Oracle Openworld
Luxus-Spielplatz für Manager

Was macht ein Milliardenunternehmen wie Oracle mit Minderwertigkeitskomplex? Es lässt es richtig krachen und kreiert einen Riesen-Spielplatz für Manager. Damit steht ganz San Francisco im Bann eines Branchen-Zweikampfs.
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San FranciscoNormalerweise ist die Howard Street eine zentrale Achse im chronischen Verkehrschaos von San Francisco. Selbst wenn nur eine Fahrspur gesperrt ist, steigt der Adrenalinspiegel der Berufspendler rasant an. Aber zweimal im Jahr herrscht absoluter Ausnahmezustand. Dann wird die Howard zwischen 4. und 3. Straße einfach einkassiert.

Kunstrasen versteckt dann den schnöden Asphalt, zahllose Sitzsäcke und weiße Lounge-Sofas unter Sonnenschirmen laden zum Entspannen ein. Jazz- und Rockbands treten von morgens bis abends auf. Livrierte Kellner kredenzen mittags Essen und nachmittags Wein, Bier und Säfte – in improvisierten Clubs auf der Amüsiermeile zwischen den Messehallen des Moscone Centers.

Auf gigantischen Fernsehmonitoren sind Vorträge zu sehen und Powerpoint-Folien, bis der Arzt kommt. Am Abend wälzt sich eine endlose Welle von Anzug- und Jeansträgern in die Restaurants und Bars. Ihre Teilnehmer-Badges, an langen Bändern um den Hals getragen, wehen ihnen im harten Wind der San Francisco Bay hinterher wie die Fahnen von Söldnertruppen im Anmarsch.

Oracle und Salesforce verwandeln San Francisco in einen riesigen Spielplatz für das Kind im Manager. Oracle ist der 39 Jahre alte Riese, der seine Macht verteidigt, Salesforce der 16 Jahre junge Herausforderer, der den „Opa“ Oracle bei den Kunden und als beste Party-Plattform ablösen will.

Beide eint ein Problem: Ihre Produkte sind wichtig, aber außerhalb der Business-Szene nur langweilig. Ganz anders als bei Apple.

Also wird gezaubert, was das Zeug hält. Die beiden größten Veranstaltungen im Tech-Zirkus sind Oracles Openworld mit 60.000 Teilnehmern und die Dreamforce von Ex-Oracle-Manager Marc Benioff, der mit Salesforce.com eines der mächtigsten Cloud-Unternehmen gegründet hat.

Er protzt mit mehr als 140.000 registrierten Teilnehmern. Allerdings ein Teil davon mit kostenlosen Tickets. Solche Tickets gibt es bei Oracle nicht, 1000 Dollar und mehr werden fällig.

Trotz der saftigen Preise: Der Veranstaltungszirkus rund um die Cloud brummt auf allen Zylindern. Vor vier Jahren hat Amazon etwa angefangen eine jährliche Hausmesse namens „reinvent“ nur für seine junge Cloud-Computing-Sparte in Las Vegas abzuhalten.

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