Orascom Telecom
Auf dem Sprung nach Europa

Wenn jemand in Kairo weiß, wie man Geld in den armen und gefährlichen Regionen der Welt verdient, dann ist es die Familie Sawiris. Nach den Erfolgen ihres Mobilfunkkonzerns in den noch wenig erschlossenen Märkten Afrikas und Asiens suchen sie nach neuen Herausforderungen: Orascom Telecom drängt nach Europa.

KAIRO. Was Vater Onsi vor mehr als 50 Jahren in Ägypten mit einer kleinen Baufirma begann, bauten seine drei Söhne zum milliardenschweren Imperium Orascom aus, das sich von Afrika über arabische Länder bis nach Asien erstreckt. Exil, wirtschaftliche Schwierigkeiten und Terror konnten die Familie nicht stoppen, die als koptische Christen zu einer Minderheit im muslimischen Ägypten gehört.

Die drei Söhne von Patriarch Onsi Sawiris könnten unterschiedlicher nicht sein. „Nassef ist wie ein langsamer Panzer, Naguib ist ein Rennwagen, und ich komme auf meinem Esel daher“, hat Samih einmal gesagt. Entsprechend ihrem Temperament haben sie sich offenbar auch das Familienimperium aufgeteilt: Der älteste, Naguib, hat sich in das rasante Telekommunikationsgeschäft gestürzt, Nassef, der mittlere, hat das Baugeschäft des Vaters übernommen, und Samih, über den Onsi sagt, mit ihm könne er seinen Hobbys wie Fischen nachgehen, hat sich für Tourismus entschieden.

Naguib Sawiris ist derzeit der erfolgreichste. Seine Orascom Telecom (OTH) ist das wertvollste Unternehmen an der Börse in Kairo; von dessen Wachstumsraten können europäische Mobilfunkanbieter nur träumen: Anfang Dezember meldete OTH einen Kundenzustrom von 67 Prozent in nur zwölf Monaten. Von 30 auf 50 Millionen erhöhte sich die Zahl die Nutzer in sieben Ländern des Nahen Ostens, Asiens und Afrikas. Bis 2009 sollen es 100 Millionen Abonnenten sein, verkündete Sawiris bei der Gelegenheit vollmundig. Damit setzt Orascom Telecom eine fulminante Erfolgsgeschichte fort, die 1998 als Junior-Partner beim ersten ägyptischen Mobilfunkanbieter „Mobinil“ begonnen hat.

Doch der visionäre Unternehmer will sich nicht mit der Rolle eines regionalen Riesen begnügen: Mit der spektakulären Übernahme des angeschlagenen italienischen Mobilfunkanbieters Wind im Jahr 2005 durch seine neu gegründete Gesellschaft Weather Investments will der ägyptische Geschäftsmann seinem erklärten Ziel näher kommen, eines Tages zu den führenden vier bis fünf Anbietern der Welt zu zählen.

Sawiris’ Strategie ist stets die gleiche: Orascom Telecom steigt als Minderheitsaktionär in ein Unternehmen ein, baut es auf oder aus und kauft weitere Anteile. Bisher hat das nur auf dem Heimatmarkt Ägypten nicht funktioniert, wo France Télécom die Mehrheit am Joint Venture Mobinil nicht abgeben will.

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