Ortungsprogramm: Bundesregierung verbietet O2 Handel mit Bewegungsdaten

Ortungsprogramm
Bundesregierung verbietet O2 Handel mit Bewegungsdaten

O2 darf die Bewegungsdaten seiner Kunden nicht verkaufen. Das hat eine Prüfung des Wirtschaftsministeriums ergeben. Mit solchen Vermarktungspraktiken werde der Verletzung der Privatsphäre Tür und Tor geöffnet.
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BerlinDer Mobilfunkanbieter O2 darf in Deutschland die Bewegungsdaten seiner Kunden nicht zum Verkauf anbieten. „Der Handel mit Standortdaten ist grundsätzlich verboten“, sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums am Mittwoch in Berlin.

Auch der Handel mit anonymisierten Daten sei unzulässig, sagte er mit Blick auf die deutsche Tochter des spanischen Telefonkonzerns Telefonica. Ein Sprecher des Verbraucherschutzministeriums sagte, mit solchen Vermarktungspraktiken werde der Verletzung der Privatsphäre Tür und Tor geöffnet.

Eine Ausnahme bestehe, wenn die Standortdaten an „Dienste mit Zusatznutzen“, etwa zur Registrierung von Verkehrsströmen, weitergegeben würden, sagte der Sprecher des Wirtschaftsministerium. Das dürfte dann aber auch nur anonymisiert geschehen oder mit Einwilligung des Handybesitzers. Diese engen Bestimmungen gelten nach den Worten des Sprechers auch in anderen EU-Ländern.

Eine Prüfung des Ministeriums habe nun ergeben, dass die Bestimmungen im Fall O2 einen Handel mit Standortdaten - auch in anonymisierter Form - nicht zulassen, da es sich nicht um einen Dienst mit Zusatznutzen handle. Er gehe davon aus, dass die für die Beaufsichtigung zuständige Bundesnetzagentur entsprechende Schritte einleiten werde, sagte der Ministeriumssprecher weiter.

Die ARD hatte berichtet, der Mobilfunkkonzern habe ein Programm namens „Smart Steps“ entwickelt, mit dem die Bewegungsdaten der Smartphone-Besitzer für die Werbeindustrie ausgewertet werden sollen. Konkret geht es darum, den Standort des Telefonbesitzers mit weiteren Daten wie Alter und Geschlecht abzugleichen und beispielsweise an Ladenbetreiber zu verkaufen. Andere Daten wie Name und Anschrift sollen nicht herausgeben werden.

Ein Sprecher von Telefonica Deutschland bestätigte das Ortungsprogramm und betonte, dass es derzeit in Großbritannien getestet werde. Ob und wann die Software in Deutschland an den Start gehe, sei nicht entschieden. Falls das der Fall sein sollte, werde der Konzern sicherstellen, dass alle deutschen Datenschutzregeln zu 100 Prozent beachtet würden – wie bei allen anderen Telefonica-Produkten auch, sagte er.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ortungsprogramm: Bundesregierung verbietet O2 Handel mit Bewegungsdaten"

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  • Ja. schon dumm, dass eine Telekom-Firma hinaus posaunt, wie man hierzulande die Terroristen findet...

  • Seltsam, seltsam, wenn man so die Begründung des Wirtschaftsministeriums hört. Und das, obwohl doch über Smartphones und entsprechende Programme Mails mitgelesen werden, Gespräche aufgezeichnet und mitgeschnitten werden usw.; auch werden über jeder Stadt-/Gemeindeverwaltung mit Adresshandel Geld verdient, was auch nicht untersagt wird.
    Hat man es deshalb untersagt weil man bei O² so ehrlich war und es vorab verkündet hat oder macht man das lediglich, um den Verbraucher in Sicherheit zu wiegen, weil der Staat ja einschreitet wenn so etwas "fürchterlich Böses" passiert?

    Dann nämlich müssten auch Paybackkarten verboten werden, denn auch damit ist ein Bewegungsprofil ohne weiteres erstellbar. Doch davon habe ich noch nie etwas gehört, das diese karten verschwinden sollen.

  • Bundesregierung verbietet O2 Handel mit Bewegungsdaten. Sie hat nämlich das alleinige Besitzrecht.

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