Oracle-Übernahme
Bei Sun verschwinden die Sonnenstrahlen

Der Name führt in die Irre: Die Sonne ist schon lange untergegangen über Sun Microsystems. Seit dem Platzen der Internet-Blase zu Beginn des neuen Jahrtausends ist der IT-Konzern aus dem Silicon Valley nur noch ein Schatten seiner selbst. Hohe Verluste, stetig wiederkehrende Sparrunden und ein Stellenabbau nach dem anderen haben das Bild des 1982 gegründeten Unternehmens zuletzt geprägt.

MÜNCHEN. Am Ende war es die Finanzkrise, die Sun in die Arme Oracles getrieben hat: Banken und Versicherungen gehören traditionell zu den wichtigsten Kunden der Kalifornier. Doch angesichts der riesigen Verluste der Institute blieben viele Bestellungen seit letztem Sommer aus. Das Resultat: Der Computerhersteller machte im vierten Quartal 2008 einen Verlust von mehr als 200 Mio. Dollar. Der Umsatz fiel um elf Prozent auf 3,2 Mrd. Dollar. Die neuesten Quartalszahlen will der Konzern kommende Woche vorlegen, sie dürften von der weltweiten Rezession geprägt sein.

Sun Microsystems hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, hohe Verluste haben sich immer wieder mit eher mäßigen Gewinnen abgewechselt. Nur eines war in den vergangenen Jahren konstant: der Wandel. Mal ging die Strategie in diese Richtung, dann in jene. Auf der Strecke blieben dabei stets zahlreiche Jobs. Derzeit streicht der Konzern 6 000 seiner weltweit 33 000 Stellen.

Durch seine leistungsstarken Computer, sogenannte Workstations, ist das vom Deutschen Andreas Bechtolsheim mitgegründete Unternehmen bekannt geworden. Dem Studenten vom Ammersee waren die Rechner an der Stanford University zu langsam gewesen, also hat er sich selbst welche gebaut. Daher stammt auch der Name: „Stanford University Network“, kurz Sun. Bis heute verdient der Konzern das meiste Geld mit Netzwerkrechnern. Wie für die Wettbewerber spielen aber auch für Sun Software und Dienstleistungen eine immer wichtigere Rolle.

Doch während große Rivalen wie IBM oder Hewlett-Packard (HP) sich gegenüber den Kunden inzwischen eher als Beratungsunternehmen mit angeschlossener Hardware-Abteilung positionieren, gilt Sun noch immer als Produzent alter Schule. Die Java-Software von Sun sowie das Betriebssystem Solaris sind weltweit verbreitet – doch der Konzern kann dies nicht in bare Münze umwandeln.

„Das wird kein Zuckerschlecken“, sagte Sun-Chef Jonathan Schwarz, als er nach Ausbruch der Finanzkrise den vorerst letzten Stellenabbau verkündet hat. Der Mann mit der üppigen Haarpracht sollte recht behalten. jojo

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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