Oracle & SAP
Geschäftsmodell der Softwareanbieter bewährt sich in der Rezession

Eine Vielzahl von US-Konzernen streicht in diesen Tagen ihre Dividende, weil ihnen das Wasser bis zum Halse steht. Die Anteilseigner des Softwarekonzerns Oracle hingegen dürfen sich freuen: Zum ersten Mal seit der Gründung vor mehr als 30 Jahren beteiligt das Unternehmen seine Aktionäre über eine Ausschüttung am Erfolg. Das gute Ergebnis des Unternehmens beflügelte auch die Aktien von SAP.

MÜNCHEN. Finanzvorstand Jeff Epstein begründete den überraschenden Schritt mit den guten Quartalszahlen. Zudem verwies der Manager auf den hohen freien Cash-Flow, also den Mittelzufluss nach Investitionen, von acht Mrd. Dollar in den vergangenen zwölf Monaten.

Das Unternehmen aus Kalifornien leidet auch unter der Wirtschaftsflaute, doch das Geschäft läuft immer noch ordentlich. So hat Oracle in dem am 28. Februar zu Ende gegangenen dritten Quartal des Geschäftsjahres zwar sechs Prozent weniger Umsatz mit neuen Lizenzen verbucht. Verantwortlich dafür ist jedoch vor allem der starke Dollar. Wäre die US-Währung auf dem Stand vor Jahresfrist, hätte Oracle ein Umsatzplus im Vergleich zum Vorjahr von drei Prozent eingefahren.

Die Erlöse aus dem Verkauf neuer Lizenzen sind enorm wichtig für die Softwarebranche. Denn im Anschluss folgen über viele Jahre hinweg Einnahmen aus der Wartung sowie aus neuen Versionen. Zum Vergleich: Im abgelaufenen Quartal hat Oracle Lizenzen für rund 1,5 Mrd. Dollar an den Mann gebracht. Für Updates und Service zahlten die Kunden fast das Doppelte.

Analysten zeigten sich am Donnerstag hoch zufrieden mit den Zahlen des US-Konzerns. „Das währungsneutrale Wachstum ist verblüffend“, sagte Sarah Fiar vom Finanzinstitut Goldman Sachs. „Die Dividende ist das Sahnehäubchen nach einem prima Quartal.“ Währungsbereinigt steigerte Oracle die Erlöse um elf Prozent auf 5,5 Mrd. Dollar, der Gewinn kletterte um 14 Prozent auf 1,3 Mrd. Dollar.

Das gute Ergebnis gab am Donnerstag auch den Aktien von SAP einen Schub. Das Unternehmen aus Walldorf ist der größte Wettbewerber von Oracle. Der Kurs von SAP kletterte um etwa drei Prozent auf rund 27,70 Euro. Die Analysten von Unicredit bestätigten angesichts der Oracle-Zahlen ihre Kaufempfehlung für SAP. Die Märkte hätten die großen Technologiefirmen in jüngster Zeit zu negativ bewertet, meinen die Experten. Oracle habe bewiesen, dass Konzerne dieser Art ein stabiles Geschäft hätten. Selbst ohne große Lizenzumsätze sei ein gutes Gewinnwachstum möglich, fanden auch die Spezialisten von Merrill Lynch. Dies sei beruhigend in der Rezession.

Allerdings lassen sich Oracle und SAP nicht eins zu eins miteinander vergleichen. Die Deutschen konzentrieren sich auf das Geschäft mit Programmen zur Unternehmenssteuerung; die Amerikaner verfügen hingegen zusätzlich über ein starkes Standbein in der Datenbank-Software. Hier erzielen sie mehr als doppelt so viel Umsatz wie mit Unternehmenssoftware. Zudem sind tendenziell höhere Margen mit Datenbanken zu erzielen.

Dennoch hat Oracle-Chef Larry Ellison in den vergangenen drei Jahren mehr als 30 Mrd. Dollar für Akquisitionen ausgegeben, um in die Domäne von SAP einzudringen – mit begrenztem Erfolg. Denn noch immer sind die Walldorfer auf ihrem angestammten Gebiet wesentlich größer. Oracle veröffentlicht keine Margen für die einzelnen Bereiche, und so bleibt offen, welche Firma hier profitabler ist.

Oracle geht davon aus, dass die Erlöse im laufenden Quartal, das bis Ende Mai dauert, zwischen zehn und 14 Prozent fallen. Allerdings könnten Währungsschwankungen die Zahlen stark beeinflussen. Die Dividende beweise aber, dass die Firma an ihr Geschäftsmodell glaube, meinen Analysten. SAP hat für das laufende Jahr keine Prognose abgegeben.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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