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Telekom bündelt ihre Kräfte

Die Deutsche Telekom will mit einer neuen Strategie den Verlust von Kunden und Umsatz stoppen. Dabei kommt der Festnetzsparte T-Com eine zentrale Funktion zu. Beinahe schon revolutionär: Sie wird auch Mobilfunkdienste anbieten – und das zu sehr günstigen Tarifen. Die Preisoffensive kann aber nicht über ein strukturelles Problem hinwegtäuschen.

SEOUL. Die T-Com werde der „Integrator“ des Konzerns sein, sagte Festnetzvorstand Walter Raizner am Montag in Seoul. Seine Sparte werde künftig Komplettangebote aus Telefon- und Internetanschluss, Fernsehen und Mobilfunk schnüren. Dies soll neue Mobilfunkkunden gewinnen und die Nutzer enger binden. Die Telekom präsentierte in der koreanischen Hauptstadt moderne Internetdienste.

Die Mobilfunktochter T-Mobile soll dennoch als eigene Sparte bestehen bleiben. Analysten fordern, die Telekom solle dem Beispiel von Wettbewerbern wie der spanischen Telefónica folgen und alle Sparten unter einem Dach vereinen. Bei der Telekom stünden sich einzelne Bereiche gegenseitig im Weg, weil die Vorstände mit harten Bandagen für ihre Sparten kämpften. „Wenn wir im Vorstand nicht mehr um die richtige Lösung ringen, sind wir falsch aufgestellt“, kontert Raizner. Wie aus Unternehmenskreisen zu hören ist, soll jeder Vorstand künftig die Verantwortung für ein übergreifendes Thema im Konzern erhalten. Denkbar sei etwa, dass T-Mobile-Chef René Obermann sich um einen gemeinsamen Vertrieb kümmert.

Die Telekom musste nach einem schlechten zweiten Quartal vor drei Wochen ihre Umsatz- und Gewinnprognose für dieses und das kommende Jahr drastisch reduzieren. Konzernchef Kai-Uwe Ricke kündigte darauf ein umfangreiches Sparprogramm und Preissenkungen an.

Mobil telefonieren für 6 Cent

T-Mobile hat bereits neue Tarife vorgestellt. Mobilfunkkunden können demnächst ein Bündel von 1 000 Minuten für 59 Euro kaufen. Damit kostet die Gesprächsminute in alle Netze im günstigsten Fall knapp 6 Cent und liegt nur geringfügig über den Festnetzpreisen. Zudem bietet T-Mobile erstmals einen Pauschaltarif an. Damit können Kunden für 35 Euro monatlich unbegrenzt in das deutsche Festnetz und zu den 30 Millionen T-Mobile Kunden telefonieren und Kurzmitteilungen verschicken. Das Unternehmen hofft, dass die Nutzer bei billigeren Tarifen häufiger mit dem Handy telefonieren und dass dadurch der Umsatz insgesamt steigt. Weitere Preise will Ricke mit seinen Vorständen auf der Internationalen Funkausstellung bekannt geben, die am Donnerstag in Berlin beginnt.

Sparen will Ricke unter anderem mit einem neuen Netz, das ausschließlich auf dem Internetprotokoll basiert. Es soll 2011 das bisherige Festnetz ablösen. Das neue Netz benötigt weniger Wartung, so dass sich die Kosten für den Netzbetrieb nach Angaben von Raizner um 30 bis 35 Prozent senken lassen. Experten gehen davon aus, dass dies Einsparungen von etwa 2 Mrd. Euro jährlich entspricht.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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