Oracle zeigt auf Hausmesse Wege in die Zukunft
IT-Branche baut auf preiswerte Software und flexible Rechner

Begleitet von Laserlicht und lauten Techno-Klängen zeichneten in dieser Woche prominente Vertreter der IT-Branche auf der „Oracle World“ in San Francisco ein Bild von der Zukunft der Informationstechnologie: Flexible Systeme aus preiswerten, standardisierten Komponenten sollen zunehmend individuelle IT-Systeme auf Großrechner-Basis verdrängen.

je SAN FRANCISCO. Ihren langfristigen Optimismus für die eigenen Produkte übersetzten die Firmenchefs jedoch nicht in Aufschwungsprognosen für die nächste Zukunft. Scott McNealy, Chef von Sun Microsystems, sagte voraus, dass Standardkomponenten und automatisierte Systeme viele IT-Jobs überflüssig machen würden.

Seit 1996 veranstaltet der führende US-Softwareanbieter Oracle alljährlich diese Technologiemesse für seine Kunden und lädt dazu prominente Sprecher aus der Branche ein. Dell-Chef Michael Dell humpelte nach einem Reitunfall mit gebrochenem Fuß auf die Bühne, Intel-Chef Craig Barrett ließ einen von nur drei Prototypen des Ford GT, der Ferrari Konkurrenz machen soll, in den Saal des Moscone-Kongresszentrums röhren.

Scott McNealy unterhielt die IT-Profis mit humoriger, aber scharfer Kritik. Beispiel: „Analysten sind zu detailversessen. Die fragen mich nach unserer Linux-Strategie. Das ist so, als würde man William Ford nach seiner Vergaser-Strategie fragen.“

In ihrer Diagnose der Lage stellten die führenden Köpfe der Branche eine Belebung, aber noch keine durchgreifende Erholung fest. Nach dem IT-Rausch in der zweiten Hälfte der 90er Jahre würden heute Kosten und Nutzen von Investitionen genauer denn je abgewogen.

„Einige Firmen analysieren immer noch, was sie mit dem, was sie zusammengekauft haben, anfangen sollen“, sagt Steve Lemme von Computer Associates. Die Botschaft an kostenbewusste Kunden fasste Oracle-Chef Larry Ellison in einem Paradoxon zusammen: „Wir bieten Systeme mit mehr Leistung und höherer Sicherheit. Sie müssen nur bereit sein, weniger Geld auszugeben.“

Zu dem noch schwebenden Versuch Oracles, den Konkurrenten Peoplesoft gegen den Willen des Managements für 7,3 Mrd. $ zu übernehmen, verwiesen Ellison und sein Vize, Chuck Phillips, am Rande der Messe auf die Kartellwächter in Washington. Deren Entscheidung könne im November fallen. Ellison zeigte sich optimistisch.

Analysten gehen davon aus, dass Oracle wahrscheinlich mehr bieten wird, wenn das US-Justizministerium grünes Licht gibt. Phillips erklärte, dass von Seiten der EU-Wettbewerbshüter wenig Widerstand erwartet werde, weil Peoplesoft in Europa kaum eine Rolle spiele. Die Kombination von Oracle und Peoplesoft würde neben SAP und Microsoft den dritten dominierenden Anbieter integrierter Softwarelösungen für Unternehmen schaffen. Sie ist deshalb in der Branche umstritten. Peoplesoft hat sich jüngst mit J.D. Edwards zusammengeschlossen.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Oracle World, die mehr als 20 000 Oracle-Kunden anlockte, stand die Einführung der neuen Software für Applikationsserver „Oracle Enterprise Manager 10G“.

Unter dem Oberbegriff „Grid Computing“ funktioniert diese Software in unternehmensweiten IT-Systemen wie ein Autopilot, der die gesamte IT-Infrastruktur überwacht und nach bestimmten Vorgaben dafür sorgt, dass alle Anwendungen aus einem Pool von Servern die benötigte Rechnerleistung schöpfen können. „Wir bewegen uns weg von einer Datenverarbeitungswelt, in der auf Spitzenanforderungen ausgelegte Großrechner mit individuellen Software-Lösungen wie Inseln nebeneinander existieren“, erläuterte Oracle-Vize Phillips. „Die Zukunft gehört integrierten Systemen mit Standardkomponenten und gemeinsam genutzten Kapazitäten.“

Die Idee sei nicht neu, aber die Voraussetzungen für ihre Verwirklichung kämen erst jetzt zusammen: Linux als billiges, stabiles Betriebssystem – standardisierte, preisgünstige Servereinheiten auf Intelbasis – ultraschnelle Datenleitungen und eine integrierte Software fürs Systemmanagement, in die verschiedene Anwendungsprogramme eingestöpselt werden könnten.

Mit der Oracle 10G-Software als Verwalter und Verkehrspolizist ließen sich beliebig viele dieser Server- Einheiten zu einem virtuellen Großrechner kombinieren, der Leistung dort zur Verfügung stellt, wo sie gebraucht wird. Das System sei kostengünstiger und sicherer als einzelne Großrechner, sagte Ellison. Ausfälle einzelner Server-Einheiten würden sofort vom Gesamtsystem kompensiert. Der Oracle-Chef erläuterte, das bisher nur in Testversionen existierende 10G-Programm würde noch in diesem Jahr in Serie gehen. Ende Oktober will Oracle auf der dritten europäischen Oracle World das Programm in Paris vorstellen.

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