehlungen inzwischen grundsätzlich eingeräumt, eine von Oracle geforderte Milliardensumme aber als völlig überhöht bezeichnet. Am Mittwoch hatten sich die beiden Softwarefirmen offenbar teilweise geeinigt. SAP habe zugestimmt, 120 Mio. Dollar an Oracle zu zahlen, erfuhr Reuters aus mit der Sache vertrauten Kreisen. Im Gegenzug verzichte Oracle darauf, von SAP Strafzahlungen zu fordern. Das Thema Strafzahlung - bei der es um eine Geldbuße für einen Rechtsbruch geht - ist allerdings nur ein Teil des Prozesses. Daneben geht es auch um Kompensationszahlungen, also den Ersatz für einen tatsächlich aufgetretenen Schaden.

Auslöser für Oracle-Klage war die Softwarefirma TomorrowNow, ein kleines Unternehmen aus Texas. SAP hatte den auf die Wartung von Software spezialisierten Dienstleister Anfang 2005 für zehn Millionen Dollar gekauft, um Oracle nach dessen Übernahme von PeopleSoft möglichst viele lukrative Firmenkunden abspenstig zu machen. SAP und TomorrowNow lockten verunsicherte Nutzer von PeopleSoft mit Dumping-Angeboten für Software-Wartung. Letztlich sollten die Kunden mit hohen Rabatten ins SAP-Lager wechseln. TomorrowNow schoss aber deutlich über das Ziel hinaus, wie SAP später - nach anfänglichen Dementis - einräumte. Denn im Rahmen der Wartungstätigkeit für gut 200 Kunden kam es durch TomorrowNow-Mitarbeiter zu umfangreichen und unzulässigen Datentransfers von Oracle-Rechnern, was der US-Konzern als Software-Diebstahl, Spionage und Betrug im großen Stil wertete und Klage erhob.

Oracle will als Zeugen auch den ehemaligen SAP-Chef Leo Apotheker vorladen, der seit Montag den nach Umsatz weltgrößten IT-Konzern Hewlett-Packard (HP) führt. Doch HP lehnt ab. Apotheker habe nur sehr eingeschränkte Kenntnis von dem Fall, wiederholte eine Sprecherin. „Oracles in letzter Minute gestarteter Versuch, ihn persönlich vor Gericht zu zitieren, ist nichts anderes als eine Schikane.“ Oracle gehe es nur darum, Apotheker von seinen Verpflichtungen bei HP abzuhalten.

Seit Monaten überzieht der für seine aufbrausende Art bekannte Oracle-Chef Ellison sowohl SAP als auch HP mit bissigen Kommentaren. Oracle konkurriert mit SAP bei Unternehmens-Software und mit HP bei Großrechnern. Der Anwalt der Deutschen sprach jüngst von einem „Medienzirkus“, den Ellison veranstalten wolle.

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